Elektrosmog, Brandrisiko und Co.: So gefährlich sind Smartphones wirklich

Werden wir von Handystrahlung krank? Riskieren wir einen Brand, wenn wir unsere Geräte unbeaufsichtigt laden? Ist das Smartphone eine Datenkrake? Drei Fragen – drei Antworten, die nachdenklich stimmen.

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Viele tragen das Handy immer bei sich – setzen sie sich damit Gefahren aus? Wir haben bei Experten nachgefragt. - © CC0 Pixabay
Viele tragen das Handy immer bei sich – setzen sie sich damit Gefahren aus? Wir haben bei Experten nachgefragt. (© CC0 Pixabay)

Gütersloh. Das Smartphone ist für viele mittlerweile zum permanenten Begleiter geworden. Egal, wo man hingeht, das Handy ist immer dabei. So praktisch es aber auch ist, birgt die Technik auch ein gewisses Risiko. Wir haben mit drei Experten gesprochen und sie gefragt: Wie gefährlich sind unsere Smartphones wirklich?

Strahlung

Jeder Mensch ist quasi immer und überall von elektromagnetischen Feldern umgeben, sei es am Arbeitsplatz oder zu Hause – etwa durch das Stromversorgungsnetz, Haushaltsgeräte, WLAN oder den Mobilfunk. Ein Standard-Smartphone verwendet hochfrequente Wellen für die Übertragung von Daten und Sprache. Aber ist die davon ausgehende Strahlung gefährlich?

Laut Bundesamt für Strahlenschutz ist nachgewiesen, dass diese Felder vom Körper aufgenommen werden und dort unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. „Ein Smartphone steht in ständiger Verbindung zum nächsten Funkmast, selbst wenn wir uns nicht bewegen. Je dichter man das Handy am Körper trägt, desto mehr Strahlung bekommt der Körper ab", sagt Baubiologe Peter Steinig aus Schloß Holte-Stukenbrock.

"Werde häufig kontaktiert, wenn die Menschen schon krank sind"

Er untersucht Häuser auf Schimmelpilze, Schadstoffe und mittlerweile häufiger auch auf elektromagnetische Felder. „Tatsächlich werde ich aber in vielen Fällen leider erst kontaktiert, wenn die Menschen schon krank sind", sagt Steinig. Seine Kunden klagen über Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwindel – laut Steinig klare Symptome für eine mögliche Elektrosensibilität, ausgelöst etwa durch Handys, Schnurlostelefone und WLAN.

Steinig rät, da wo es geht, auf kabellose Geräte zu verzichten. „Ich habe zu Hause zum Beispiel kein WLAN, sondern nutze ein LAN-Kabel." Ein Smartphone besitze er zwar, es sei aber die meiste Zeit im Flugmodus, sodass sich das Gerät nicht permanent mit Funkmasten verbinden würde. Und vor allem trage er es nicht direkt am Körper, sondern weit weg.

Brandgefahr

Das Handy über Nacht laden – total praktisch. Tatsächlich hört man aber immer wieder von Akkus, die brennen oder explodieren. Sorgen machen sich Experten vor allem um Lithium-Ionen-Akkus mit hoher Energiedichte. Sie haben zwar eine geringe Brand- oder Explosionsgefahr; ausgeschlossen ist das aber nicht. „Eine latente Gefahr ist immer da", sagt Volker Kocinski-Schroer, der bei der Stadt Gütersloh für den vorbeugenden Brandschutz zuständig ist. Vor allem wenn der Akku beschädigt sei oder einen Produktionsfehler habe.

Gänzlich schützen könne man sich nicht, dennoch rät der Experte zu einem bewussten Umgang mit den Geräten. „Dazu zählt das kontrollierte Laden. Es ist zwar nicht immer praktisch, aber nach Möglichkeit sollte man Smartphones und Co. nicht unbeaufsichtigt laden und sie dabei nicht auf brennbarem Material abzulegen." Zum Beispiel auf dem Sofa oder auf dem Bett – die Gefahr, dass sich so ein Wärmestau bilde, sei groß. Außerdem rät der Brandschutzexperte, immer Originalzubehör zu nutzen – vor allem bei Ladekabeln- und Steckern.

Sensible Daten

Experten warnen immer wieder vor dem Handy als massive Datenkrake. „Da ist tatsächlich auch etwas dran", sagt Oliver Hartkämper, IT-Leiter bei Arvato-Systems in Gütersloh. Smartphones seien mit den unterschiedlichsten Sensoren ausgestattet – von Mikrofon über Standortsensor bis hin zum Beschleunigungssensor. Und diese Sensoren würden automatisch und permanent Daten erfassen.

„Ich kann aber selbst einstellen, welche Daten ich preisgebe. Die Hersteller von Apps fragen mittlerweile bei vielen Funktionen, auf welche Sensoren sie zugreifen dürfen. Ich muss also erst mein Einverständnis geben." Bei einer Navigations-App mache es natürlich Sinn, den Zugriff auf den eigenen Standort zu erlauben, sonst könne man nicht navigieren. Aber, fragt der Experte, warum braucht meine Taschenlampen-App Zugriff auf das Mikrofon oder die Gesundheitsdaten?

Wie viele Daten ist man bereit für Komfort herauszugeben?

Hartkämper appelliert, immer genau zu lesen. Die meisten Hersteller würden heute zwar gezwungenermaßen durch die neue Datenschutzgrundverordnung transparenter arbeiten, das müsse der Verbraucher aber auch nutzen. Apple, Amazon und Co. würden etwa im Hinblick auf ihre Sprachassistenten offen kommunizieren, dass im Normalfall der Mikrofonkanal permanent geöffnet ist, sagt Hartkämper – weil die künstliche Intelligenz auf ein Stichwort wartet, dass ihnen einen Auftrag erteilt. Es sei eine ganz einfache Frage, die jeder sich stellen müsse: „Wie viele Daten bin ich bereit für Komfort herauszugeben?"

Unerlässlich sei es allerdings, sein Handy mit einer Pin zu schützen. „Ansonsten bettele ich doch quasi schon darum, angegriffen zu werden, wenn jemand anders mein Handy in die Finger bekommt", sagt der IT-Leiter ganz nüchtern. Darüber hinaus empfiehlt er, wichtige Dienste, bei denen man sich mit persönlichen Daten anmeldet – etwa Facebook und PayPal – mit einem „zweiten Sicherheitsfaktor" als Identitätsnachweis zu schützen. Das gelte insbesondere auch für die Apple-ID oder die Playstore-ID bei Google.

Ein zweiter Faktor bedeutet, dass das Konto doppelt geschützt wird. Man gibt Name und Passwort ein, um sich anzumelden. Danach wird man nach einer Pin gefragt, die meist per SMS verschickt wird. Erst nach Eingabe dieser Pin, erfolgt die Anmeldung.

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