Unter falschem Namen eingekauft – der Ex-Mann sollte zahlen

Anke Schneider

Das Amtsgericht in Halle. - © Foto: Heiko Kaiser
Das Amtsgericht in Halle. (© Foto: Heiko Kaiser)

Borgholzhausen/Halle. Im April 2014 fiel die Borgholzhausenerin zum ersten Mal auf. In Bad Oeynhausen in einem Shop eines Mobilfunkanbieters schloss sie einen Mobilfunkvertrag auf einen fiktiven Namen ab. Als Bankverbindung gab sie das Konto ihres Ex-Mannes an. Sie erhielt ein iPhone und ein iPad im Wert von rund 1300 Euro. Das Handy soll sie später verkauft haben. Schon die erste Rechnung konnte laut Anklage nicht abgebucht werden.

Im Mai soll sie eine telefonische Lebensberatung in Anspruch genommen haben. Dabei benutzte sie erneut einen falschen Namen. Die Rechnung von 148 Euro wurde vom Konto des Ex-Mannes abgebucht. Eine kurze Zeit später schloss die Angeklagte erneut einen Handyvertrag ab. Dieses Mal erhielt sie ein iPhone und ein Samsung-Telefon im Wert von 1300 Euro. Im Juni, Juli und August bestellte die Frau verschiedene Waren wie einen LED-Fernseher im Wert von 400 Euro, Marken-Kleidung, ein Fahrrad, Notebooks, Modeschmuck und andere Dinge im Gesamtwert von rund 2500 Euro. Auch diese Waren kaufte sie unter verschiedenen, frei erfundenen Namen.

Zwei geladene Zeugen erscheinen nicht vor Gericht

Die Angeklagte berichtete von einem Bekannten, mit dem sie zur Tatzeit oft zusammen war. Er habe sie nach Bad Oeynhausen gebracht, weil er dort einen Telefonshop kenne, bei dem auch Menschen mit negativer Schufa-Auskunft einen Handyvertrag abschließen könnten. „Auf meinen Namen ging es dann aber nicht und auch nicht auf den Namen meiner Tochter", berichtete die Piumerin.

So habe der Verkäufer in seinen Computer geschaut und den Namen Anja Wachte genannt, der schließlich in den Vertrag gesetzt wurde. Sie habe den Vertrag später umschreiben lassen wollen, was aber auch nicht geklappt habe. Dass das Geld vom Konto des Ex-Mannes abgebucht werden sollte, läge daran, dass das iPad für ihre Tochter gewesen sei. Sie habe für den Kauf die Zustimmung des Vaters gehabt.

Die weiteren Vorwürfe stritt die Frau im Wesentlichen ab. Die Lebensberatung habe sie nie angerufen und auch von dem zweiten Mobilfunkvertrag wisse sie nichts. Die gelieferten Waren seien in der Tat bei ihr angekommen, die Gegenstände habe aber der anfangs genannte Bekannte bekommen. Er habe die ungeöffneten Pakete auch bei ihr abgeholt. Dass verschiedene Namen in den Adressen auftauchten, sei ihr egal gewesen. „Der Bekannte hat gesagt, dass verschiedene Personen die Waren für ihn bestellt hätten und er ihnen den Kaufpreis erstatten werde", sagte sie.

Der ominöse Bekannte war als Zeuge geladen, ebenso der Verkäufer des Telefonshops. Beide erschienen nicht zur Verhandlung vor dem Haller Amtsgericht. Mit dem Einverständnis der Staatsanwaltschaft beschränkte der Richter die Vorwürfe daher auf den ersten Betrug in dem Telefonladen in Bad Oeynhausen.

Da habe die Frau einen Vertrag mit falschem Namen unterschrieben und damit alles dafür getan, ihre Identität zu verschleiern. Für die Bestellungen bei Versandhäusern sei die Frau zumindest wegen Beihilfe zum Betrug zu verurteilen, so der Richter weiter. Sie habe bemerkt, dass der Bekannte die Gegenstände unter falschen Namen an ihre Adresse hatte liefern lassen, um seine Identität zu verheimlichen. Sie habe die Paketscheine auch mit den jeweils falschen Namen unterschrieben.

Der Anruf bei der Lebensberatung und der zweite Handyvertrag wurden fallengelassen. Der Anruf sei nicht beweisbar, ebenso wie der zweite Handyvertrag. „Der Shop und auch das Mobilfunkunternehmen haben uns die Unterlagen nicht zur Verfügung gestellt", so der Richter. Das Gericht verurteilte die bereits einmal wegen Betruges vorbestrafte Frau schließlich zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Die Angeklagte bekommt einen Bewährungshelfer und muss als Bewährungsauflage 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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