Borkenkäfer zerstört Wald: Hunderte Fichten müssen gefällt werden

Andreas Großpietsch

Im Staatswald am Barenberg. Großflächiger Holzeinschlag zur Bekämpfung es Borkenkäfers, der die mächtigen Fichten reihenweise tötet. - © Andreas Großpietsch
Im Staatswald am Barenberg. Großflächiger Holzeinschlag zur Bekämpfung es Borkenkäfers, der die mächtigen Fichten reihenweise tötet. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Fichtenholz türmt sich in beeindruckenden Stapeln am Wegesrand. Dahinter schließen sich kahle Hänge an, zerwühlt von den riesigen Holzerntemaschinen, die auch auf den Wegen ihre Spuren hinterlassen. Die Stille wird zerrissen vom unverkennbaren Geräusch der Kettensägen, in das sich die heiseren Schreie der nach Süden fliegenden Kraniche mischen. Nur der milde Sonnenschein verschönert die triste Kulisse. Doch gerade er ist der Grund, warum im Staatswald am Barenberg so viele Fichten dem Tode geweiht sind.

Kyrill und seine Folgen sind bis heute noch nicht überwunden

Noch vor wenigen Monaten ragten die Bäume gesund und prachtvoll in den Himmel über dem Kamm des Teuto-Höhenzuges, von dem aus man die Stadt Borgholzhausen in ihrem Tal so gut erkennen kann – wenn der Wald weg ist. Im Winter des Jahres 2007 wütete hier am Barenberg der Orkan Kyrill, zerstörte allein in diesem Bereich Fichtenwald in einer Größenordnung von 75 Hektar. „Mindestens 50.000 Festmeter Holz mussten vor elf Jahren aus dem Wald geschafft werden", erinnert Förster Carsten Bölts.

Borkenkäfer zerstört Wald: Hunderte Fichten müssen gefällt werden

Etliche Bäume fielen damals allerdings gar nicht dem Sturm zum Opfer, sondern dem Borkenkäfer. Die Aufarbeitung des gefährlichen Riesenmikados am Nordhang des Barenbergs war nicht so schnell zu schaffen wie es nötig gewesen wäre und die Käfer vermehrten sich unter der Rinde der abgeknickten Bäume so stark, dass sie auch gesunde Fichten durch ihre schiere Zahl überwältigen konnten.

Auch im Winter dieses Jahres gab es mit Friederike einen Sturm, dem viele Bäume zum Opfer fielen – wenn auch längst nicht so viele wie damals bei Kyrill. Doch wieder wurden damit perfekte Kinderstuben für die Borkenkäfer geschaffen. Der Sommer, der scheinbar niemals enden wollte, tat dann sein Übriges. Käfergeneration um Käfergenration entwickelte sich prächtig bei den idealen Lebensbedingungen.

Im Staatswald kam erschwerend hinzu, dass man dort mit der Aufarbeitung der Sturmschäden wartete. Zum einen, weil die Kapazitäten der hoch technisierten Holzerntefirmen begrenzt sind, zum anderen, weil der Markt für Holz auch nicht beliebige Mengen verarbeiten kann.

Gabriele Lindemann, Revierförsterin in Borgholzhausen, kennt das Dilemma: „Normalerweise vermarkte ich das Holz aus den Privatwäldern schon aus Umweltgründen nur in einem Umkreis von 150 Kilometern. Derzeit versuche ich, Holz aus Borgholzhausen auf dem asiatischen Markt zu verkaufen", schildert sie die Lage.

Der heiße Sommer führte in den privaten Waldbereichen zu einem Massensterben von Fichten. Und am Barenberg ist es natürlich nicht anders. Viele der Bestände, die Kyrill verschont hatte, sind jetzt zum Opfer der Käfer geworden. „Temperaturen unter 16 Grad und viel Regen", wünscht sich Försterin Lindemann schon vor einem Monat. Wie es seitdem tatsächlich aussah, ist hinlänglich bekannt.

Auch im Staatswald wird jetzt Gift gegen die Käfer eingesetzt

Darin liegt auch der Grund, warum man im Staatswald jetzt von einem lange verteidigten Grundsatz abgewichen ist. Noch Anfang Juni hatte man darauf verwiesen, dass im Staatswald eine besonders naturnahe Waldbewirtschaftung vorgenommen werde und man deshalb nicht wie die Privatwaldbesitzer die auf den Abtransport wartenden Holzstapel begiften dürfte, um die Borkenkäfer zu töten.

Jetzt weisen Schilder an einigen Stapeln darauf hin, dass die Baumstämme mit dem Mittel »Karate Wald« besprüht worden sind, um die Käfer unter der Rinde zu töten. Denn wenn sie schlüpfen, suchen sie sich Plätze zum Überwintern und fallen dann im nächsten Frühjahr in Massen über die restlichen Fichten her. Und dann droht die Fichte endgültig zur bedrohten Baumart zu werden.

Info
Der neue Wald ist anders

Kyrill fällte vor allem Fichten, weil sie sich mit flachen Wurzeln nur schlecht verankern können. Die ungewöhnliche Windrichtung des Sturms sei aber eine Ausnahme, glaubte man 2007.

Trotzdem setzte man im Staatswald auf andere Baumarten, die sich sehr rasch die freien Flächen eroberten. Vor allem Birken dominieren derzeit das Bild auf den ehemaligen Kahlschlagflächen. Doch darunter finden sich auch Eichen, Buchen, Douglasien und junge Fichten – ein Laub-Mischwald ist entstanden.

An dem haben nicht nur ökologisch denkende Menschen ihre Freude. Er scheint auch das passende Mittel gegen den Klimawandel zu sein. Denn in diesem Jahr gab es zwar Sturm Friederike und in der Folge eine Massenentwicklung der Borkenkäfer.

Aber es gab eben auch einen Rekordsommer, dessen unglaubliche Trockenheit allen Waldgesellschaften Schaden zufügte – ganz besonders aber den flachwurzelnden Fichten. Dieser bisher so beliebte Baum ist offenbar einer der ersten Verlierer des Klimawandels.

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