Waldbauern im Kreis Gütersloh: "In zwei Jahren gibt es keine Fichte mehr"

Der Borkenkäfer bereitet den Waldbauern im Kreis Gütersloh schlaflose Nächte. Besonders betroffen von dem Fichtensterben seien die Kommunen am Teutoburger Wald.

Anja Hustert

Machen sich Sorgen um den Wald: Holger Hartmann, Verena Paul-Hambrink, Dieter Wurmeier, Heinrich-Theodor Venghaus und Heiner Heile. - © Andreas Frücht
Machen sich Sorgen um den Wald: Holger Hartmann, Verena Paul-Hambrink, Dieter Wurmeier, Heinrich-Theodor Venghaus und Heiner Heile. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Erst Sturmtief Friederike, dann zwei heiße Sommer mit großer Trockenheit und schließlich noch der Borkenkäfer. Wenn es Krankenhäuser für Wälder gäbe, lägen derzeit zahllose Bäume auf der Intensivstation. Entsprechend gedrückt war die Stimmung auf der Mitgliederversammlung der Waldbauern im Kreis Gütersloh.

„Ich habe sowas noch nicht erlebt", sagte Heinrich-Theodor Venghaus, Vorsitzender der Waldbauern im Kreis Gütersloh. Es habe im vergangenen Jahr Käfer in Massen gegeben. „Der Käfer hat sich bis an die Feld-Waldgrenze runtergefressen", so der Wertheraner Waldbesitzer. „In zwei Jahren gibt es keine Fichten mehr", ist sich einer der Anwesenden sicher. Fast 50 Waldbauern sind nach Isselhorst gekommen, um im Gasthaus „Zur Linde" – auch namentlich eine passende Location – einen Blick auf das vergangene und das kommende Wirtschaftsjahr zu werfen.

Auf einem Hektar sechs Millionen Käfer

„Wir haben auf einem Hektar sechs Millionen Käfer auf den Bäumen", so Venghaus. Die meisten von ihnen könnten bis zu 500 Meter weit fliegen, sieben Prozent könnten aber auch Distanzen von drei Kilometern überwinden. „Daher sind ja auch Fichten in den Gärten befallen", so der Vorsitzende der Waldbauern. „Wir können nur hoffen, dass es regnet, regnet, regnet", so Venghaus. Denn ein durch Trockenheit gestresster Baum kann kein Harz bilden und sich gegen den Käfer wehren. Außerdem mögen Käfer und Larven keine Feuchtigkeit.

„In diesem Jahr wird die Kalamität ihren Höhepunkt erreichen", prophezeit er. „Kalamität", das ist nicht etwa nur eine missliche Lage, sondern es bezeichnet in der Forstwirtschaft eine Massenerkrankung von Waldbeständen, die zu großflächigen Ausfällen führen kann und damit meist mit wirtschaftlichen Folgen verbunden ist.

Die Preise für Fichte sind am Boden

Letzteres bestätigte Holger Hartmann, Geschäftsführer der Holzvermarktung und Dienstleistung (HVD) OWL GmbH. Die HVD hat für die Waldbesitzer des Kreises die Holzvermarktung übernommen. „Die Preise für Fichte sind am Boden", sagt er. Da das Schlagen der mit Borkenkäfern befallenen Bäume das einzige Mittel gegen die Schädlinge sei, gebe es ein Überangebot an Fichtenholz. Allein in NRW stünden 15 Millionen Festmeter Schadholz. „Uns bleibt nur der Export nach China", so Hartmann. Derzeit bringe der Festmeter Fichte noch 35 bis 40 Euro, vor drei Jahren seien es 80 bis 90 Euro gewesen.

„Und von den 35 Euro bekommt noch 20 Euro der Unternehmer, der die Bäume fällt und abfährt", gibt Dieter Wortmeier vom Regionalforstamt OWL zu bedenken. Besonders betroffen von dem Fichtensterben seien die Kommunen am Teutoburger Wald.

Buchen leiden unter der Trockenheit

„Im Südkreis geht es uns noch vergleichsweise gut", meint der zuständige Revierförster für Gütersloh und Harsewinkel. Er betreut eine Fläche von 2.500 Hektar Wald. Auf den sandigen Böden stünden häufig Kiefern, aber auch Eichen. Letztere sind laut Holger Hartmann in diesem Jahr im Preis stabil, ebenso frische Buche. Anders sehe es bei Kalamitäts-Buche aus. „Wir werden uns wundern, wie wenig Buchen in diesem Jahr austreiben", prophezeit er. Laut Venghaus sind sechs Prozent der Buchenwälder durch Trockenheit geschädigt.

Auf dem Gebiet der Stadt Gütersloh waren im Januar 2019 774 Hektar katastermäßig als Waldfläche erfasst, das sind 6,9 Prozent der Stadtfläche. Zum Vergleich: Kreisweit beträgt der Anteil etwa 14 Prozent, landesweit 27 Prozent und bundesweit 32 Prozent.

Das Land NRW will den Waldbauern mit einer Finanzspritze von 100 Millionen Euro für zehn Jahre bei der Wiederbewaldung helfen. Heiner Heile vom Landesbetrieb Wald und Holz erläuterte, wie der „Wald der Zukunft", der besser an die sich verändernden klimatischen Verhältnisse angepasst ist, aussehen könnte. Unter waldinfo.nrw.de gebe es dazu wichtige Informationen und digitale Karten.

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