Warum Stromanbieter neue Kunden ablehnen

Energieversorger wollen verhindern, dass Häufig-Wechsler von einem Anbieter zum nächsten wandern, die niedrigen Einstiegstarife nutzen und dann weiterziehen.

Stefan Schelp

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Bielefeld. Im Jahresrhythmus den Strom- und Gasversorger wechseln, das ist für viele Verbraucher in Deutschland keineswegs ungewöhnlich. Auf diese Weise nehmen sie den Startbonus mit, und bevor die Energieversorger beim Anschlussvertrag mit kräftigen Preiserhöhungen um die Ecke kommen, ziehen die Verbraucher einfach weiter. Das ist völlig legitim. Bei den Unternehmen sind diese Kunden - aus nachvollziehbaren Gründen - höchst unbeliebt.

Kein Wunder also, dass Verbraucher, die aus Kostengründen ihren Energieanbieter wechseln wollen, immer häufiger als Neukunden abgelehnt werdem. Nach Untersuchungen des Internetportals Wechselpilot machen besonders häufig Vattenfall und GASAG von ihrem Recht Gebrauch, Kunden einen Vertrag zu verweigern. Wechselpilot hat sich nach eigenen Angaben 20.000 Verträge angeschaut. Demnach lehnt Vattenfall 22 Prozent und die GASAG 27 Prozent der möglichen Neukunden ab.

Bonuszahlungen sind Lockmittel

"Es betrifft vermehrt Kunden, die von so genannten Billig-Energieanbietern kommen und die wenig Energie verbrauchen", sagt der Gründer des Wechselportals Wechselpilot Jan Rabe gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Für Firmen sind die Bonuszahlungen im ersten Jahr nur ein Lockmittel für Kunden. Gewinne machen sie mit ihnen erst im zweiten und dritten Jahr. "Ein Kunde, der dauernd wechselt, ist nicht der Attraktivste. Der Fokus liegt vielmehr darauf, einen Kunden zu gewinnen, der lange bleibt", so Rabe.

Neukunden werden unter die Lupe genommen

Vattenfall habe betont, dass es sich nur um Einzelfälle handle, die in der Vertragsführung oder dem Zahlungsverhalten der Kunden begründet seien. Auch die GASAG spreche von nur 15 Prozent Ablehnung. Grund sei, dass man nicht als Discounter am Markt auftreten wolle. Auch andere Anbieter suchen sich ihre Kunden offenbar genauer aus als früher. In ablehnenden Schreiben ist dann oft von einer "negativen Vertragslaufzeit-Perspektive" die Rede.

Immer wieder äußern Kunden auch den Verdacht, dass die Energieversorger "schwarze Listen" führen, die sie untereinander austauschen, um das Tarif-Hopping zu unterbinden.

Jan Rabe fordert vor allem eine schnellere Information an die Kunden, ob der angestrebte Wechsel des Energieanbieters klappt. Denn zurzeit würden die Unternehmen erst nach bis zu zwei Monaten erklären, ob der neue Vertrag zu Stande komme. Dann sei der alte Anbieter aber oft schon gekündigt und eine Rückkehr mitunter mit finanziellen Nachteilen verbunden. Im Zweifelsfall landet der Verbraucher wieder bei seinem Grundversorger mit Tarifen, die deutliche über denen der Billiganbieter liegen.

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