BorgholzhausenUPDATE: Schüsse bei Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft in Borgholzhausen

Nicole Donath, Christina Pulido Lopez, Andreas Eickhoff

SEK-Einsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Borgholzhausen - © Andreas Eickhoff
SEK-Einsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Borgholzhausen © Andreas Eickhoff

Borgholzhausen. Bei einem Polizeieinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Borgholzhausen haben sich in der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr dramatische Szenen abgespielt. Die Beamten waren angerückt, weil ein aserbaidschanisches Ehepaar abgeschoben werden sollte. Als zwei Polizeibeamte, ein Mitarbeiter des Ausländeramts Gütersloh, ein Arzt und ein Sicherheitsdienstmitarbeiter die Wohnung des Ehepaar betraten waren auch die beiden erwachsene Töchter sowie ein Besucher der Familie dort. Es kam zu einem Gerangel. Dann eskalierte die Auseinandersetzung, in deren Verlauf es einer der Frauen gelang, einem Polizisten die Waffe abzunehmen. Es fielen Schüsse, verletzt wurde dadurch allerdings niemand.

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Den beiden Polizeibeamten und dem Arzt gelang es, aus der Wohnung zu flüchten, dem Mitarbeiter des Ausländeramtes und dem Sicherheitsdienstmitarbeiter nicht. Die Familie verschanzte sich mit den beiden in ihrer Wohnung. Die Polizei setzte einen Notruf ab.

Schüsse bei Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft in Borgholzhausen

Spezialeinheiten wurden angefordert. Bevor ein SEK-Kommando vor Ort eintraf, stellten sich die Beteiligten allerdings. Die Frau musste notärztlich versorgt werden: Offenbar hatte sie sich mit einem Messer verletzt und wurde daraufhin ins Haller Krankenhaus gebracht. Der Mann wurde in Handschellen abgeführt. Auch eine der Töchte und der Besucher der Familie wurden in Polizeigewahrsam genommen.

Neben Polizei- und SEK-Beamten waren auch zwei Rettungswagen aus Halle sowie der Leitende Notarzt und der Organisationsleiter Rettungsdienste vor Ort. Die Ermittlungen dauern an.

Der Kreis Gütersloh hat sich inzwischen ebenfalls zu dem Einsatz vom Donnerstagmorgen geäußert. In einer Presseerklärung teilt der Landrat Sven-Georg Adenauer mit, die Abschiebung werde konsequent weiterverfolgt. "Es wäre ein fatales Signal, wenn der gewaltsame Widerstand daran etwas ändern würde", heißt es weiter.

Die Abschiebung sei sorgfältig durch die Ausländerbehörde geplant worden und durch die Polizei sowie einen Sicherheitsdienst begleitet worden, weil man aufgrund der beharrlichen und ausdrücklich erklärten Weigerung, freiwillig auszureisen, mit Schwierigkeiten gerechnet habe, sagt Thomas Kuhlbusch, Dezernent für Gesundheit, Ordnung und Recht.

Die Familie war laut Angabes des Kreises Gütersloh erstmals im Jahr 2004 unter falschen Namen eingereist und – nachdem der Asylantrag rechtkräftig als offensichtlich unbegründet abgelehnt worden war – 2011 unter dem Eindruck einer eingeleiteten Abschiebung Deutschland verlassen. Im Jahr 2012 beantragte die älteste Tochter ein Visum und erhielt aufgrund einer qualifizierten Beschäftigung einen Aufenthaltstitel.

Das Ehepaar reiste mit der jüngsten Tochter im Jahr 2013 aus Aserbaidschan erneut unerlaubt ein. Während die Asylfolgeanträge der Eltern erfolglos blieben und die Ausreisepflicht rechtskräftig wurde, erhielt auch die jüngere Tochter aufgrund von Sonderreglungen des Ausländergesetzes und einer erfolgreichen Integration einen Aufenthaltstitel.

Dass die Abschiebung so früh am Morgen erfolgen sollte, liegt nach Angaben des Kreises Gütersloh an den verfügbaren Flügen und vorgegebenen Flugplänen: Das Flugzeug mit dem Ehepaar sollte um 13.40 Uhr in Frankfurt/Main Richtung Baku starten. "Die Behörden in den Ankunftsländern, in diesem Fall in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, wollen die Formalien in der Regel am Ankunftstag erledigen", heißt es seitens des Kreises. Das sei nur möglich durch eine frühe Aufbruchszeit hierzulande. Im konkreten Fall sei auch eine medizinische Anschlussbehandlung für den Ehemann in Baku organisiert worden, eine Ärztin hätte ihn direkt auf dem Flughafen in Empfang genommen.

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