Hubschrauber entfernt Äste entlang der Stromtrasse in Borgholzhausen

Andreas Großpietsch

Amprion setzt eine fliegende Säge ein, um Bäume entlang der Hochspanungselitung auf dem Riesbegr schneiden zu lassen. - © Andreas Großpietsch
Amprion setzt eine fliegende Säge ein, um Bäume entlang der Hochspanungselitung auf dem Riesbegr schneiden zu lassen. (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Es klingt wie der Plan von zwei Holzfällern, der am Ende eines extrem feucht-fröhlichen Abends entwickelt wurde: Man baut eine Säge mit acht Metern Schnittbreite und hängt sie an ein 30 Meter langes Gestänge. Ein Hubschrauber befördert diese Konstruktion in die Luft und der Pilot steuert sein Fluggerät dann so, dass damit Bäume beschnitten werden können.

Das Lustige daran: Genauso funktioniert es. Den Beweis dafür konnte man gestern am Riesberg in Borgholzhausen sehen. Laut knatternd schwebte ein Hubschrauber mit der oben beschriebenen Sägeeinrichtung über den Bäumen am Rand der Trasse der Hochspannungsleitung. Immer wieder steuerte der Mann am Schaltknüppel das pendelnd aufgehängte Gerät mit den zahlreichen rotierenden Sägeblättern in Äste und Baumkronen, die den stromführenden Leitungen zu nahe zu kommen drohten.

Fliegende Säge über Borgholzhausen

Benjamin Reichmann saß am Steuer des Hubschraubers. Fliegen ist sein Traumberuf und die Baumsägearbeiten sind eine echte fliegerische Herausforderung, aber sie sind auch extrem anstrengend. Der Pilot hängt die ganze Zeit über aus dem Fluggerät, über sich nur eine Kuppel aus durchsichtigem Plastik, unter sich den Erdboden. „Ich habe nur die Säge und den Hubschrauber im Blick und konzentriere mich ganz auf die Steuerung", erklärt Reichmann.

Neben ihm sitzt Benjamin Schütze. Er ist ebenfalls Pilot und wird ihn beim zweiten Flug ablösen. Jetzt ist er für die Beobachtung der Instrumente, den Funkverkehr und alle weiteren Pilotenaufgaben zuständig, die der Mann am Steuerknüppel gerade nicht wahrnehmen kann.

„Heute ist unser letzter Einsatz mit der Säge. Am 28. Februar endet die Zeit, in der solche Eingriffe erlaubt sind", erklärt er. Als Nächstes steht für die beiden Piloten eine Weiterbildung für einen anderen Hubschraubertyp an, mit dem sie dann Rettungseinsätze fliegen werden.
Während es für die Piloten ein Routineeinsatz ist, betritt ihr Auftraggeber Amprion Neuland. Ulrich Richter ist Bereichsleiter Nord und in dieser Funktion für 4500 Masten verantwortlich. Dazu gehört auch, den Bewuchs auf den Trassen unter den Leitungen niedrig zu halten, was etwas alle acht Jahre mit einem Radikalschnitt sichergestellt wird. „Ich hoffe, dass wir hier jetzt für fünf Jahre Ruhe haben", sagt er zu den besonderen Arbeiten am Riesberg in Borgholzhausen.

In dem steilen Gelände wären nicht fliegende Alternativen wie zum Beispiel Baumkletterer sehr lange beschäftigt gewesen, um die Arbeit der fliegenden Säge zu schaffen. Das Gerät sägt dünnere, aber auch dickere Äste recht mühelos ab und wird elektrisch betrieben.

Die Akkus werden auf dem provisorischen Flugfeld im Hesseltal vom Generator eines umgebauten Feuerwehrautos geladen. Das dauert nur eine Stunde. Allerdings gehören zwei Sägen zur Ausstattung, so dass fix weitergearbeitet werden kann. Für eine längere Unterbrechung der Arbeit sorgte Amprion gestern selbst, weil die Teilabschaltung auf sich warten ließ. Denn während der Hubschrauber seine Arbeit verrichtete, waren die Leitungen auf der ihm zugewandten Seite der Hochspannungstrasse stromlos.

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