Verkauft der Kreis Gütersloh demnächst seine RWE-Aktien?

Mit dem Verkaufserlös von 87.000 Euro könnte der Kreis einen kleinen Teil seiner Schulden tilgen, findet die FDP. Allerdings hatte die Beteiligung am Konzern unlängst auch seine Vorteile.

Ludger Osterkamp

Mit einem Verkauf der RWE-Aktien könnte der Kreis Schulden tilgen, findet die FDP. - © Picture Alliance
Mit einem Verkauf der RWE-Aktien könnte der Kreis Schulden tilgen, findet die FDP. (© Picture Alliance)

Gütersloh. Der Kreis Gütersloh steht erneut vor der Frage, ob er sich endgültig von seinen RWE-Aktien trennt. Den politischen Gremien liegt ein Antrag der FDP vor, wonach der Kreis seinen Restbestand verkauft. Beim aktuellen Börsenkurs von rund 32 Euro - so hoch wie lange nicht mehr - würde der Kreis über den Verkauf seiner 2.788 RWE-Stammaktien 87.000 Euro einnehmen.

Die Investition in ein börsennotiertes Unternehmen gehöre nicht zu den Aufgaben des Kreises, so die FDP. Der Kreis könne mit dem Erlös zum Beispiel Schulden tilgen. Vor sechs Jahren hatte die FDP einen gleichlautenden Antrag gestellt, ihn dann aber zurückgezogen, als sich anbahnte, dass die RWE die Lichtplanung für das Böckstiegel-Museum sponsert; die Sorge war, dass der Konzern das Veräußern des Aktienpaketes als unfreundlichen Akt werten könnte. Tatsächlich unterstützte der Essener Energieversorger laut Landrat Sven-Georg Adenauer das Museum später mit einem höheren fünfstelligen Betrag.

Der Landrat würde aus vier RWE-Gremien ausscheiden müssen

Ob der Landrat auch diesmal von einem Verkauf abrät, ist den Unterlagen für die Gremiensitzungen nicht zu entnehmen - die Kreisverwaltung enthält sich einer Reaktion auf den FDP-Vorstoß. Für Adenauer selbst hätte der Verkauf die Konsequenz, dass er aus vier RWE-Gremien für kommunale Aktionäre ausschiede. Nebeneinkünfte, 5.200 Euro, bezieht er dabei nur aus seiner Mitgliedschaft im Beirat Nord, doch auch diese Einnahme muss er, da sie seinem Hauptamt zuzurechnen ist, an die Kreiskasse abführen. Da er gedenke, noch mindestens 20 Jahre Landrat zu sein, so Adenauer gestern mit Augenzwinkern, wäre es für den Kreis finanziell unklug, statt auf diese Dauereinnahme auf einen kurzfristigen, einmaligen Erlös zu setzen. Die Mitgliedschaft in einem Beirat der Innogy, Energie-Tochter der RWE, für die Adenauer im vergangenen Jahr mit 20.000 Euro entschädigt wurde, bliebe nach Angaben des Kreissprechers von dem Aktienausstieg unberührt.

Eigentlich hätte man das Bündel längst los sein wollen

Die 2.788 RWE-Stammaktien sind ohnehin nur der kümmerliche Rest eines stattlichen Paketes. 360.000 Aktien besaß der Kreis einst, er veräußerte sie in mehreren Tranchen. 2007, noch vor der Fusion von RWE mit Eon, stieß er die letzte ab, doch infolge einer Klage ehemaliger Eon-Aktionäre, die zwei Jahre später zu einem Vergleich führte, fielen ihm die 2.788 zurück in den Schoß. Seither hält und hütet er sie - meistens mit dem Argument, die Verbindung zur RWE könne sich als dienlich erweisen.

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