Bundestag stimmt Erdkabel-Prüfung zu

Netzbetreiber Amprion warnt jedoch vor voreiligen Hoffnungen

Ludger Osterkamp

Erdkabel für Höchstspannung: Mit der Entscheidung des Bundestages sind die Chancen für Borgholzhausen deutlich gestiegen. - © Foto: dpa
Erdkabel für Höchstspannung: Mit der Entscheidung des Bundestages sind die Chancen für Borgholzhausen deutlich gestiegen. (© Foto: dpa)

Borgholzhausen. Eine ganz wichtige Schlacht ist gewonnen, aber über den Ausgang des Krieges lässt sich damit noch nichts Genaues sagen: So stellt sich die Situation dar, nachdem der Deutsche Bundestag jetzt den Weg für die Verwendung von Erdkabeln beim Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung frei gemacht hat. Die ausführende Firma Amprion hat zugesagt, jetzt sofort in die Planung einzusteigen. Dabei betont sie allerdings, dass dadurch noch keine Entscheidung für oder gegen die Erdkabel-Variante gefallen ist.

Bislang waren der Amprion GmbH die Hände gebunden. Das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) hatte der Trasse, anders als jener im münsterländischen Raesfeld, bis Donnerstag keinen Pilotcharakter zugewiesen. Nun aber, mit Entscheidung des Bundestages, wird auch die Strecke durch den Kreis Gütersloh zu einem solchen Projekt erklärt. Der Bund verfolgt mit der Änderung des Gesetzes und der Aufnahme weiterer Pilotstrecken das Ziel, schneller und umfassender Erfahrungen mit Erdkabeln zu gewinnen.

Ein Sprecher von Amprion sagte am Freitag, das Unternehmen steige unverzüglich in die Prüfung ein. „Bislang durften wir das nicht, nun haben wir grünes Licht“, so Arndt Feldmann. Die Prüfung für die gesamte, 27 Kilometer lange Strecke werde bis Mitte nächsten Jahres dauern, kündigte er gestern an.

Die Prüfung beziehe sich im wesentlichen auf drei Aspekte: Bodenbeschaffenheit, technische Umsetzung und rechtliche Situation. „Treffen wir auf Felsformationen, auf Moor oder auf hohes Grundwasser, sind womöglich historische Relikte im Boden verborgen – all das muss untersucht werden“, sagt Feldmann. Bei der technischen Umsetzung gehe es besonders um physikalische Belange, um Leitfähigkeit beispielsweise, um Widerstände und Kabelmaterial. Während die Erfahrungen im Bereich von unterirdisch verlegten Gleichstromkabeln groß sind, wird mit einem Höchstspannnungs- Wechselstromkabel technisches Neuland betreten.

Bei der Einschätzung der rechtlichen Aspekte gehe es unter anderem darum, ob für Erdkabel-Abschnitte ein eigenes Planfeststellungsverfahren vonnöten sei, ob neue Anwohnerrechte entstehen, was mit den Bürgereinwendungen zur Freileitungstrasse Freikabeln zu geschehen habe, und was in die Zuständigkeit von Aufsichtsbehörden falle oder allein Angelegenheit des Vorhabenbetreibers sei.

Deshalb warnt Feldmann vor überzogenen Erwartungen. „Viele Fragen sind zu klären. Dass wir die neue Option in den Blick nehmen, heißt noch lange nicht, dass auf der Strecke automatisch Erdkabel verlegt werden“, stellt er fest. Nach den Erfahrungen aus Raesfeld sei ein Erdkabel etwa sechsmal so teuer als eine Freileitung. Erdkabel seien nur dort sinnvoll, wo Anwohner direkt betroffen seien.

Zu klären sein wird auch, ob über die Verkabelung längerer Abschnitte gesprochen wird oder ob nur im Bereich dichter Bebauung Freileitungen vermieden werden sollen. Die Übergabestationen, an denen Erdkabel beginnen oder enden, sind sehr groß und sehr teuer. 1,5 Millionen Euro pro Stück sind veranschlagt.

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