Wunderlampen für das Rad aus Borgholzhausen

Dirk Strothmann arbeitet an der Perfektionierung seiner Idee. Durch das Crowdfunding kann die Serienproduktion für das Magnic Microlight jetzt bald starten. Doch es bleibt noch mehr als genug zu tun

Andreas Großpietsch

Viel mehr als nur eine gute Idee: In seiner hauseigenen Entwicklungswerkstatt die unter anderem mit einem selbst entwickelten Prüfstand und einem 3-D-Drucker ausgestattet ist, hat Dirk Strothmann aus Borgholzhausen seine Fahrradlampen über Jahre immer weiter entwickelt. - © Andreas Großpietsch
Viel mehr als nur eine gute Idee: In seiner hauseigenen Entwicklungswerkstatt die unter anderem mit einem selbst entwickelten Prüfstand und einem 3-D-Drucker ausgestattet ist, hat Dirk Strothmann aus Borgholzhausen seine Fahrradlampen über Jahre immer weiter entwickelt. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Wer sich gern einmal einer kleinen Träumerei über die Verwendung unerwarteten Reichtums hingibt, sollte sich weiterhin vom Gedanken an Lottogewinne oder unverhoffte Erbschaften inspirieren lassen. Einfach die Idee zu einer coolen Erfindung zu haben, ist keine Grundlage für schnellen Reichtum. Wer wüsste das besser als Dirk Strothmann, dessen Geistesblitz mit dem berührungslos arbeitenden Dynamo für die Fahrradbeleuchtung ihm im Jahr 2011 bei der Nacht von Borgholzhausen kam.

Und diese Idee hat ihm seitdem sehr viel Anerkennung von Fachleuten und Laien gleichermaßen und dazu gleich mehrere Auszeichnungen in renommierten Wettbewerben eingebracht. Und natürlich auch ein wenig Geld. Doch angesichts der Zeit und der finanziellen Mittel, die in den langen Weg von der Idee zum fertigen Produkt geflossen sind, sind die Gewinne mehr als bescheiden. Doch immerhin: Mit der jüngsten Entwicklung des Beleuchtungssystems hat es die Kinderschuhe endgültig hinter sich gelassen.

Die Leistung der LEDs bestimmt die Lampengröße

Dabei hat es sich gegenläufig entwickelt wie zum Beispiel die Autos, die jedes Jahr ein wenig schwerer und protziger werden. Das Magnic Microlight ist viel kleiner als seine Vorgänger, braucht in der Produktion deutlich weniger Rohstoffe und ist zudem für den Käufer noch deutlich billiger geworden – doch bei der Leistung merkt man das nicht. Im Gegenteil.

Viel mehr als nur eine gute Idee: In seiner hauseigenen Entwicklungswerkstatt die unter anderem mit einem selbst entwickelten Prüfstand und einem 3-D-Drucker ausgestattet ist, hat Dirk Strothmann aus Borgholzhausen seine Fahrradlampen über Jahre immer weiter entwickelt. - © Andreas Großpietsch
Viel mehr als nur eine gute Idee: In seiner hauseigenen Entwicklungswerkstatt die unter anderem mit einem selbst entwickelten Prüfstand und einem 3-D-Drucker ausgestattet ist, hat Dirk Strothmann aus Borgholzhausen seine Fahrradlampen über Jahre immer weiter entwickelt. (© Andreas Großpietsch)

„Es ist vor allem die Entwicklung bei den LEDs, die sich in der Größe der Lampen niederschlägt", erklärt Physiker Strothmann. Die neusten Modelle gewinnen aus einem Watt Leistung 200 Lumen Licht und sind dabei grade einmal 1,6 mal 1,6 Millimeter groß. Zum Vergleich: Eine klassische Glühbirne erzeugt 10 Lumen aus 1 Watt-. Den Rest der Energie gibt sie als Wärme ab.

„Ohne LED würde meine Lampe gar nicht funktionieren", weiß Dirk Strothmann. Und so findet er sich auch gern damit ab, dass die Entwicklung bei den modernen Leuchtmitteln in atemberaubender Weise voranschreitet, Obwohl das für ihn jedes Mal viel Arbeit bedeutet.

Nicht nur eine Lichtquelle

Denn eine Fahrradlampe besteht nicht nur aus der Lichtquelle. Entscheidend ist auch das Zusammenspiel von Reflektor und Linse, das dafür sorgt, dass mit dem Vorderlicht die Straße vor dem Reifen gut ausgeleuchtet wird.

Das zu beachtende Regelwerk ist umfangreich, schreibt die Leuchtkraft ebenso wie mehrere Abstrahlwinkel der fertigen Lampe und noch vieles mehr sehr genau vor. Die Größe der »Birne« bestimmt ganz entscheidend die Größe des Reflektors und damit auch der Lampe. Die LEDs sind bei gleicher Leistung in den vergangenen Jahren um ein Mehrfaches kleiner geworden, wandeln immer effizienter elektrischen Strom in Licht um.

Für Dirk Strothmann bedeutet diese grundsätzlich erfreuliche Entwicklung immer wieder neues Tüfteln und vor allem immer wieder hohe neue Kosten. Wie zum Beispiel für dei Linsen, die natürlich nach seinen Spezifikationen gefertigt werden. Jede einzelne Linse für sich ist nicht unbedingt teuer. Doch ein neues Design erfordert neu Werkzeuge bei der Herstellung, was sich die Hersteller natürlich bezahlen lassen. Das Gewinnen von Preisen wie kürzlich den »Bundespreis Ecodesign« hilft aber beim Verhandeln.

Noch ein wenig mehr Schub ist nötig

„Danach sind die Preise deutlich besser geworden", sagt Dirk Strothmann. Die Mittel aus dem Crowdfunding reichen leicht, um die Serienproduktion zu starten. Immerhin warten rund 1100 Unterstützer in aller Welt jetzt auf insgesamt 5000 Lampensysteme. Ostern soll der Versand anlaufen.

Doch um sich wirklich am Markt durchzusetzen, vielleicht sogar zum Standard bei der Erstausstattung von hochwertigen Fahrrädern zu werden, braucht die Idee noch ein wenig mehr Schub – sieh dazu auch den Kasten rechts. Doch Dirk Strothmann hätte die Idee von 2011 nicht bis zum heutigen Stand gebracht, wenn er nicht über einen ausreichend langen Atem verfügen würde.

Info

Entscheidend ist die StVZO


Die Abkürzung StVZO ist als begriff ebenso kompliziert wie die Komplettversion »Straßenverkehrszulassungsordnung«. Und die Erfüllung dieser Vorschriften ist noch deutlich komplizierter. Doch sie ist unumgänglich, um das Nischenprodukt »berührungslos arbeitende Dynamo-Lampen-Kombination« zu einer Massenanwendung oder gart zum Standard zu machen. Gründe dafür gäbe es genug – denn Fahrradfahrer leben gefährlich. Und wären besser geschützt, wenn sei auch tagsüber immer mit Licht fahren würden. Und neben den immer mehr verbreiteten Akkulampen ist der berührungslose Wirbelstromdynamo perfekt dafür.

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