103.000 Kilometer auf demselben Drahtesel

Was für ein treues Fahrrad

Herbert Gontek

Werksttattstopp: Firmenchef Horst Ratzow (rechts) hat die Inspektion beendet und überprüft den Reifendruck, Reinhard Müller freut sich, dass es gleich weiter geht. - © Foto: Herbert Gontek
Werksttattstopp: Firmenchef Horst Ratzow (rechts) hat die Inspektion beendet und überprüft den Reifendruck, Reinhard Müller freut sich, dass es gleich weiter geht. (© Foto: Herbert Gontek)

Borgholzhausen/Versmold. Fahrradexperte Horst Ratzow und sein Team haben mehrere hundert Fahrräder im Kundenstamm, aber nur eines, das nachweislich mehr als 100 000 Kilometer gelaufen hat. Jetzt war wieder Inspektion angesagt. Besitzer Reinhard Müller (68) aus Siedinghausen fuhr darum mit seinem zwölf Jahre alten Schätzchen vor und ließ es bei Ratzow checken. 103.000 Kilometer hat es jetzt auf dem Buckel und und ein Ende ist lange nicht in Sicht.

650 Euro hat das Rad vor zwölf Jahren gekostet, das weiß Reinhard Müller noch sehr genau. „Dieser Betrag stellt sich aus heutiger Sicht als sehr gut angelegtes Geld heraus", stellt der Rentner fest. Das Fahrrad kaufte er nicht von der Stange, sondern ließ es sich nach seinen Wünschen zusammenbauen, erinnern sich Ratzow und Müller. Besonders wichtig war für Müller der breite Einstieg. Er hat Probleme mit seinen Kniegelenken und wollte es besonders bequem haben. „Das hat sich wirklich bewährt", stellt er rückblickend fest. „Alles an diesem Rad ist auf meine Körpermaße abgestimmt."

Jährlich mehr als 20.000 Kilometer

Als er noch arbeitete, nutzte er das Rad nur moderat. Seit er Rentner ist, fährt er täglich bis zu fünf Stunden Fahrrad. „Da kommen jährlich mehr als 20.000 Kilometer zusammen", stellt er fest und verweist auf seine Dokumentation der Fahrleistung." Das Fahrrad wird in der Regel einmal im Jahr in der Werkstatt vorgeführt. Dann kommt es zum Austausch der Verschleißteile. „Zahnräder, Kette, Reifen und Bremsbeläge sind schon häufiger gewechselt worden", weiß Horst Ratzow. Aber sonst zeigt das Fahrrad eine enorme Langlebigkeit. Selbst im Vorderrad sind noch die Kugellager, die werksseitig eingebaut worden waren.

Für Reinhard Müller ist Radfahren vor allem Gesundheitssport: „Ohne ging es gar nicht, denn nur wenn ich regelmäßig meine Beine bewege, bekomme ich meine Gelenkprobleme in den Griff." Deshalb wird sich seine Rad noch einiges gefallen lassen müssen. „Obwohl ich inzwischen ein neues habe, mit dem alten fahre ich ich immer noch am liebsten. Denn irgendwie passt da alles."

Fahrrad muss auf die Bedürfnisse des Radelnden ausgerichtet werden

Für Horst Ratzow haben Kunden nur dann keinen Spaß an ihrem Fahrrad, wenn es nicht richtig auf den Fahrer abgestimmt ist. Denn wenn nichts zusammen passe, hätten die Radler erfahrungsgemäß schon nach wenigen Kilometer keine Lust mehr auf die Trampelei.

Das kann Müller bestätigen. Er steigt auf sein Rad, tritt in die Pedalen und stellt beim Abfahren mit Nachdruck fest: „Natürlich mit eigener Kraft, elektrisch ist für mich kein Thema".

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