Mit Bus und Bahn zur Arbeit: Jobticket für den Kreis Gütersloh für 59 Euro

Am 1. Januar startet im Kreis ein Pilotprojekt mit ausgewählten Firmen, zu denen auch die Kreisverwaltung gehört. Ziel ist es, den Tarifdschungel beim Busfahren zu lichten.

Anja Hustert

Derzeit nutzen nur 20 Mitarbeiter der Kreisverwaltung das Firmen-Abo, um zur Arbeit zu kommen. - © Andreas Frücht
Derzeit nutzen nur 20 Mitarbeiter der Kreisverwaltung das Firmen-Abo, um zur Arbeit zu kommen. (© Andreas Frücht)

Kreis Gütersloh. Für 59 Euro im Monat innerhalb des Kreises Gütersloh jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendeln? Das wäre für viele Arbeitnehmer bestimmt ein Grund, das Auto morgens stehenzulassen. Ein so gestaltetes „Jobticket" soll nun mit ausgewählten Unternehmen im Kreis und ihren Mitarbeitern erprobt werden. Am 1. Januar geht’s los.

Natürlich gibt es auch jetzt schon Jobtickets, die Firmen ihren Angestellten anbieten. „Das haben wir seit 20 Jahren", sagt beispielsweise Jan Focken, Sprecher der Kreisverwaltung. Doch dieses Ticket ist teuer – auch wenn der Kreis als Großkunde auftritt. Daher nutzen es in der Kreisverwaltung auch nur 20 Beschäftigte, weiß Focken. Und das, obwohl direkt vor dem Kreishaus in Gütersloh eine Bushaltestelle ist, der Arbeitgeber also gut zu erreichen.

Selbst Verkehrsexperten halten die Tarife für zu kompliziert

Aber: Die Bustarife im Kreis Gütersloh sind für Laien kaum zu verstehen. „Wir haben einen zu komplizierten Tarif", bestätigt auch Stefan Honerkamp, Geschäftsführer beim Verkehrsverbund OWL und zuständig für Tarif und Busverkehrsplanung im Kreis Gütersloh. Er setzt sich seit langem dafür ein, dass das Tarifsystem vereinfacht wird und es Tickets gibt, die im gesamten Kreisgebiet gelten – so wie das 59-Euro-Jobticket, das jetzt erprobt werden soll. Honerkamp hatte die Kreisverwaltung angesprochen, ob sie sich nicht an dem Pilotversuch beteiligen möchte. Mindestens fünf Mitarbeiter müssen das Jobticket dann abnehmen.

„Es geht darum, einen Gemeinschaftstarif für ganz Westfalen zu finden", sagt Hans-Jürgen Krain, Prokurist beim Bielefelder Verkehrsunternehmen MoBiel. Der Test solle mit 30 bis 40 Firmen in ganz Westfalen laufen. „Wir haben einen Gutachter aus Dresden dazu geholt, der wird uns empfehlen, welche Firmen wir da hineinholen", betont Krain als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft im Westfalentarif.

Anderhalb Jahre soll der Versuch laufen

Es solle ein Mix der gesamten Wirtschaftsstruktur in Westfalen abgebildet werden – die Firmen können sich also nicht bewerben, sondern werden angesprochen. „Der Jobticket-Versuch soll anderthalb Jahre laufen. Ergebnisse dazu gibt es dazu frühestens 2021", erläutert Krain. Die formalen Beschlüsse zu dem Pilotversuch sollen in diversen Sitzungen im Dezember fallen, schließlich sitzen beim Westfalentarif zahlreiche Verkehrsverbünde mit am Tisch. Auch von der Bezirksregierung fehlt noch die Genehmigung. „Wir segeln hart am Wind", gibt Krain zu. Denn zum 1. 1. 2020 soll die Testphase starten.

Nachbarkreis nutzen - zehn Euro plus

Stefan Honerkamp freut sich jedoch bereits jetzt über das Projekt. „Ich begrüße das ungemein." Der Westfalen-Tarif, der von Siegen bis Espelkamp gelte, sei für Fahrgäste äußerst verwirrend. Das 59-Euro-Jobticket sei „extrem günstiger und extrem einfacher." Dies auch vor allem, weil der Nutzer, im Sinne eines Baukastenprinzips, nun auch einfach einen weiteren Kreis dazu buchen könnte. „Wer beispielsweise von Oelde aus nach Gütersloh zum Kreishaus fährt, kann für nur zehn Euro zusätzlich im Monat auch den kompletten Kreis Warendorf dazu buchen", sagt Honerkamp. Oder die Stadt Bielefeld. Ebenfalls zehn Euro plus.

Ganz Westfalen für 119 Euro

„Ganz Westfalen ist dann für 119 Euro zu haben", so der VVOWL-Geschäftsführer. Im Verkehrsausschuss am kommenden Montag soll ein Beschluss gefasst werden, wonach das Baukastenprinzip auch für weitere kreisweit gültige Tickets eingeführt werden soll. Dann können zum Beispiel beim Sozialticket TeutoEms-Ticket oder dem 9-Uhr-Abo auch Nachbarkreise hinzugebucht werden.

Klaus Tönshoff, verkehrspolitischer Sprecher der Kreis-SPD, begrüßt das geplante Jobticket ebenfalls. „Ich könnte mir vorstellen, dass daraus dann irgendwann ein Jedermann-Ticket wird", sagt er. Und auch Jan Focken sieht für die Kreisverwaltung Vorteile: die zeige sich als attraktiver Arbeitgeber. „Unter Klimaaspekten ist es ebenfalls zu begrüßen, wenn viele Arbeitnehmer ihr Auto stehenlassen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.