Bad Rothenfelde schließt Kurhaus zum Jahresende

Meilenstein in der Nachbargemeinde: Das Herz vieler Rothenfelder hängt am traditionsreichen Gebäude. Doch es ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Nun nimmt die Kur GmbH das Heft in die Hand.

Marc Uthmann

Zum Jahresende dicht: Das Rothenfelder Kurhaus. - © Marc Uthmann
Zum Jahresende dicht: Das Rothenfelder Kurhaus. (© Marc Uthmann)

Bad Rothenfelde. Wenn die bekannte Schauspielerin Eva Mattes (unter anderem »Tatort«) am 21. November im Kurhaus liest, singt und erzählt, dürfte das für längere Zeit der letzte Auftritt einer bekannten Künstlerin an der Parkstraße 3 gewesen sein. Die Bad Rothenfelder Politik hat vor kurzem in einem Grundsatzbeschluss entschieden, dass sie das altehrwürdige Haus zum Jahresende schließen wird.

Die aktuelle Besitzerin des Hauses, die »BRIG-Kurhaus-Betriebs-GmbH« hatte angekündigt, dass sie nicht mehr investieren könne. Eine umfassende Sanierung wäre nötig – nach derzeitigen Erkenntnissen allerdings teurer als Abriss und Neubau. In der BRIG-GmbH sind neun Unternehmer aus Bad Rothenfelde und Dissen versammelt, den zehnten Teil hält die Kur GmbH der Gemeinde. Sie wird ihren Anteil nun zunächst zurückgeben und dann das Grundstück und die Immobilie komplett kaufen, entschied der Gemeinderat. „Noch in diesem Jahr wollen wir den Kaufvertrag notariell beurkunden lassen und dann zeitnah die Kosten für den Abriss und die Beseitigung der Altlasten ermitteln", kündigte Bad Rothenfeldes Bürgermeister Klaus Rehkämper auf Anfrage des Haller Kreisblattes an. Dafür will er Zuschüsse beantragen, unter anderem beim Landkreis.

In den kommenden Jahren will die Gemeinde – gestützt auf ihren Masterplan 2030 und eine Hotelbedarfsanalyse – an der Parkstraße 3 städtebaulich etwas Neues entwickeln. Zielsetzung laut Ratsbeschluss ist „vorrangig ein Hotel im gehobenen Segment", dieser Passus wurde kontrovers diskutiert, weil vor allem die SPD befürchtete, damit könne die Orientierung an einem Haus für Kultur verloren gehen. Am Ende votierte der Rat bei einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen für die Grundsatzentscheidung.

„Der Bedarf für ein solches Hotel ist da und wir wollen zur Vorgabe machen, dass es einen mit dem jetzigen Saal vergleichbaren Auftrittsort für 500 Gäste hat, damit wir auch künftig kulturelle Veranstaltungen dort anbieten können", erklärte Klaus Rehkämper. In den nächsten drei bis fünf Jahren möchte er die Pläne an der Parkstraße realisieren – jetzt geht es aber erst einmal darum, wie sie umzusetzen sind. „Womöglich schreiben wir einen Investorenwettbewerb aus – im Wesentlichen ist alles eine Finanzierungsfrage." Denkbar sei auch, dass Abriss und Neubau voneinander entkoppelt würden. „Denn wir können so ein Gebäude nicht mehr als zwei Jahre leer stehen lassen", so Rehkämper.

Die BRIG-Kur-Betriebs-GmbH war 1997 die Rettung für das Kurhaus. Nachdem sich der Landkreis schon 1983 aus der Finanzierung zurückgezogen hatte, ächzte die Kur GmbH unter zehn Millionen D-Mark Schulden, es gab einen massiven Investitionsstau, der Abriss drohte. Nach der Privatisierung investierten die Käufer kontinuierlich und schrieben die Geschichte des Kurhauses so für 22 Jahre weiter. Zuletzt war die Verpachtung der drei Einheiten der Immobilie jedoch ein zähes Geschäft geworden, die Gemeinde bereits als Untermieterin eingesprungen.

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