Nahaufnahme zur Buchmesse: Raucherpause mit Tatort-Kommissar Axel Prahl

Unter dem Titel „Nahaufnahme" setzt das Haller Kreisblatt jede Woche einen Schwerpunkt auf ein Thema, das die Region bewegt: Dieses Mal geht es um Leseratten und Bücherwürmer. Seit 2004 organisiert die Buchhandlung Krüger Fahrten zur Buchmesse nach Leipzig

Tasja Klusmeyer

Leipzig liest – und Versmold hört zu: Initiatorin Gesine Klack und Stammgast Wilfried Scholz blättern durchs Programm. Bei 3.600 Veranstaltungen auf der Buchmesse und in der Stadt fällt die Entscheidung nicht leicht. - © Tasja Klusmeyer
Leipzig liest – und Versmold hört zu: Initiatorin Gesine Klack und Stammgast Wilfried Scholz blättern durchs Programm. Bei 3.600 Veranstaltungen auf der Buchmesse und in der Stadt fällt die Entscheidung nicht leicht. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Wilfried Scholz kennt Leipzig durch verwandtschaftliche Beziehungen seit Jahrzehnten. Die Buchmesse aber habe er lange Zeit gar nicht wahrgenommen – bis 2004, als er anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Versmolder Buchhandlung Krüger an einem Preisausschreiben teilnahm. Und den Hauptgewinn bekam: einen Platz bei der Premierenfahrt nach Leipzig.

Seitdem zählt Wilfried Scholz zu den treuen Fahrgästen aus Versmold und der Umgebung, die sich jedes Jahr im März auf den Weg Richtung Sachsen machen. Das „gemütliche Ambiente und das wunderbare Programm" schätzt der 75-Jährige, der gerne Krimis liest, besonders. „Leipzig ist attraktiv", sagt der Versmolder und freut sich deshalb jedes Mal auf das Wochenendprogramm drumherum, das die Buchhandlung strickt.

Beim Messebesuch selbst geht es dem Rentner weniger darum, seine Lieblingsautoren – er mag regionale Geschichten – zu hören. Vielmehr findet er es spannend, bekannte Gesichter und Namen zu sehen. „Es ist interessant, wie die Promis sich geben."

Publikumsmesse und Branchentreff

Gerne erinnert sich Wilfried Scholz an eine zufällige Begegnung mit Tatort-Kommissar Axel Prahl. Vor einigen Jahren traf er in der Raucherecke auf den Schauspieler, der nach Feuer fragte. „Da sind wir kurz miteinander ins Gespräch gekommen." Ohnehin gilt die Veranstaltung – nach Frankfurt die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands – als Publikumsmesse, bei der die Begegnung zwischen Autor und Leser im Vordergrund steht.

Für Gesine Klack hat die Fahrt neben dem Geselligen und Kulturellen immer auch einen fachlichen Hintergrund. Der erste große Branchentreff des Jahres ist Impulsgeber für den Büchermarkt. Als Buchhändlerin hat man da die Augen offen für potenzielle Gäste.

Auf diese Weise war 2012 zum Beispiel die Lesung mit Marc Elsberg entstanden, den die Versmolder Gruppe in Leipzig bei den dortigen Stadtwerken hörte. Und den Gesine Klack ebenso – passend zum Thriller »Blackout«, einem spannenden Stromausfall-Szenario – beim hiesigen Versorger lesen ließ.

Oder der inzwischen gestorbene Pfarrer Christian Führer, der 2009 Gast in der Petri-Kirche war. Der Kontakt entstand ebenso bei einer Leipzig-Reise, als die Versmolder Führer bei einer Exklusivführung durch seine Nikolaikirche kennen lernten.

„Gruppe ist fast schon eine Familie geworden"

Diesmal wird Gesine Klack unter anderem ein Auge auf Franz Hohler haben – einen Schweizer Kabarettisten, „dessen Bücher ich gerne gelesen habe", sagt die Versmolderin. Nun möchte sie schauen, ob der Schriftsteller einmal etwas für das Versmolder Programm wäre.

Am Freitag macht sich die 75-köpfige Gruppe auf den Wochenendtrip gen Osten. Die 16. Fahrt könnte die letzte sein. Seit Jahresbeginn ist Gesine Klack nicht mehr Inhaberin der Versmolder Buchhandlung, sondern Angestellte, auch das nur noch zeitlich begrenzt. Ihre Chefin Christina Risken werde im Laufe der kommenden Monate entscheiden, ob und wie es genau mit dem Angebot weitergeht.

Wilfried Scholz hofft, dass auch künftig Ende März Leipzig angesteuert wird. „Das wäre schön", sagt der 75-Jährige. Die Gruppe sei „fast schon eine Familie geworden".

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