Borgholzhausen will klimafreundlich heizen

Der neue Bauhof, die Feuerwehr und das Übergangswohnheim werden künftig mit Holzhackschnitzeln beheizt. Mehr wäre möglich gewesen

Andreas Großpietsch

Blick auf den Kessel: Das Archivbild aus dem Jahr 2013 zeigt die städtische Holzhackschnitzelheizung auf dem bisherigen Bauhof. - © Andreas Großpietsch
Blick auf den Kessel: Das Archivbild aus dem Jahr 2013 zeigt die städtische Holzhackschnitzelheizung auf dem bisherigen Bauhof. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Am Ende war die Vorlage der Verwaltung länger als die abschließende Diskussion vor der Abstimmung über den Energieträger für die Heizung der städtischen Liegenschaften im Bereich der Sundernstraße. Trotzdem waren alle Parteien einstimmig der Meinung, dass man das Borgholzhausener Erfolgsmodell des Heizens mit Holzhackschnitzeln ausbauen soll, auch wenn die Kosten anfangs geringfügig höher sind als die von Erdgasheizungen.

Was daran liegt, das Erdgas im Augenblick generell nicht besonders teuer ist und die Stadt Borgholzhausen zudem einen besonders günstigen Liefervertrag abgeschlossen hat, der ihr für mehrere Jahre einen sehr guten Preis garantiert. Das macht es für alternative Brennstoffe deutlich schwieriger, mit dem auch noch sehr bequemen Gas zu konkurrieren.

Selbst wenn der Brennstoff, wie im Fall der Hackschnitzel, quasi umsonst ist. Umsonst, weil das Holz bei der ganz normalen Pflege und Unterhaltung der städtischen Bäume in großen Mengen anfällt, quasi, weil die Verarbeitung von Bäumen und Ästen zu Hackschnitzeln ihren Preis hat.

Der auch zu zahlen ist, wenn die Bürger das Brennmaterial aus ihren Gärten kostenlos anliefern. Das ist an allen Samstagvormittagen im Februar am Standort des neuen Bauhofs an der Sundernstraße möglich.

Andere Gebäude können so beheizt werden

Insgesamt kommt so mehr als genug Material zusammen, um auch noch andere Gebäude als nur die städtischen zu beheizen. Von der Kreiswohnstättengenossenschaft gibt es Interesse für die Beheizung von gleich drei Mehrfamilienhäusern durch umweltfreundlicher Heizungswärme von der Stadt. Auch ein Privateigentümer hat Interesse bekundet.

Durch die größere Nachfrage würden sogar die Betriebskosten für alle sinken. Andere Kosten allerdings würden steigen, vor allem durch Besteuerung. Denn der Staat will durch Mehrwertsteuer, aber auch Körperschafts- und Gewerbesteuer mitkassieren. Und die Stadt müsste steuerliche Jahresabschlüsse und eine Steuererklärung abliefern. Und ein höherer Investitions- und Personalaufwand muss ebenfalls mit eingeplant werden.

Allerdings hat die Stadt schon beim Vergleich zwischen den Kosten für Gas- und für Holzhackschnitzel-Heizungen einen geringen finanziellen Nachteil für die umweltfreundlichere Methode der Energieerzeugung feststellen können. Damit hatte aber bei der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses niemand ein Problem. Für die Gasheizung müssten nach aktuellen Zahlen 1.583,50 Euro weniger pro Jahr ausgegeben werden als für die Holzhackschnitzelvariante.

34 Tonnen CO2 Pro Jahr gespart

Allerdings kehrt sich diese Relation um, wenn der Gaspreis nur um 14 Prozent steigt. Bei einer kalkulierten Lebensdauer von rund 20 Jahren also nur um 0,7 Prozent pro Jahr. Denn der Preis für die Heizung mit dem Restholz bleibt mehr oder weniger konstant. Auch ein weiterer städtischer Großverbraucher an dieser Stelle kann die Situation im Vergleich der Preise ebenfalls zugunsten der nachhaltigen Variante ändern. Noch ist zwar kein Bedarf in Aussicht, aber die Stadt hat dort oben noch ein großes freies Grundstück.

Schon vom ersten Tag wird bei der Heizung von Bauhof, Feuerwehr und Wohnheim aber beim CO 2-Ausstoß gespart werden – und zwar 34 Tonnen pro Jahr. Nach dem positiven Beschluss des Umweltausschusses muss diese Entscheidung jetzt noch im Rat bestätigt werden. Termin ist Donnerstag, 14. Februar, ab 18 Uhr im Rathaus.

Andreas Großpietsch - © Nicole Donath, HK
Andreas Großpietsch (© Nicole Donath, HK)


Kommentar: Was hätte Greta Thunberg gesagt?

Die Frage nach der Meinung einer jungen Klimaaktivistin, die nach eigenem Bekunden nur schwarz und weiß unterscheidet, ist zugegebenermaßen ketzerisch. Die Einschätzung, dass der Stadt Borgholzhausen eigene Stadtwerke fehlen, um Wärme nicht nur für eigene Gebäude zu erzeugen, sondern auch an Dritte zu verkaufen, ist sicher nicht ganz falsch. Oder vielleicht sogar ganz richtig.

Richtig ist aber offensichtlich auch, dass es in Borgholzhausen klimaneutrales Heizmaterial zu Hauf gibt, das zu einem kalkulierbar erträglichen Preis aus eigenen Quellen zu erhalten ist oder in jedem Frühjahr freudig in großen Mengen von den Bürgern gespendet wird. Und schaut man nur auf das engere Umfeld der fünf Altkreisgemeinden, die ja Borgholzhausen strukturell sehr ähnlich sind, so gäbe es dort also genug klimaneutrales Heizmaterial für alle öffentlichen Gebäude – und noch ein paar mehr. So gesehen ist die Frage, ob man nicht mit etwas mehr Fantasie – vielleicht in einem größeren Verbund der kleinen Städte – mehr erreichen könnte, gar nicht ketzerisch.

Die Antwort gab Greta Thunberg neulich übrigens beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos: „Uns gehen die Entschuldigungen aus, genauso wie die Zeit.

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