Gefahr durch Sturmschäden: Junger Feuerwehrmann verhindert Zugunglück

Andreas Großpietsch

Zum Glück war offenbar niemand auf der Schlossallee unterwegs, als gestern kurz nach 17 Uhr der Gewittersturm zuschlug. In einem nur rund 20 Meter breiten Streifen lagen fünf große Bäume quer auf der Fahrbahn. - © Andreas Großpietsch
Zum Glück war offenbar niemand auf der Schlossallee unterwegs, als gestern kurz nach 17 Uhr der Gewittersturm zuschlug. In einem nur rund 20 Meter breiten Streifen lagen fünf große Bäume quer auf der Fahrbahn. (© Andreas Großpietsch)
Der junge Feuerwehrmann erblickt zum Glück noch rechtzeitig die drohende Gefahr. - © Andreas Großpietsch
Der junge Feuerwehrmann erblickt zum Glück noch rechtzeitig die drohende Gefahr. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. „Ich habe aus Zufall gesehen, dass da etwas auf den Schienen liegt", konstatiert David Mertens trocken. Doch auch wenn er es selbst nicht so sagen würde: Am frühen Donnerstagabend wurde er zum Helden des Tages. Eines Tages, der nach langer Dürrezeit in einem heftigen Gewitter endete, das vor allem südlich der B 68 in Borgholzhausen eine eng begrenzte Schneise der Verwüstung zog. Diese Schäden allein hielten 35 Feuerwehrleute beider Borgholzhausener Löschzüge mehr als in Atem, doch es hätte auch ein noch viel schlimmerer Tag werden können.

Das Löschfahrzeug des Löschzugs Stadt war voll besetzt auf der Straße Eisdehne nahe der Grenze zu Dissen unterwegs, um an einer der Stellen einzugreifen, wo Äste und ganze Bäume die Straßen blockierten. David Mertens saß hinten und ließ seinen Blick nach links wandern, als das Feuerwehrauto die Schienen des Haller Willems überquerte. Mehr als 200 Meter weiter östlich sieht er, dass da etwas Großes auf dem Schienenstrang liegt.

Das Fahrzeug kehrte um und die Feuerwehrleute hasteten entlang des Schienenstrangs, auf dem gegen 17.45 Uhr der Nahverkehrszug aus Richtung Borgholzhausen die Stelle passieren würde. Die Kettensäge kreischte und die Männer gaben ihr äußerstes, um die großen Äste von den Schienen zu ziehen. Außerdem hatten sie die Leitstelle per Funk benachrichtigt, die dringend versuchte, sich mit dem Zugführer in Verbindung zu setzen. In beiden Richtungen des Schienenstrangs machten sich Feuerwehrleute auf den Weg, um den Zugführer durch Winken zu warnen, falls er nicht rechtzeitig erreicht worden wäre.

Schwere Schäden auch an Schlossallee und Hesselteicher Straße

Das Unwetter hinterließ eine Spur der Zerstörung auf dem Gebiet der Stadt Borgholzhausen südlich der B 68. Hätte David Mertens nicht zufällig den Blick auf die Bahnstrecke schweifen lassen, hätte der umgestürzte Baum wohl ein schweres Zugunglück verursacht. Die Gegend ist dünn besiedelt, der Baum fiel unbemerkt. - © Andreas Großpietsch
Das Unwetter hinterließ eine Spur der Zerstörung auf dem Gebiet der Stadt Borgholzhausen südlich der B 68. Hätte David Mertens nicht zufällig den Blick auf die Bahnstrecke schweifen lassen, hätte der umgestürzte Baum wohl ein schweres Zugunglück verursacht. Die Gegend ist dünn besiedelt, der Baum fiel unbemerkt. (© Andreas Großpietsch)

Auch die Feuerwehrleute unterbrechen vorsichtshalber die Arbeit auf den Gleisen, bis über Funk die Nachricht kommt, dass der Zug rechtzeitig gestoppt werden konnte. Erst dann bringen sie die Kettensäge wieder zum Einsatz und haben das Hindernis in wenigen Minuten beseitigt.

Diese Vorsicht ist sicher nicht unbegründet, denn die Bahnstrecke ist an dieser Stelle nicht eben, sondern arbeitet sich eine kleine Steigung hinauf. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Lokführer das Hindernis rechtzeitig gesehen und rechtzeitig ein Bremsmanöver eingeleitet hätte, ist nicht sehr hoch.

Und ob die stattlichen Äste des abgebrochenen Baumes gereicht hätten, den Zug aus den Gleisen zu werfen, ist schwer einzuschätzen. Doch diesem Gedanken widmen die Feuerwehrleute nur wenige Augenblicke, dann eilen sie weiter zu ihrem Auto und der nächsten Einsatzstelle. Von denen gibt es reichlich an diesem schwülwarmen Sommerabend im südlichen Bereich der Stadt Borgholzhausen.

Mächtige Eiche bereitet Probleme

Wie zum Beispiel an der Schlossallee in Holtfeld. Die Eichenreihen am Schloss hat der nur sehr punktuell zuschlagende Sturm zum Glück verschont, doch einige hundert Meter weiter Richtung Casum hat das Unwetter voll zugeschlagen. Ob Eiche, Erle oder Buche, ob jüngerer Baum oder stattlicher Veteran – auf einem Bereich von 20 Meter Breite sind alle Bäume umgestürzt, die neben der Straße standen.

In einem wirren Haufen türmen sie sich bereiten auch den Experten von der Feuerwehr noch Kopfzerbrechen, als etliche ihrer Kameraden schon wieder dabei sind, an den Feuerwehrgerätehäusern die Einsatzfahrzeuge zu säubern. Angesichts der Dicke der Stämme wird die Hilfe von Traktoren gebraucht, um das Riesenmikado so weit zu entwirren, dass die Schlossallee wieder befahrbar wird.

Auch an anderer Stelle ist man am Donnerstag noch länger beschäftigt. An der Einmündung der Hörster Straße auf die Hesselteicher Straße ist ein Baum auf ein Haus und ein Wohnmobil gekracht. Damit wären die Borgholzhausener wohl noch alleine klargekommen, doch der in großer Höhe über der Hesselteicher Straße hängende Ast einer mächtigen Eiche bereitet Probleme, weil er halb gebrochen ist.

Um diese Gefahrenstelle zu beseitigen, muss Hilfe von einer benachbarten Feuerwehr angefordert werden, die über eine Drehleiter verfügt. Die übrigen 13 Einsatzstellen an diesem Abend haben die 35 Männer und Frauen der beiden Borgholzhausener Löschzüge in kürzester Zeit abgearbeitet. Und ganz nebenbei haben sie noch ein schweres Zugunglück verhindert. So gesehen war es trotz aller Schäden ein glücklicher Abend für Borgholzhausen.

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