BorgholzhausenGelenkt vom raffinierten Internetbetrüger

Borgholzhausener fällt auf Scimming-Betrug herein

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Besorgt: Klaus Härter ist zum Opfer eines Internetbetruges geworden und warnt deshalb alle Computernutzer davor, auf vermeintliche Anrufe großer Software- und Internetfirmen zu reagieren. Die Betrugsmethode heißt "Scimming" und ist weit verbreitet. - © Foto: Detlef Hans Serowy
Besorgt: Klaus Härter ist zum Opfer eines Internetbetruges geworden und warnt deshalb alle Computernutzer davor, auf vermeintliche Anrufe großer Software- und Internetfirmen zu reagieren. Die Betrugsmethode heißt "Scimming" und ist weit verbreitet. © Foto: Detlef Hans Serowy

Borgholzhausen. Wenn Klaus Härtner an den vermeintlichen Anruf aus den USA denkt, dann schüttelt er mit dem Kopf. „Ich hätte nie gedacht, dass ich auf eine solche Masche hereinfallen könnte“, sagt der 64-Jährige. Ende Oktober klingelt bei ihm das Telefon und es meldet sich ein englischsprachiger Mann und gibt vor, im Auftrag von Microsoft anzurufen. „Der sprach zwar mit indischem Akzent, ich dachte aber an die vielen Inder im Silicon Valley und wurde deshalb nicht argwöhnisch.“

Der Mann am Telefon behauptet, der Computer des Borgholzhauseners sei hochgradig gefährdet, weil sein Antivirenprogramm von Kasperski das Betriebssystem Windows 10 nicht unterstütze. Klaus Härtner wird seine Sprachkompetenz zum Verhängnis. Als pensionierter Englischlehrer kann er sich ohne Probleme mit dem Anrufer verständigen.

„Betrüger hatte die Masche perfekt drauf"

Der Internetbetrüger hat seine Masche „perfekt drauf" und verwickelt den nach eigenen Angaben „mäßig mit EDV-Hintergründen vertrauten User" in ein langes Gespräch. „Der hat mir die Registrierungsnummer von meinem Windows vorgelesen" – Klaus Härtner noch heute. Mit vielen weiteren vermeintlichen Details vom Rechner verblüfft ihn der Anrufer zusätzlich.

Schritt für Schritt führt der Betrüger den besorgten Computerbesitzer durch Menüs und Programme, die er noch nie zuvor gesehen und von denen er auch noch nichts gehört hat. „Er konnte mir in dem Moment aus meiner Sicht schlüssig nachweisen, dass mein Kasperski Windows 10 nicht schützt und dass mich jemand akut angreift."

Klaus Härtner willigt ein, für 50 Euro ein Sicherungsprogramm zu kaufen und gibt dem Betrüger über ein Fernwartungsprogramm Zugriff auf seinen Rechner. Weil die Zahlung für das Sicherungsprogramm mit der Kreditkarte und per Onlinebanking angeblich nicht funktioniert, soll Härtner mit dem Transfersystem Western Union bezahlen.

Betrugsmethode »Scimming«

In Wirklichkeit hat der Anrufer die Zahlungsversuche des Borgholzhauseners an seinem Rechner benutzt, um sich die Daten der Kreditkarte und des Onlinebankings zu sichern und legt Härtner ein weiteres Mal herein. „Der Mann hat mir gesagt, Western Union akzeptiert nur Zahlungen über 250 Euro." Härtner zahlt den Betrag und wartet auf einen erneuten Anruf des Mannes.

Am anderen Morgen fährt er den Rechner hoch und findet im Ausgangskorb seines Onlinebankings vier Überweisungen zu je 500 Euro. Er ruft seine Bank an und wird zu einem Gespräch gebeten. „174 Euro wollte der Gauner von meiner Mastercard abgreifen, das haben wir storniert und die Karte gesperrt." Die Onlineüberweisungen finden ebenfalls nicht statt.

Der Banksachbearbeiter klärt den Piumer darüber auf, dass er auf die Betrugsmethode »Scimming« hereingefallen ist. Härtner ruft seine Frau an und die schaltet sofort den Computer aus. Der Borgholzhausener erstattet Anzeige bei der Polizei und erfährt, dass der Anruf von einer Nummer erfolgte, die sich nicht zurückverfolgen lässt.

Als Klaus Härtner seinen Rechner wieder hochfahren will, um die darauf befindlichen Viren zu bekämpfen, geht das nicht mehr. Der Internetbetrüger hat sein Kennwort geändert. Härtner bringt den Computer zum Fachhändler, wo er für 90 Euro desinfiziert wird. Der Fachmann versucht außerdem, die Daten des 64-Jährigen zu sichern. „Die 250 Euro sind weg", sagt Klaus Härtner. Er weiß inzwischen, dass man niemals Geschäfte mit Leuten machen sollte, die eine Zahlung per Western Union verlangen. Er weiß auch, dass Firmen wie Microsoft oder Google Endverbraucher nie per Telefon kontaktieren würden. „Die Betrügermaschen mit Spam-Mails kannte ich, der Betrug per Telefon war mir nicht bekannt."

Klaus Härtner hat sein Lehrgeld gezahlt und möchte nicht, dass andere Menschen die gleiche niederschmetternde Erfahrung machen. „Ich möchte alle Computerbesitzer dringend warnen", betont der 64-Jährige. Er schüttelt wieder mit dem Kopf und blickt auf dem Betrug als ein „unwirkliches Ereignis" zurück. Microsoft selbst warnt übrigens seit längerem vor dieser Betrugsmasche.