Streik bei der Eurobahn bringt Tausende Pendler in OWL in Not

Die Gewerkschaft EVG ruft zu einem unbefristeten Ausstand auf.

Matthias Bungeroth

Die Eurobahnzüge verkehrten am Montag wegen eines Streiks nicht alle planmäßig. Es kam zu Zugausfällen und -verspätungen.   - © Matthias Bungeroth
Die Eurobahnzüge verkehrten am Montag wegen eines Streiks nicht alle planmäßig. Es kam zu Zugausfällen und -verspätungen.   (© Matthias Bungeroth)

Bielefeld. Ein unbefristet angesetzter Streik von Beschäftigten der zum Keolis-Konzern gehörenden Eurobahn hat mitten in der Vorweihnachtszeit für chaotische Bedingungen für Tausende Fahrgäste beim Bahnreisen in Ostwestfalen-Lippe und auf zahlreichen Strecken in Nordrhein-Westfalen gesorgt. Zu dem Arbeitskampf aufgerufen hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG im Zuge von Tarifauseinandersetzungen.

„Für die Fahrgäste ist das eine Katastrophe", sagt Willi Wächter, Vorsitzender des Fahrgastverbandes OWL. Denn man wisse oft bis kurz vor der planmäßigen Abfahrt nicht, ob ein bestimmter Zug wirklich verkehre. In dieser Zeit einen unbefristeten Streik anzuberaumen, sei „schon ein Hammer".

Die EVG bedauerte in einer Mitteilung, „dass die Fahrgäste nun die Leidtragenden sind". Die Verantwortung für die Situation sieht die Gewerkschaft allein bei der Geschäftsführung der Eurobahn. Inhaltlich geht es vor allem um die Forderung nach 7,5 Prozent mehr Lohn und ein Wahlmodell, das es den Beschäftigten ermöglichen soll, einen bestimmten Anteil der Lohnerhöhung auch in Urlaubstage umwandeln zu können. Das Urlaubskonto könnte sich damit auf bis zu 42 Tage im Jahr erhöhen.

"Wir werden es nicht schaffen, alles abzudecken"

Die Eurobahn befördert auf dem OWL-Liniennetz pro Werktag bis zu 70.000 Fahrgäste. Die EVG-Forderungen seien nicht zu verstehen, sagte Eurobahn-Sprecherin Nicole Pizzuti. Das Unternehmen habe bereits mit der Gewerkschaft GDL andere Vereinbarungen getroffen. Die Forderungen der EVG seien angesichts des Personalmangel in der Bahnbranche für die Eurobahn nicht erfüllbar.

Bereits in der Nacht habe es erste Streiks in der Eurobahn-Werkstatt in Hamm gegeben. Das Unternehmen bemühe sich, bei Zugausfällen einen Ersatzverkehr mit Bussen anzubieten. Aber: „Wir werden es nicht schaffen, alles abzudecken." Bereits bis 10 Uhr vormittags sei es allein in OWL zu acht kompletten Zugausfällen gekommen. Für Fahrgäste sei es wichtig, sich vor jeder Abfahrt auf der Eurobahn-Homepage oder bei Twitter über Streikauswirkungen zu informieren.

Wächter rief die Eurobahn dazu auf, dies immer möglichst rasch zu tun. Die Laufbänder auf kleineren Bahnhöfen informierten Fahrgäste in der Regel zwar kurzfristig über Zugausfälle, aber nicht aber über einen Ersatzverkehr. Uli Beele, Sprecher des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe, kritisierte, dass der Ausstand zur „absoluten Unzeit" komme. Man kämpfe in der Bahnbranche ohnehin mit großem Personalmangel.

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