Baugrund in Pium ist nicht billig

Gestiegener Preis: Experten sehen darin die Annäherung an die Marktrealitäten

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Bauboom: Die aktuell niedrigen Zinsen machen es für viele Menschen interessant, Grundstücke zu kaufen und Häuser zu bauen. Borgholzhausen ist als Standort – wie hier am Jammerpatt – offenbar sehr attraktiv. Die Kaufpreise für Grundstücke steigen. - © Foto: Detlef Hans Serowy
Bauboom: Die aktuell niedrigen Zinsen machen es für viele Menschen interessant, Grundstücke zu kaufen und Häuser zu bauen. Borgholzhausen ist als Standort – wie hier am Jammerpatt – offenbar sehr attraktiv. Die Kaufpreise für Grundstücke steigen. (© Foto: Detlef Hans Serowy)

Borgholzhausen. Borgholzhausen ist als Standort für Eigenheime offenbar derzeit sehr attraktiv. Der Grundstücksmarktbericht für den Kreis Gütersloh weist die Lebkuchenstadt als Kommune mit den höchsten Preissteigerungen in 2016 aus. Verglichen mit 2015 sind dort die Grundstückspreise um 9,7 Prozent angestiegen. „Vor 2016 gab es längere Zeit kaum Bewegung auf dem Grundstücksmarkt und damit keine großen Preissteigerungen", erklärt dazu Kämmerin Elke Hartmann. Die Gutachter des Kreises erhalten Kopien aller Kaufverträge und werten sie aus.

Verglichen mit Verl, der teuersten Kommune im Kreis Gütersloh, sind Grundstücke in Borgholzhausen regelrecht Schnäppchen. Verl weist mit 9,6 Prozent die zweithöchste Preissteigerung auf. Grundstücke in mäßigen Lagen kosten dort laut Bericht 135, in mittleren Lagen schon 230 und in guten Lagen 290 Euro pro Quadratmeter. In Bielefeld werden laut dem Internetportal Immowelt für Grundstücke bis 300 Quadratmeter rund 270 und im Durchschnitt 218 Euro gezahlt.

In Borgholzhausen kostet Baugrund in mäßigen Lagen nach den Erhebungen des Gutachterausschusses 80, in mittleren Lagen 105 und in guten Lagen 130 Euro. Dass Kaufinteressenten diese Angaben mit Vorsicht genießen sollten, weiß Astrid Schütze. „Der Bericht ist eine Rückwärtsbetrachtung", betont die Maklerin.

Grundstücksbericht gibt Orientierung im Marktgeschehen

Abgebildet würden die Immobilienkäufe des Vorjahres. „Die Zahlen sind eine gute Grundlage für Käufer und Verkäufer, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen", erklärt Astrid Schütze. Aktuelle Entwicklungen würden aber von Angebot und Nachfrage gesteuert und deshalb könnten tatsächliche Preise auch deutlich abweichen. Im Zweifel nach oben, denn die Nachfrage ist gegenwärtig stark.

Die Expertin lobt den Bericht mit Blick auf Borgholzhausen in diesem Jahr als „relativ nah an den Marktpreisen". In 2016 hatte sie die Zahlen für Borgholzhausen noch stark kritisiert. „Der Markt sieht wegen der ansteigenden Bauwilligkeit völlig anders aus, als es der Bericht des Gutachterausschusses darstellt", so Astrid Schütze damals gegenüber dem HK.

322 sogenannte Kauffälle gab es bei den Wohngrundstücken 2016 insgesamt im Kreis Gütersloh. Während die Städte und Gemeinden im Durchschnitt 30 Prozent aller Grundstücksverkäufe tätigten, war die Stadt in Borgholzhausen mit ihrem Angebot im Baugebiet Enkefeld der dominierende Anbieter. Von den insgesamt 17 Verkäufen betrafen elf städtische Grundstücke.

Die Preise lagen dabei auf annähernd gleichem Niveau. Wärend der Quadratmeter städtisches Bauland durchschnittlich 121 Euro kostete, waren die Privatanbieter mit 119 Euro kaum günstiger. In Verl wechselten zum Vergleich ein kommunales und 36 private Grundstücke den Besitzer. Die Durchschnittspreises lagen bei 135 und 229 Euro für den Quadratmeter.

Auch bei gewerblichen Bauflächen führt Borgholzhausen das Ranking der Preissteigerung in 2016 an. Die Quadratmeterpreise stiegen um 15,3 Prozent. Versmold wies eine Steigerung von 14,5 Prozent aus.

Trotz gestiegener Preise rege Nachfrage in Borgholzhausen

Trotzdem sind die Gewerbeflächen in der Lebkuchenstadt vergleichsweise günstig zu haben. Mittlere Lagen kosten 35 und gute Lagen 40 Euro pro Quadratmeter. Am teuersten sind Gewerbeflächen in Verl. Hier kosten mäßige Lagen (die in Borgholzhausen nicht gehandelt wurden) 45, mittlere Lagen 55 und gute Lagen 65 Euro pro Quadratmeter. Die Bodenpreise in Verl unterstreichen den Ruf der Stadt als außerordentlich wirtschaftsstark. Hier gibt es mit 1.708,81 Euro pro Kopf die höchsten Gewerbesteuereinnahmen im Kreisgebiet. Gleichzeitig weist die Stadt den niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz auf.

Insgesamt spiegelt der Grundstücksmarktbericht für den Kreis Gütersloh die Lage auf dem Immobilienmarkt angesichts der aktuell niedrigen Zinsen wider. Viele Bauwillige versuchen derzeit, ein Grundstück zu kaufen und zu bebauen, um sich die günstigen Finanzierungskonditionen langfristig zu sichern. In 2016 erhöhten sich kreisweit die Kauffälle bei Wohngrundstücken um 15 Prozent. Der Flächenumsatz stieg um 3,0 und der Geldumsatz um 23 Prozent.

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