Das Heimathaus in Borgholzhausen zeigt Ausstellung über Königin Luise

Alexander Heim

Königlicher Auftakt: 300 Jahre Stadtrechte feierte Borgholzhausen in diesem Jahr. Der Heimatverein steuert dazu die Ausstellung über Königin Luise und den Luisenturm bei. Dr. Rolf Westheider (von links), Carl-Heinz Beune und Jan Brüggeshemke eröffneten die Schau am Sonntagnachmittag. - © Alexander Heim
Königlicher Auftakt: 300 Jahre Stadtrechte feierte Borgholzhausen in diesem Jahr. Der Heimatverein steuert dazu die Ausstellung über Königin Luise und den Luisenturm bei. Dr. Rolf Westheider (von links), Carl-Heinz Beune und Jan Brüggeshemke eröffneten die Schau am Sonntagnachmittag. (© Alexander Heim)

Borgholzhausen. Denn mit Blick auf das 300-jährige Jubiläum der Stadtrechteverleihung wollte auch der Heimatverein einen Beitrag leisten. Er tut dies mit einer Ausstellung, die zum einem dem Luisenturm auf der Johannisegge gewidmet ist und zum anderen dessen Namensgeberin: Königin Luise von Preußen. Zahlreiche Bücher über die junge und schöne Königin haben die Aktiven zusammengetragen. Im Schumacher-Raum lief zudem zur Eröffnung eine Dokumentation.

17 Schwarz-Weiß-Fotografien beleuchten den Luisenturm. genauer gesagt die vier Luisentürme. Denn es ist nicht mehr das Original aus dem Jahr 1893, das heute von Wanderern erobert werden kann und einen Blick auf das Lebkuchenstädtchen gewährt. Die Besucher der Ausstellung sollten auch einen besonderen Blick auf die Hütte neben dem Turm wagen: „Die wird im Laufe der Jahrzehnte immer größer", weiß Carl-Heinz Beune vom Heimatverein, der sich intensiv mit der Geschichte des Turms beschäftigt und selbst einige der Fotografien beigesteuert hat. Zwischen 1900 und 1920 trägt die Hütte den Namen Schankwirtschaft. Ab 1930 wird daraus die Erfrischungshalle. Wer genau hinschaut, der sieht, dass sich das Fähnchen auf dem Turm in jener Zeit den politischen Verhältnissen merklich angepasst hat.

"Die Hütte ist im Krieg abgebrannt"

„Die Hütte ist im Krieg abgebrannt", sagt Carl-Heinz Beune. „Was nicht abgebrannt ist, haben die Leute als Brennholz benutzt". Knapp 40 Jahre später sollte es in der Nachfolgehütte noch einmal zu einem Brand kommen. „1982 wurde sie dann im gleichen Stil wieder aufgebaut."

Die Fotografien des Turms respektive die Postkarten, auf denen er abgebildet ist, stammen aus dem Archiv Ludwig Schumacher. Karin Warias hat sie vergrößert und gerahmt. Eine der Fotografien zeigt die feierliche Einweihung des dritten Turms 1953, bei der, so scheint es, halb Borgholzhausen auf den Beinen war. Der Volksschullehrer Büsching war damals Vorsitzender des Heimatvereins und hielt die Festrede.

Inwieweit Reden ein Stimmungsbild der gesellschaftlichen Verhältnisse waren – darauf ging Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider im Rahmen der Museums-Wiedereröffnung ein. Er hob dabei auf den Luisenkult ab, der im 19. Jahrhundert seine Blüte erfuhr. Der weise deutliche Parallelen zum Mythos um Lady Diana – der »Königin der Herzen« – auf. Beide Frauen verbindet der frühe Tod, der sie zur Legende hat werden lassen. Aber vielleicht auch der Umstand zweier Söhne, denen es wichtig war, beziehungsweise ist, das Andenken zu bewahren.

„Eine Alternative hätte nur Bismarck geboten"

Als einer von nur zwei Luisentürmen stehe der Piumer Turm hoch oben auf Piums höchster Erhebung. „Die Namensgebung war eine Selbstverständlichkeit", führte Westheider aus. „Eine Alternative hätte nur Bismarck geboten." Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg-Strelitz „war eine schillernde und wichtige Identitätsfigur", so der Stadtarchivar. Nach den vielen Niederlagen, die Preußen erlebt hatte, „stand sie in der Verklärung da als diejenige, die die Nation gerettet hat". Der bürgerliche Lebensstil der königlichen Familie, ihre Volksverbundenheit und ihr Charisma hätten ein Übriges getan.

Adeliges Familienidyll: Vielleicht auch durch ihre Söhne wurde das Bild Königin Luises aufrecht erhalten - und verklärt. - © Alexander Heim
Adeliges Familienidyll: Vielleicht auch durch ihre Söhne wurde das Bild Königin Luises aufrecht erhalten - und verklärt. (© Alexander Heim)

„Mit dem Ende der Monarchie 1918 ist für viele eine Welt zusammengebrochen", machte Westheider deutlich. So habe der damalige Schulrektor Heimann im Rahmen seiner Einweihungsrede für den zweiten Turm 1924 erklärt: „Wir befinden uns wieder in Schmach und Schande." Und er rief Richtung Detmold aus: „Wir blicken zum mahnenden Hermanns-Denkmal. Möge unserem Vaterland bald ein neuer Hermann entstehen."

Der Heimatvereinsvorsitzende Jan Brüggeshemke freute sich, dass zahlreiche Gäste zur Eröffnung von Museum und Ausstellung den Weg ins Heimathaus gefunden hatten. Er wies auch auf die neue »Beach Flag« hin, die vor dem Museum wehte. Wann immer sie dies in Zukunft tut, ist das Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.

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