Der Herr der Bäume

Andreas Großpietsch

Kritischer Blick: Den braucht Borgholzhausens Baumsachverständiger Henning Wulfmeyer für seinen Beruf. Er soll alle Bäume im Besitz der Stadt auf Standfestigkeit prüfen. Wie viele das eigentlich sind, muss er zuvor aber noch herausfinden, denn im Augenblick weiß niemand das ganz genau. - © Andreas Großpietsch
Kritischer Blick: Den braucht Borgholzhausens Baumsachverständiger Henning Wulfmeyer für seinen Beruf. Er soll alle Bäume im Besitz der Stadt auf Standfestigkeit prüfen. Wie viele das eigentlich sind, muss er zuvor aber noch herausfinden, denn im Augenblick weiß niemand das ganz genau. (© Andreas Großpietsch)
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Borgholzhausens Baumsachverständiger Henning Wulfmeyer (© Andreas Großpietsch)

Borgholzhausen. Der Sturm Kyrill ist vielen Menschen gerade in Borgholzhausen noch in lebhafter Erinnerung geblieben. Am 18. Januar 2007 knickte der Orkan zahlreiche Bäum um wie Streichhölzer und verursachte allein in Deutschland Schäden in Höhe von 5,5 Milliarden Euro. In der Einordnung sprach man später trotzdem von einem zwar sehr großräumigen, aber eben nicht außergewöhnlichen Wintersturm. Henning Wulfmeyer, Borgholzhausens Baumsachverständiger, muss diesen Tag bei seiner Arbeit aus mehreren Gründen immer im Hinterkopf behalten.

Denn zum einen zeigt er, welchen Gewalten Bäume manchmal ausgesetzt sind und was die Einschätzung »Standsicher« eigentlich bedeutet. Und zum anderen zeigt er natürlich auch die Grenzen der menschlichen Prognosefähigkeit, denn es war die ungewöhnliche Windrichtung in Verbindung mit der reinen Windstärke, die für den ungewollten Kahlschlag ganzer Wälder auf dem Teuto-Kamm oberhalb der Stadt sorgte.

Wälder, die durchaus als gesund und standfest galten, nachdem sie jahrzehntelang fachmännisch gehegt und gepflegt worden waren. In diesem Beispiel zeigt sich die Schwierigkeit von Wulfmeyers Beruf, die aber zugleich auch den Reiz ausmacht. „Bäume sind lebende Objekte. Man kann sie eben nicht wie Autos auf den Prüfstand stellen und eine genormte TÜV-Abnahme durchführen", sagt der gelernte Garten- und Landschaftsbauer.

Einfach, aber wirkungsvoll: Am Ende der Kartierung bekommt jeder Baum im Besitz der Stadt eine Plakette mit Nummer. Das Bild links zeigt das Magazin und den Spezialhammer, der den Nagel nur etwa zwei Zentimeter in die Rinde treibt. Der Baum kann so um den Nagel herumwachsen und die Plakette langsam nach vorn schieben. Der Baum mit der Nummer 000 001 steht auf dem Spielplatz Barnhausen. - © Andreas Großpietsch
Einfach, aber wirkungsvoll: Am Ende der Kartierung bekommt jeder Baum im Besitz der Stadt eine Plakette mit Nummer. Das Bild links zeigt das Magazin und den Spezialhammer, der den Nagel nur etwa zwei Zentimeter in die Rinde treibt. Der Baum kann so um den Nagel herumwachsen und die Plakette langsam nach vorn schieben. Der Baum mit der Nummer 000 001 steht auf dem Spielplatz Barnhausen. (© Andreas Großpietsch)

Obwohl das eigentlich der Kern seiner Aufgabe ist, denn das Hauptziel seiner Arbeit ist es, die Sicherheit der Menschen in Borgholzhausen zu erhöhen. Jedenfalls vor den Gefahren, die von Bäumen auch ausgehen können. Totholz zum Beispiel fällt irgendwann von selbst herunter. Doch Wulfmeyer soll durch eine »fachliche Inaugenscheinnahme aus« erkennen, wo es geschnitten werden muss. „Auf Spielplätzen und Schulhöfen sind die Sicherheitsanforderungen natürlich besonders hoch", erklärt er.

Mit Schonhammer und Sondierstab die Schwächen suchen

Das gilt auch für die Innenstadt, in der es laut städtischem Baumkataster allein 1243 Gehölze gibt. Wirklich große Bäume sind nur wenige darunter, doch gerade sie sollen natürlich möglichst erhalten bleiben. Bei der Trauerbuche auf dem New-Haven-Platz wurde in eine aufwendige Sicherung investiert, weil der Baum so standortprägend ist. „Aber das ist die absolute Ausnahme", sagt der Schröttinghausener, der erst seit wenigern Monaten Mitglied im Bauhof-Team ist.

Einfach, aber wirkungsvoll: Am Ende der Kartierung bekommt jeder Baum im Besitz der Stadt eine Plakette mit Nummer. Das Bild links zeigt das Magazin und den Spezialhammer, der den Nagel nur etwa zwei Zentimeter in die Rinde treibt. Der Baum kann so um den Nagel herumwachsen und die Plakette langsam nach vorn schieben. Der Baum mit der Nummer 000 001 steht auf dem Spielplatz Barnhausen. - © Andreas Großpietsch
Einfach, aber wirkungsvoll: Am Ende der Kartierung bekommt jeder Baum im Besitz der Stadt eine Plakette mit Nummer. Das Bild links zeigt das Magazin und den Spezialhammer, der den Nagel nur etwa zwei Zentimeter in die Rinde treibt. Der Baum kann so um den Nagel herumwachsen und die Plakette langsam nach vorn schieben. Der Baum mit der Nummer 000 001 steht auf dem Spielplatz Barnhausen. (© Andreas Großpietsch)

Seine Hauptaufgabe am Anfang ist zunächst einmal die Bestandsaufnahme. Für den Innenstadtbereich gibt es bereits ein Kataster, doch in der Fläche wachsen noch viele Bäume, die der Stadt gehören und für die sie verantwortlich ist. Jeder einzelne wird kartiert und beschrieben und bekommt eine Nummer.

Dass der Baum mit der Nummer 000 001 auf einem Spielplatz steht, ist kein Wunder. Dort ist der Schutzanspruch der Bürger mit Recht deutlich höher als zum Beispiel an einem Feldweg abseits jeglicher Bebauung. Das allgemeine Lebensrisiko, dem man sich bei Sturm in der Natur aussetzt, kann auch durch einen Baumsachverständigen nicht ganz abgebaut werden.

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Borgholzhausens Baumsachverständiger Henning Wulfmeyer (© Andreas Großpietsch)

Allerdings hat man sich in Borgholzhausen dazu entschlossen, das zu tun, was möglich ist. Henning Wulfmeyer bringt dei Qualifikation als Baumsicherheitsexperte mit und soll künftig alle Bäume im Besitz der Stadt zwei Mal pro Jahr per Augenschein prüfen. „Einmal im belaubten, einmal im laubfreien Zustand", erklärt er. Wird er misstrauisch, kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz: Klopfen mit dem weichen Schonhammer verrät mögliche Hohlräume, ein Sondierstab deren Tiefe.

Der Baumexperte, der seinen Beruf in Bethel gelernt hat und der den neuen elektrisch betriebenen Transporter der Stadt als Dienstwagen fährt, hat auch eine einschiebbare Leiter dabei. Unverzichtbar ist natürlich der Tabletcomputer, der einmal Karten und Beschreibungen von allen Bäumen der Stadt anzeigen können soll. Das wichtigste Handwerkszeug allerdings ist Henning Wulfmeyers scharfer Blick. Denn in seinem Job geht es vor allem um eines: um Augenmaß.

Borgholzhausens Baumsachverständiger Henning Wulfmeyer - © Andreas Großpietsch

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