Corona kostet den Kreis Gütersloh Millionen an Grundsicherung

Der Kreisausschuss beschäftigt sich am 1. April erstmalig mit den finanziellen Folgen de Pandemie.

Anja Hustert

In Gütersloh sind sowohl bei der Agentur für Arbeit als auch an den Jobcenterstandorten massive Antragssteigerungen zu verzeichnen. - © Symbolfoto/ Pixabay
In Gütersloh sind sowohl bei der Agentur für Arbeit als auch an den Jobcenterstandorten massive Antragssteigerungen zu verzeichnen. (© Symbolfoto/ Pixabay)

Kreis Gütersloh. Nein, noch kann niemand die Kosten der Corona-Pandemie beziffern. Dennoch sieht das Jobcenter eine Welle von Anträgen auf sich zukommen. Am 1. April will sich der Kreisausschuss erstmalig mit den finanziellen Folgen des Virus befassen. In ersten Schätzungen geht der Kreis von zusätzlichen sieben Millionen Euro allein für den kommunalen Anteil an Kosten der Unterkunft aus.

Um bedürftigen Menschen den Lebensunterhalt zu sichern, hat das Bundes-Kabinett im Zuge der Corona-Krise einen erleichterten Zugang zu Sozialleistungen beschlossen. „Mit dem sogenannten Sozialschutz-Paket soll ein vereinfachter Zugang zu Grundsicherungsleistungen ermöglicht werden, die dann durch das kommunale Jobcenter zu erbringen sind", informiert das Jobcenter die Mitglieder des Kreisausschusses in einer Vorlage.

Starker Anstieg von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit

Handelseinschränkungen, Lieferprobleme und Produktionsbeeinträchtigungen durch die Corona-Krise führten bereits jetzt zu einem starken Anstieg von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. In Gütersloh seien sowohl bei der Agentur für Arbeit als auch an den Jobcenterstandorten massive Antragssteigerungen zu verzeichnen. „Dies betrifft sowohl die sogenannten Solo-Selbständigen als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", schreibt das Jobcenter. Genaue Prognosen, wie sich die Fallzahlen entwickeln werden, seien jedoch nicht möglich, da niemand vorhersagen könne, wie lange die wirtschaftlichen Einschränkungen dauern und wie stark die einzelnen Wirtschaftszweige und ihre Beschäftigten davon betroffen sind.

Allerdings wird im Kreis Gütersloh von einem starken Anstieg der Bedürftigkeit ausgegangen, allein aufgrund des hohen Anteils an produzierendem Gewerbe mit vielen geringqualifizierten Beschäftigten. Das Sozialschutzpaket der Bundesregierung werde „zu einem drastischen Anstieg der Leistungsberechtigten und somit zu einer erheblichen Ausgabesteigerung und zu einem deutlichen Personalbedarf" führen. Ausgehend von der Bundeskalkulation würden im Kreis die Fallzahlen um rund 4.000 steigen und Kosten von sieben Millionen Euro bedeuten.

Ein Teil wird wohl im Leistungsbezug verbleiben

Beim Jobcenter geht man davon aus, dass ein Teil der corona-bedingten zusätzlichen Leistungsempfänger nicht nach kurzer Zeit automatisch ins Arbeitsleben zurückkehren wird, sondern im Leistungsbezug verbleiben. „Das Münchner Ifo-Institut geht in einer veröffentlichen Berechnung sogar davon aus, dass diese Krise bundesweit mehr als eine Million Arbeitsplätze kosten könnte", heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Sorge macht man sich beim Kreis auch um die Träger, die bisher Aus- und Weiterbildung für das Jobcenter übernehmen. „Angesichts der ohnehin schlanken Trägerlandschaft im Kreis Gütersloh ist hier besondere Aufmerksamkeit geboten, damit die kontaktreduzierenden Maßnahmen am Ende nicht zur Insolvenz einzelner Träger führen."

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