Silberreiher nutzen die milden Winter in OWL

Die Silberreiher brüten seit wenigen Jahren in den Benelux-Staaten und im Baltikum. Bis Mitte März nutzen viele der Tiere die milden Winter in Ostwestfalen

Andreas Großpietsch

Auf den Schwingen übers Versmolder Bruch: Karlheinz Wolf fotografierte diesen Silberreiher in Borgholzhausens Nachbarstadt. - © Karlheinz Wolf
Auf den Schwingen übers Versmolder Bruch: Karlheinz Wolf fotografierte diesen Silberreiher in Borgholzhausens Nachbarstadt. (© Karlheinz Wolf)

Borgholzhausen. Bernhard Walter kann sich noch genau erinnern, wie er vor ziemlich genau 20 Jahren seinen ersten Silberreiher im Versmolder Bruch sah: „Ornithologisch war das eine Sensation. Solche Vögel gab es hier vorher nicht“, sagt der Geschäftsführer der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld. Inzwischen haben die eleganten weißen Schreitvögel ihren festen Platz in der heimischen Vogelwelt – aber immer nur im Herbst und Winter.

Noch vor nicht allzu vielen Jahren stand in vogelkundlichen Lehrbüchern, dass die Silberreiher in Südosteuropa brüten und am Neusiedler See in Österreich das nördlichste Brutvorkommen in Europa zu finden sei. Seit wenigen Jahren brüten die Reiher auch in Holland und Belgien sowie im Baltikum. „Und seit ungefähr 15 Jahren überwintern sie hier“, weiß Bernhard Walter.

Denn die Biostation führt akribisch Buch über die Veränderungen in der heimischen Natur. „Mitte März sind die Silberreiher alle wieder weg. Wer früh startet, kann als Erster die besten Brutplätze erobern“, erklärt der Ornithologe. Die Vögel brüten in größeren Schilfbeständen, wo sie ihre Nester am Boden anlegen. Und das ist schon ein sehr wichtiger Grund, warum sie sich nicht mit dem einigermaßen ähnlich aussehenden heimischen Graureihern mischen würden. Die brüten nämlich auf Bäumen und wohnen auch ganzjährig in derselben Region.

Genau wie Graureiher fangen sie mehr Mäuse als Fische

„Anfangs bekamen wir Meldungen über Albino-Graureiher“, erinnert sich Walter. Inzwischen sind die Vögel den meisten Menschen bekannt – denn sie sind ebenso wenig scheu wie unauffällig. In Borgholzhausen kann man regelmäßig ein Exemplar am Violenbach neben der Sundernstraße sehen und auch im südlichen Stadtgebiet in der Nähe von Kleekamp sieht man regelmäßig einen Silberreiher über Wiesen und Felder schreiten.

Ornithologe: Bernhard Walter aus Pium. - © Herbert Gontek, HK
Ornithologe: Bernhard Walter aus Pium. (© Herbert Gontek, HK)

Hauptbeute von grauem und weißem Reiher sind nicht Fische, obwohl die auch gern genommen werden, sondern Mäuse. Und das scheint der Grund zu sein, warum die Silberreiher zum Überwintern nach Ostwestfalen kommen. Denn eine geschlossene Decke aus Schnee und Eis findet sich hier selten. In Holland auch nicht. „Doch dort könnten sich andere Wintergäste als durchsetzungsstärker behaupten“, kann auch Bernhard Walter nur Vermutungen darüber anstellen, warum die weißen Reiher nicht ganzjährig in ihrem neuen Brutrevier bei den Nachbarn in der Nähe der Nordseeküste anzutreffen sind.

In ihrem Winterquartier zeigen sie sich aber ziemlich durchsetzungsfähig. „Natürliche Feinde haben sie hier nicht. Unter der Größe von Seeadlern könnte kein Raubvogel sie schlagen“, erklärt Walter, warum die Vögel sich eine so auffällige Farbe für ihr Gefieder leisten können.

Füchse haben keine Chance

Füchse und andere Beutegreifer auf vier Pfoten haben eigentlich auch keine Chance. Nachts treffen sich die Vögel in Schlafgruppen an geeigneten Plätzen wie zum Beispiel dem Versmolder Bruch. Abwechselnd auf einem Beim stehend schlafen sie im flachen Wasser.

Ab und an werden der Biostation auch tote Silberreiher gemeldet. Ganz ohne sind die heimischen Winter also auch nicht. Aber offenbar befindet sich die auffällige Art in der Ausbreitung. Vermutlich ist es auch hier der Klimawandel, der ihnen neue Lebensräume eröffnet.

Im Winterquartier sind die Reiher abends und nachts gesellig. Tagsüber sucht jeder Vogel allein nach Nahrung, wobei manche Plätze recht regelmäßig aufgesucht werden. Das Brutgeschäft erledigen Silberreiher in »serieller Monogamie«, wie es so schön bei Wikipedia heißt. Also halten sie vielleicht schon im Winterquartier Ausschau nach dem passenden Partner für die nächste Brutsaison.

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