So könnte die geplante Höchstpannungsleitung in Pium verlaufen

Andreas Großpietsch

Über den Riesberg: Schmal und steil ist die Trasse der heutigen Hochspannungsleitung über den Teuto. Hinter dem Kamm liegt das Stadtgebiet. Deshalb soll die Leitung noch im kaum besiedelten Wichlinghausen in die Erde. - © Andreas Großpietsch
Über den Riesberg: Schmal und steil ist die Trasse der heutigen Hochspannungsleitung über den Teuto. Hinter dem Kamm liegt das Stadtgebiet. Deshalb soll die Leitung noch im kaum besiedelten Wichlinghausen in die Erde. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Einerseits fasst der Planungsdialog keine Beschlüsse, schon gar keine verbindlichen. Andererseits ist seine Vorarbeit von herausragender Bedeutung für das weitere Vorgehen der Firma Amprion GmbH bei der Suche nach der passenden Trasse für die geplante 380-kV-Höchstspannungsleitung. Dieser vermeintliche Widerspruch soll hier ein wenig aufgelöst werden. Außerdem wird erklärt, wie die recht komplexe Grafik zu den Plänen in Borgholzhausen zu interpretieren ist.

Klar ist seit dem Bürgerinfomarkt in der vergangenen Woche jetzt auch öffentlich, dass im engeren Stadtgebiet von Borgholzhausen auf einer Strecke von rund vier Kilometern Länge die Höchstspannungsleitung als Erdkabel geführt werden soll. Dieses unterirdische Stück soll im Bereich Wichlinghausen anfangen und im sogenannten Hollande enden. Darauf hat man sich im Planungsdialog geeinigt.

Die meisten, aber längst nicht alle Teilnehmer des Planungsdialogs hätten sich für eine komplette Erdkabellösung auf dem Teilstück zwischen Hesselner Umspannstation und der Landesgrenze zu Niedersachsen entschieden. Allerdings zeigte sich bei der näheren Untersuchung der Maximallösung, dass Amprion ihr ablehnend gegenübersteht – und zwar nicht nur aus Kostengründen.

Mit Haken und Öse: Die Trasse des Erdkabels wird an Borgholzhausen vorbeiführen. Ganz fest liegt sie noch nicht. - © Amprion
Mit Haken und Öse: Die Trasse des Erdkabels wird an Borgholzhausen vorbeiführen. Ganz fest liegt sie noch nicht. (© Amprion)

Schon an der Umspannstation sei es schwierig bis unmöglich, ausreichend große Flächen an der passenden Stelle zu erhalten, um eine sogenannte »KÜS« zu bauen. Das Kürzel steht für Kabelübergabestation, und das ist ein Bauwerk, das zum Beispiel nicht zu eng an einer Autobahn errichtet werden kann. Die aufwendige Unterquerung der B 68 ist ein weiterer Grund, doch nach Darstellung von Amprion fangen die eigentlichen Probleme dort erst an.

Erdkabelbau im Hesseltal brächte sehr viel Zerstörung

Denn das bewaldete Hesseltal erfreut mit seiner abwechslungsreichen Topographie die Wanderer, macht aber Erdkabelverlegungen außerordentlich schwierig und teuer. Eine Vielzahl an großen Baugruben müsste angelegt werden, um jeweils recht kurze Abschnitte zu überwinden. Der Schaden, der dadurch am Wald entstehen würde, wäre enorm. Deshalb soll die Leitung erst dort in die Erde gehen, wo das Terrain einfacher zu beherrschen ist.

Einfach allerdings, auch das wurde klar, ist es an keiner Stelle in Borgholzhausen, ein Erdkabel zu bauen. Schon die Überwindung des Riesbergs ist so ein Problem, das erst im Rahmen der jetzt anstehenden Detailplanungen völlig gelöst werden kann. Favorisiert wird der Ansatz, auf der schon heute vorhandenen Schneise der Hochspannungsleitung hier den Teutokamm zu überwinden.

Den eigentlich naheliegenden Gedanken an eine Art Tunnelbohrung durch den Berg hat Amprion geprüft, aber abgelehnt. Unter anderem deshalb, weil die Kabel im Schadensfall dort nicht gut zugänglich wären. Doch auch auf der Oberfläche des Riesbergs selbst ist die Anlage eines tiefen Grabens in der Bauphase nicht einfach. Das Gelände ist steil, der Boden bildet nur eine dünne Schicht über dem Gestein.

Neuer Verlauf folgt heutiger Stromleitung

Sollte ein Erdkabel dort gar nicht realisierbar sein, so würde man ein Stück in Richtung Golfplatz um den Berg herumgehen und etwa an der Sundernstraße wieder auf die alte Trasse treffen. Diese Idee dient allerdings nur als eine Art Rückversicherung für den Fall, dass die Riesberg-Überquerung nicht umzusetzen ist.

Bis zum Violenbach, der ebenso wie die Landstraße in einem Bohrprojekt unterquert werden muss, folgt der neue Verlauf ungefähr dem der heutigen Stromleitung. Direkt durch die Siedlung an der Goldbrede zu gehen, verbietet sich aber aus mehreren Gründen. Dort ist zum einen sehr wenig Platz und zum anderen ist es nicht erlaubt, außer bei einer Unterquerung, eine Straße über ein Erdkabel zu bauen. Deshalb ist hier ein Schwenk vorgesehen.

An die gestrichelte Linie der Erdkabel schließen sich große dunkle Flächen an. Sie sind deutlich größer als die Grundstücke, die am Ende als Standort für KÜS gebraucht werden. Allerdings muss mit den Eigentümern auch erst noch über den Grunderwerb verhandelt werden. Die auf der Karte eingezeichneten weiteren dunklen Flächen sind Suchräume, die im Rahmen des Bürgerdialogs auf ihre Tauglichkeit untersucht, dann aber als nicht umsetzbar eingestuft wurden.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.