Extremwetter im Kreis Gütersloh: Damit müssen die Menschen künftig rechnen

Gefühlt spielt das Wetter immer häufiger verrückt und die nächste Hitze ist schon zu ahnen. Wir haben beim DWD nachgefragt, was die Menschen im Kreis Gütersloh künftig erwartet und welche Rekorde es bisher gab.

Irja Most

Hagel, Starkregen, Sturm und vor allem Hitze machten den Menschen in den vergangenen Jahren im Kreis Gütersloh zu schaffen. - © NW-Archiv / Montage. Andreas Frücht
Hagel, Starkregen, Sturm und vor allem Hitze machten den Menschen in den vergangenen Jahren im Kreis Gütersloh zu schaffen. (© NW-Archiv / Montage. Andreas Frücht)

Kreis Gütersloh. Das jüngste Orkantief „Sabine" hat zum Glück nicht allzu dramatisch im Kreis Gütersloh getobt. Wie ein Blick in die Wetterhistorie zeigt, gab es in den vergangenen 15 Jahren in der Region deutlich heftigere Ereignisse mit Windhosen, Hagel oder Blitzschlag. Doch gefühlt schlägt das Wetter immer öfter aus. Kam kurz nach "Sabine" schon "Victoria" angestürmt und brachte für den Kreis Gütersloh gleich die nächste Sturmwarnung, machte der nächste Sturm "Yulia" den Narren in Harsewinkel am Fastnachtssonntag einen Strich durch die Rechnung: Erstmals in der Karnevalsgeschichte musste hier der Umzug abgesagt werden.

Die "gefühlte" Zunahme an extremen Wetterereignissen sei sicherlich auch objektiv richtig, erklärt Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Deutschen Wetterdienst. Statistiken für einzelne Landkreise, die belegten, dass markante Wetterereignisse im Kreis Gütersloh deutlich zugenommen hätten, gäbe es zwar nicht. Doch die Häufung der Gesamtereignisse sei schon auffällig, besonders mit Blick auf die steigenden Temperaturen in den vergangenen 30 Jahren.

Experte: Starkregen wird weiter zunehmen

Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 Grad Celsius war 2019 zusammen mit 2014 das bisher zweitwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Seit 1951 sind laut DWD die Anzahl heißer Tage mit einer Temperatur über 30 Grad von drei auf derzeit etwa zehn gestiegen. Und das habe mit dem Klimawandel zu tun. Der Trend zur Erwärmung sei deutschlandweit und damit ebenso im Kreis Gütersloh ungebrochen. Die Emission von Treibhaus-Gasen heizten auch das Klima im Kreisgebiet an, erläutert Thomas Kesseler-Lauterkorn.

Info

Wetterrekorde im Kreis Gütersloh

Wind: Die aktuelle Windmessstation des DWD Gütersloh/Ems misst erst seit Sommer 2008. Bisheriger Rekord sind 126 km/h vom 31. März 2015, den Orkan "Niklas" brachte. Laut DWD sei davon auszugehen, dass es in der Vergangenheit bei einigen schweren Winterstürmen im Kreis Gütersloh noch höhere Werte gegeben hat.

Niederschlag: Nach Messung des DWD gab es am 12. Juni 1966 in Gütersloh einen Wert von 80,1 Litern pro Quadratmeter. Am 26. August 2010 muss es zumindest im nördlichsten Kreisgebiet von Gütersloh noch heftiger gewesen sein, da das rund 28 Kilometer Luftlinie entfernte Bad Rothenfelde 116 Liter pro Quadratmeter und das etwa 17 Kilometer Luftlinie entfernte Bielefeld-Deppendorf 96 registrierten.

Kälte: Beim Frost sticht in den vergangenen Jahren laut DWD der 7. Januar 2009 heraus: Hier müssen die Tagestiefsttemperaturen auf Kreisgebiet oft bei -20 bis -22 °C gelegen haben. Etwas kälter war wahrscheinlich noch der 16. Februar 1956 mit -20 bis -26 °C. Die damalige Station Rheda-Wiedenbrück-Lintel habe einen Tiefstwert von rund -23 °C aufgezeichnet.

Hitze: Auch im Kreis Gütersloh war der 25. Juli 2019 in puncto Hitze ein Rekordtag. Eine Stationsmessung gäbe es nicht, doch die Höchstwerte müssen nach DWD-Angaben verbreitet bei 38 bis 39 Grad gelegen haben. Örtlich sogar an die 40 Grad, wie die Höchsttemperatur, die am Flughafen Münster/Osnabrück gemessen wurde. Deutschlandweit lag der Rekord bei 42,6 Grad, gemessen im niedersächsischen Lingen (Ems).

Neben häufigeren Hitze- und Dürreperioden käme Starkregen hinzu, der an Häufigkeit und Intensität zugenommen habe. "Das liegt zum einen an der insgesamt wärmeren Atmosphäre, diese kann mehr Wasserdampf aufnehmen und somit ist das Potenzial für extreme Regengüsse erhöht. Zum anderen haben sich die Wetterlagen verändert, die typischen Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten haben sich etwas gewandelt und so einen anderen, teils extremeren Wetter- und Witterungsverlauf zur Folge", erläutert der Experte.

Feuerwehr und Versicherung bekommen Wetter zu spüren

Auch die Feuerwehr im Kreis Gütersloh bekommt die Kapriolen zu spüren. Sie musste in den vergangenen Jahren immer häufiger unwetterbedingt ausrücken. "Das hat deutlich zugenommen", bilanziert Kreisbrandmeister Dieter Holtkemper aus seiner zehnjährigen Erfahrung. Bei den Versicherungen sieht es nicht anders aus. In Deutschland und auch im Kreis Gütersloh sei es zu einer Häufung von Sturm- und Hagelschäden gekommen. "Gütersloh war in den vergangenen Jahren immer mitbetroffen, wenn es um größere Sturmereignisse ging, zuletzt bei Sabine, aber vor allem auch bei Friederike 2018 sowie einer ganzen Serie von Sturmereignissen im Jahr 2015", berichtet Benedikt Hoffschulte, Leiter Sach-Schaden bei der LVM.

Die Prognose des Diplom-Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst: Starkregenereignisse und auch anhaltende Hitzeperioden mit starker Trockenheit werden in Zukunft wahrscheinlich weiter zunehmen, auch wenn Klimamodellrechnungen noch keine genauen Zahlen liefern könnten. Gleiches gelte für Stürme. Eine zuverlässige Vorhersage hinsichtlich der Zunahme an Anzahl und Intensität können die Experten derzeit noch nicht bieten.

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