Mobilitätsstation in Pium: Millionenprojekt auf den Weg gebracht

Umwelt- und Bauausschuss bringen das Millionenprojekt in gemeinsamer Sitzung auf den Weg. Diskutiert wird eigentlich nur über das Dach. Am Ende findet sich auch dafür eine klare Mehrheit

Andreas Großpietsch

Mobilitätsstation: Sie funktioniert technisch auch ohne Dach. Doch würde sie so auch als neuer Mittelpunkt im Ortsteil Bahnhof funktionieren? - © Max Maschmann
Mobilitätsstation: Sie funktioniert technisch auch ohne Dach. Doch würde sie so auch als neuer Mittelpunkt im Ortsteil Bahnhof funktionieren? (© Max Maschmann)

Borgholzhausen. Es war ein langer Sitzungstag am Mittwoch im Rathaus, aber am Ende waren etliche wichtige Projekte der Stadt einen guten Schritt vorangekommen. Die Ausschüsse für Planen und Bauen sowie für Umwelt tagten jeder für sich und über weite Strecken gemeinsam, da die Themen viele Überschneidungen aufwiesen. Längst sind die Mitglieder auch geübt in dem nicht einfachen Abstimmungsmodus.

Denn für gemeinsame Ergebnisse muss trotzdem getrennt abgestimmt werden. Vieles wurde einstimmig erledigt, bei der Mobilitätsstation aber kam es zu einer kontroversen Diskussion. Allerdings nur über ein Detail der auf Gesamtkosten von 1,555 Millionen Euro geschätzten Anlage auf dem Platz am Bahnhof.

Allerdings handelt es sich dabei für die eine Seite um ein ebenso teures wie unverzichtbares Detail: das Dach. Wobei es eben auch Parteienvertreter gibt, die es für durchaus verzichtbar halten. Und beide Seite hatten für ihre Sicht jeweils gute Argumente.

Dach wäre verzichtbar

Aus rein technischer Sicht ist es verzichtbar: Die in einem Kreis angeordneten Park- und Ladeplätze für E-Autos sowie die Fahrradabstellplätze und Radboxen würden auch ohne Dach funktionieren. Und das gegen Vandalismus recht resistente Toilettenhäuschen ist ein eigenes Gebäude und steht ohnehin neben dem Dach.

Das runde Dach soll an einen Ringlokschuppen erinnern und passt deshalb perfekt auf den Vorplatz des Bahnhofs. Es gibt dem Platz ein Gesicht über das rein funktionale Element hi-naus, aber es kostet eben auch mehr als 300.000 Euro. Allerdings wird es ebenso wie das Gesamtprojekt erheblich gefördert. Insgesamt erhält Borgholzhausen rund 80 Prozent der Ausgaben für den neuen Mittelpunkt des Ortsteils Bahnhof als Förderung.

Doch die Vertreter der CDU finden den Entwurf nicht gelungen und vor allem zu teuer. Dabei bekamen sie Unterstützung von den Grünen. Sie argumentierten auch mit der nach dem Abriss des Hotels jetzt freien Sicht auf den Bahnhof, die es zu erhalten gelte. SPD, Unabhängige und FDP sprachen sich dafür aus, das »Ufo« genau so umzusetzen, wie es Ralf Düspohl, der Planer des Büros Röver, vorgeschlagen hatte.

Mehrheit ist am Ende Mehrheit.

Die Idee mit dem Ringlokschuppen als Ausgangspunkt für das Gestaltungskonzept kam allerdings von Ralf Vieweg, dem allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters. Vieweg hatte sich auch erfolgreich um die in Aussicht gestellten Fördermittel gekümmert. Offenbar waren die Fördergeber in besonderer Weise auch von dem Entwurf eines Gebäudes, das Leuchtturmcharakter für die Idee der Mobilitätsstation im Allgemeinen haben soll, sehr angetan.

Bei der Abstimmung gab es im Umweltausschuss am Ende eine Mehrheit von sechs gegen vier Stimmen für das Dach (eine Enthaltung). Im Ausschuss für Planen und Bauen fiel die Entscheidung mit fünf gegenüber sechs Stimmen sogar noch knapper aus.

Doch Mehrheit ist am Ende Mehrheit. Und da ganz aktuell auch letzte Probleme mit dem Erwerb eines kleinen, aber unverzichtbaren Grundstücks gelöst worden sind, steht der Umsetzung des Plans vom Leuchtturmprojekt mit Dach kaum mehr etwas im Wege.

Kommentar: Gut bedacht

Sparsamkeit ist eine lobenswerte Tugend, keine Frage. Die Mobilitätsstation ist schon von ihrer Funktion her ein Gewinn für die Stadt. Sie sorgt für neue Verknüpfungen zwischen den Bereichen Wohnen und Arbeiten. Sie ist aber auch Ausdruck eines Neuanfangs für einen Ortsteils, der vieles zum wirtschaftlichen Erfolg der ganzen Stadt beiträgt, aber nur wenig dafür zurückbekommt. Das Bekenntnis zu diesem Ort, der erst noch einer werden muss, drückt sich in dem bewussten Mehraufwand aus. Inspiriert es die privaten Akteure am Bahnhof, nicht nur die billigste Variante zu verwirklichen, dann war es sogar eine gelungene Investition.

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