Verwirrung um Bustickets

Das Tarifsystem im Kreis Gütersloh soll einfacher werden. So manche Ausführungen 
des Geschäftsführers des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe sorgen allerdings für Kopfschütteln

Anja Hustert

Das Tarifsystem im Kreis Gütersloh soll einfacher werden. - © Max Maschmann
Das Tarifsystem im Kreis Gütersloh soll einfacher werden. (© Max Maschmann)

Kreis Gütersloh. Zum 1. August 2020 werden die Busfahrkarten im Kreis voraussichtlich im Schnitt um zwei Prozent teurer. Dabei handelt es sich laut Stefan Honerkamp, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) um eine Preisanpassung. „Neben steigenden Treibstoffkosten zeichnen sich zukünftig erhebliche Steigerungen bei den Personalkosten ab", erläuterte er jetzt im Verkehrsausschuss des Kreises. Auch bei den regionalen Busunternehmen gebe es Fachkräftemangel mit der Folge von Gehaltssprüngen und hohen Tarifvertragsabschlüssen.

Man gehe derzeit von einer Kostensteigerung von 2,5 Prozent aus, so Honerkamp. Diese müsste durch zusätzliche Erlöse gegenfinanziert werden. „Eine Preisanpassung ist nicht verboten. Das macht ein Bäcker auch", so der VVOWL-Geschäftsführer.

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SPD scheitert mit vergünstigtem Azubi-Ticket

82 Euro kostet das neue landesweit zu nutzende Azubi-Ticket. Ein Semesterticket für Studenten ist dagegen für 31 Euro zu haben. „Das ist ungerecht", findet Klaus Tönshoff, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion. Daher hatte er beantragt, dass der Kreis Auszubildende, die ein Berufskolleg im Kreis Gütersloh besuchen, mit 20 Euro fördert– sofern der Ausbildungsbetrieb sich ebenfalls mit 31 Euro im Monat an den Kosten beteiligt. Eine Idee, die im Kreis Coesfeld so verabschiedet wurde. „Das Azubi-Ticket wurde gerade erst am 1. August landesweit eingeführt – wir müssen sehen, wie es sich entwickelt", sagte Peter Wiese (CDU), der die Idee ablehnte. Auch die Grünen zeigten sich nicht begeistert – sie halten eine Einschränkung auf die Berufskollegs im Kreis für ungerecht. „Was machen denn diejenigen, deren Berufsschule außerhalb vom Kreis liegt oder deren Arbeitgeber sich nicht beteiligen wollen?", fragte Birgit Niemann-Hollatz. Günter Wittkowski von der FWG-UWG-Fraktion warnte vor "Bürokratismus". „Es war zu erwarten, dass hier nicht mit fliegenden Fahnen einem SPD-Antrag zugestimmt wird", meinte Fritz Spratte (SPD). „Das Angebot steigere die Attraktivität der Ausbildung", meinte er. Das sahen die übrigen Fraktionen anders und lehnten den SPD-Antrag ab.

Funticket: verschiedene Kreise, verschiedene Preise

Die Tarife im Kreis Gütersloh sind eingebettet in den Westfalen-Tarif, der von 54 Verkehrsunternehmen und Trägern ausgehandelt wird. „Der Kreis Gütersloh hat einen Stimmanteil von 0,94 Prozent", so Honerkamp, der aber für die Abstimmung der anstehenden Tarifmaßnahmen ein entsprechendes Mandat vom Kreis benötigt. Das gaben ihm die Mitglieder des Verkehrsausschusses am Montag – einstimmig. Denn der Kreis strebt grundsätzlich eine Vereinfachung der ÖPNV-Tarife an.

„Es gibt Fun-Tickets in verschiedenen Kreisen, aber zu verschiedenen Preisen", sieht auch Honerkamp die Notwendigkeit zur Vereinheitlichung. Manche seiner Ausführungen zum Tarif lassen die Ausschussmitglieder kopfschüttelnd zurück. „In NRW gilt der Grundsatz, dass Kinder unter sechs Jahren kostenlos im Bus mitfahren. In OWL gibt es hingegen eine Sonderregel: Wenn es sich um Kindergarten- oder Schulverkehr handelt, gelten zwei Kinder wie eine Person."

„Tarifliche Sonderregelungen sollen reduziert und Tarifbestimmungen vereinfacht werden", auch dem stimmte der Verkehrsausschuss zu. Außerdem soll für neue Direktverbindungen zwischen Nachbargemeinden jeweils Preisstufe zwei festgelegt werden. „Das erproben wir gerade zwischen Harsewinkel und Gütersloh", so Honerkamp.

Aktuell gibt es beispielsweise zwischen den Nachbarkommunen Langenberg und Rietberg, Harsewinkel und Halle, Harsewinkel und Steinhagen, Harsewinkel und Beelen, Rietberg und Delbrück sowie Verl und Delbrück keine direkte Busverbindung. Sollten diese jedoch irgendwann kommen, ist wenigstens schon der Tarif geregelt. Zustimmung fand auch das „Baukastenprinzip", wonach bei kreisweit gültigen Tickets wie dem Sozialticket TeutoEms benachbarte Kreisgebiete oder die Stadt Bielefeld einfach hinzugekauft werden können. „Wir begrüßen die partiellen Vereinfachungen zum Gesamttarif. Aber das kann erst den Anfang des Prozesses bedeuten", sagte Peter Wiese (CDU).

Und auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Klaus Tönshoff, stimmt zu: „Das ist ein Zwischenschritt zu einer übersichtlichen Tarifstruktur. Aber wir sind auf dem richtigen Weg."

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