Mehr Christo als Christus: Katholische Kirche in Pium wird saniert

Andreas Großpietsch

St. Nikolaus: Hinter dem Heiligen vor der katholischen Kirche passieren erstaunliche Dinge. Die Kirche wird aufwendig saniert. - © Andreas Großpietsch
St. Nikolaus: Hinter dem Heiligen vor der katholischen Kirche passieren erstaunliche Dinge. Die Kirche wird aufwendig saniert. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Wer in den vergangenen 14 Tagen der katholischen Kirche beim Vorbeifahren nur einen flüchtigen Blick gewidmet hat, muss gar nicht bemerkt haben, dass dort eine grundlegende Veränderung vor sich geht. Seit Montag ist es aber unübersehbar, dass sich an dem Gotteshaus viel tut. Bis hinauf zur Turmspitze ragt das vielstöckige Baugerüst. Die unteren drei Meter sind von einer durchgängigen Holzwand eingefasst. Darüber spannt sich ein dichtes weißes Netz aus einem Gazestoff. Die Installation erinnert derzeit mehr an den Verpackungskünstler Christo als an dessen Namensgeber Jesus Christus.

Doch die Installation an der Kirche der Gemeinde St. Marien und St. Nikolaus ist kein Kunstwerk, sondern dient einem ganz profanen Zweck: Sie soll dafür sorgen, dass die Renovierung eine sichere Sache wird. Die Holzwand zum Beispiel soll abenteuerlustige Menschen davon abhalten, über das Gerüst auf die hohen Dächer oder gar auf den Turm zu klettern. „Das soll immer wieder mal vorkommen", hat Lothar Ropohl sich von den Gerüstbauern erklären lassen.

Kruzifix im Licht: Ein schmales Lichtband sorgt für diesen Effekt. Die so zeittypischen Glasbausteine werden jetzt durch Fenster ersetzt. - © Andreas Großpietsch
Kruzifix im Licht: Ein schmales Lichtband sorgt für diesen Effekt. Die so zeittypischen Glasbausteine werden jetzt durch Fenster ersetzt. (© Andreas Großpietsch)

Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands hat die Sanierung mit angestoßen und begleitet das Vorhaben jetzt auch in der Bauphase. Das Gebäude aus dem Jahr 1971 ist prinzipiell noch gut in Schuss.

Doch es gibt eben viele kleine Baustellen, an denen jetzt gearbeitet werden muss. Zum Beispiel das Lichtband ganz oben im Dachabsatz, das aus den zeittypischen Glasbausteinen hergestellt wurde. Von dort fällt Tageslicht auf das runde, modern anmutende Kruzifix hinter dem Altar.

Denkmalbehörden prüfen derzeit die Unterschutzstellung

Und dieser schöne Effekt soll auch künftig zu sehen sein, wenn richtige Fenster die Glasbausteine ersetzen. Überhaupt soll die Sanierung äußerlich vor allem eines sein: unauffällig. Denn die Kirche mit dem mutmaßlichen Baujahr 1971 soll in die Denkmalschutzliste aufgenommen werden. „Es handelt sich um eine allgemeine Überprüfung von Kirchenneubauten aus dieser Zeit", sieht sich Lothar Ropohl davon nicht beunruhigt.

Zumal man bei der Planung von den Denkmal-Überlegungen zwar überrascht wurde, aber alles so umsetzen konnte wie vorgesehen. Die größte Veränderung fällt vermutlich nur beim genauen Hinsehen auf. Die gesamte Außenhaut wird mit Sandstrahlern gereinigt und anschließend versiegelt. „Etwas heller grau" soll der Bau danach aussehen.

Wichtig für den langfristigen Erhalt ist eine Sanierung am oberen Teil des Turms, wo der Beton über der Armierung zu dünn war und jetzt behutsam ersetzt werden muss. Ein Stück tiefer wird die Verbretterung der Schalllöcher für dei Glocken erneuert. „Auch die Blitzableiteranlage sowie die Dachrinnen werden ertüchtigt", sagt Ropohl.

Das Aufbauen des Gerüsts hat sich fast über drei Wochen und damit länger als geplant hingezogen. Mit der Fertigstellung ist deshalb wohl auch nicht vor Mitte November zu rechnen. Das ist allerdings kein großes Problem, denn die Kirche kann nicht zuletzt wegen der besonders sicheren Gerüstanlage fast uneingeschränkt genutzt werden, während an ihr gearbeitet wird. Rund 250.000 Euro. sollen die Arbeiten am Ende kosten, so die Planung.

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