Borgholzhausen-Bahnhof: So viel Aufbruch war noch nie

Mit einem Vorkaufsrecht im Zentralbereich will sich die Stadt jetzt die Chance zur Mitbestimmung sichern

Andreas Großpietsch

Der genaue Blick lohnt sich: Einige Impressionen aus dem Kernbereich von Borgholzhausen-Bahnhof. Dynamisches Gewerbe und gepflegte Gebäude gehören ebenso zum heutigen Bild wie entwicklungsfähige Freiflächen und unverkennbare Problembereiche. Unverkennbar ist, dass der Bahnhofsbereich lebendig ist. - © Andreas Großpietsch
Der genaue Blick lohnt sich: Einige Impressionen aus dem Kernbereich von Borgholzhausen-Bahnhof. Dynamisches Gewerbe und gepflegte Gebäude gehören ebenso zum heutigen Bild wie entwicklungsfähige Freiflächen und unverkennbare Problembereiche. Unverkennbar ist, dass der Bahnhofsbereich lebendig ist. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Vielleicht wird sie nicht pünktlich wie geplant am Ende des Jahres 2019 unter Verkehr sein, die Autobahn 33, die dem südlichen Bereich der Stadt so viele Veränderungen beschert wie nie zuvor. Doch auf ein paar Monate mehr oder weniger kommt es auch nicht wirklich an bei der Aufgabe, die jetzt vor Politik und Verwaltung liegt. „Sie brauchen hier einen ganz lange Atem“, sagte Roger Loh am Montagabend zu den Verantwortlichen im Ausschuss für Planungs- und Bauangelegenheiten.

Zuvor hatte der Experte aus dem Planungsbüro Tischmann Schrooten den eigentlich ja jedem bestens bekannten Ortsteil aus seinem Blickwinkel als Stadtplaner vorgestellt. Und war dabei nicht an den offensichtlichen Schwächen stehengebleiben, sondern hatte es verstanden, den Blick der Zuschauer auf liebenswerte Details und beachtliche Potenziale zu lenken.

Und das, ohne dabei die auch künftig sicher noch vorhandenen Besonderheiten auszublenden. Heute leidet das Gebiet am stärksten unter dem Verkehr auf der Bundesstraße 68. Der wird zwar abnehmen, wenn die Autobahn erst durchgängig befahrbar ist, aber ganz verschwinden wird er nicht. Und an mancher Stelle vielleicht sogar noch an Intensität gewinnen.

Mobilität und Gewerbe bleiben wichtige Themen

Langer Atem gefragt: Borgholzhausen-Bahnhof birgt Potenziale. - © Planungsbüro Tischmann Schrooten
Langer Atem gefragt: Borgholzhausen-Bahnhof birgt Potenziale. (© Planungsbüro Tischmann Schrooten)

Die Bahnhofstraße wird sicher noch mehr befahren sein als heute, wenn sie den kürzesten Weg zur Abfahrt in beide Richtungen der A 33 bietet. Und auch künftig wird der Bahnhofsbereich vor allem von den Themen Mobilität und Gewerbe bestimmt sein – viel stärker als jeder andere Bereich der Stadt. Das macht es aber auch interessant für die Firmen, sich hier zu präsentieren. Als positives Beispiel zeigt Loh hier ein Bild von der gläsernen Ausstellungspyramide der Firma Fetra, die einen der vier wichtigen Eingangsbereiche auf den großen Straßen dominiert.

Planer Roger Loh lenkte den Blick aber auch auf die vielen Privathäuser, die oft ungewöhnlich gut von ihren Besitzern gepflegt worden sind. Und so die Hoffnung auf eine bessere Zukunft des Ortsteils wecken. Deshalb soll auch in Bereich des Kindergartens Sonnenschein eine behutsame Entwicklung für mehr Wohnbebauung gestartet werden. Bei genauerem Hinsehen finden sich einige Bereiche mit Bebauungspotenzial.

Interessant sind sie vor allem für Menschen, die in einem der vielen Betriebe in der Nähe arbeiten oder auf den Haller Willem als Verkehrsmittel setzen können. Und künftig auch auf die Mobilitätsstation, die direkt neben dem alten Bahnhof entstehen soll und offenbar wieder deutlich gestiegene Chancen auf hohe öffentliche Förderung besitzt.

Aktive Bodenpolitik, aber keine Enteignung

Zwar wurden am Montag im Ausschuss noch deutliche Differenzen bei der optischen Gestaltung des Bauwerks deutlich – die CDU fremdelte stark mit dem geplanten runden Baukörper. Doch es gab auch erkennbare Einigkeit darin, an dieser Stelle ein Projekt mit Leuchtturmcharakter für den gesamten Bahnhofsbereich entwickeln zu wollen, das den Charakter einer Initialzündung haben kann.

Diese Möglichkeiten zu fördern, aber sie auch in die gewünschet Richtung lenken zu können, war der eigentliche Grund für den Einsatz des Planungsbüros. Die Stadt will sich ein Vorkaufsrecht für den gesamten inneren Bereich sichern. „Hier geht es nicht um Enteignung. Sondern nur darum, etwas kaufen zu können, was ein anderer sowieso verkaufen will“, erklärte Loh.

Für diese Art einer „aktiven Bodenpolitik“ gab es am Ende eine einstimmige Zustimmung der Politik. Und auch bei der Bewertung des Vortrags waren sich alle einig: Genau so hatten sie sich den Start in das Langfristprojekt gewünscht.

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