380-kV-Höchstspannungsleitung: Blick nach Niedersachsen liefert Indizien

Andreas Großpietsch

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Amprion geplante 380kV-Leitung Borgholzhausen (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen . Es gibt gute Gründe, warum die Firma Amprion den Teilnehmern des Planungsdialogs Stillschweigen verordnet hat. 20 Frauen und Männer haben sich seit Mitte Januar mehrfach zu intensiven Gesprächen getroffen. Unter ihnen sind Mitglieder der Bürgerinitiative gegen die Freileitung, aber auch Vertreter aus der Stadtverwaltung und von Organisationen, die im Rahmen eines solchen großen Planverfahrens eingebunden werden müssen.

Ehe die Öffentlichkeit mitdiskutieren darf, soll sich erst einmal das Gremium einig werden. Teilergebnisse vorab in der Öffentlichkeit zu zerreden, könnte der Sache Schaden zufügen, so die Überlegung des Übertragungsnetzbetreibers. Doch auch wenn man sich daran hält, zeichnen sich ganz aktuell erste Konturen ab, wie die geplante Teil-Erdverkabelung auf dem Gebiet der Stadt Borgholzhausen einmal aussehen könnte.

Nur ein kleiner Teil soll unterirdisch gebaut werden

Amprions Pläne in Südniedersachsen: Dort wird ein Raumordnungsverfahren durchgeführt. In dieser Stufe der Planung wird ein Korridor definiert, in dem später der genaue Trassenverlauf festgelegt wird. Doch auch in dieser Grobdarstellung wird deutlich, dass die Planung sich stark am heutigen Bestand orientiert – außer da, wo Schutzansprüche von Siedlungsgebiete für eine Verschwenkung sorgen. - © Foto: Amprion
Amprions Pläne in Südniedersachsen: Dort wird ein Raumordnungsverfahren durchgeführt. In dieser Stufe der Planung wird ein Korridor definiert, in dem später der genaue Trassenverlauf festgelegt wird. Doch auch in dieser Grobdarstellung wird deutlich, dass die Planung sich stark am heutigen Bestand orientiert – außer da, wo Schutzansprüche von Siedlungsgebiete für eine Verschwenkung sorgen. (© Foto: Amprion)

Ermöglicht wird das durch das Raumordnungsverfahren jenseits der Landesgrenze, für das Amprion jetzt die Pläne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Auch dort ist vom Gesetzgeber eine eine Teil-Erdverkabelung ermöglicht worden. Was aber keineswegs heißen muss, dass die gesamte Strecke – betrachtet wird der Raum zwischen der Landesgrenze am Punkt Königsholz und dem engeren Stadtgebiet Osnabrück – als Erdkabel geführt wird. Das Gegenteil ist richtig.

Nur ein ganz kleiner Teil des Vorhabens dort soll unterirdisch gebaut werden. Im Rest der Strecke folgt der neue Entwurf sehr eng dem aktuellen Verlauf der 220-kV-Hochspannungsleitung , die ja im Zuge des Verfahrens durch die 380-kV-Leitung »ergänzt« werden soll, und zwar mit Freileitungsmasten, die groß genug sind, um sowohl die aktuelle als auch die geplante Leitung zu tragen.

Interessant ist der Blick ins Detail. Und der verrät die Strategie, mit der Amprion den möglichen Konflikten aus dem Weg gehen will. Zum Beispiel in Borgloh. Der Gemeindeteil von Hilter hat im Prinzip mit Borgholzhausen noch deutlich mehr Gemeinsamkeiten als nur die vier Anfangsbuchstaben. Auch in Borgloh kam die ursprüngliche Planung der Wohnbebauung recht nahe. Doch da im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens mindestens 400 Meter Abstand einzuhalten sind, sieht die Planung hier eine Verschwenkung vor.

Auch so ist der Schutz der Wohngebiete zu erreichen. Ob das auch in Borgholzhausen, vor allem im Bereich der Sundernstraße , funktionieren würde? Theoretisch vermutlich, aber praktisch gibt es einige Hindernisse, wie frühere Überlegungen zu dieser Problematik bereits gezeigt haben. Vor allem die FFH-Schutzgebiete engen den Planungsspielraum für eine ganz neue Freileitung mit ihrem großen Abholzungsbedarf für die wesentlich breitere Trasse sehr stark ein.

Wie das Beispiel Niedersachsen zeigt, soll das Erdkabel nur da zum Einsatz kommen, wo zum einen Wohngebiete und zum anderen geschützte Naturräume besonders von einer Freileitung betroffen wären. Am Punkt Königsholz dagegen, in der freien Landschaft an der Grenze, soll eine Freileitung fortgesetzt werden.

Im Protokoll zur dritten Sitzung des Planungsdialogs ist zu lesen, dass die Firma Amprion einen ersten Vorschlag für eine Teilerdverkabelung auf Borgholzhausener Gebiet vorgelegt hat und nun mit den Teilnehmern über Details ins Gespräch kommen will. Ausdrücklich genannt wird in diesem Zusammenhang der Standort der beiden Kabelübergabestationen (KÜSS).

Sie sollen laut Protokoll „auf dem Gebiet der Stadt Borgholzhausen gesucht werden". Und damit offenbar nicht auf dem Gebiet der Stadt Halle, lautet der logische Schluss. Dort beginnt der Planungsraum an der Umspannanlage in Hesseln . Überlegungen, dort auch die raumgreifende KÜSS-Anlage zu platzieren, sind damit offenbar vom Tisch.

Das würde bedeuten, dass die Freileitung mindestens bis zur Grenze zwischen Halle und Borgholzhausen gebaut werden soll. Ein denkbarer Ort für eine KÜSS-Anlage läge im Piumer Ortsteil Wichlinghausen , zwischen den Höhenzügen des Teutoburger Waldes. Irgendwo jenseits der Goldbrede wird der Standort der zweiten Anlage liegen, an dem die Kabel wieder aus der Erde kommen. Am Punkt Königsholz, wie gesagt, soll eine Freileitung fortgesetzt werden.

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