Bielefelds Supermarkt-Parker werden jetzt mit Sensoren überwacht

Manche lassen Knöllchen verteilen, andere versuchen es mit Ermahnungen, drohen mit Abschleppen oder lassen Kulanz walten. Nun gibt es für das Parkplatz-Management von Supermärkten eine neue Variante - von Aldi.

Ansgar Mönter

Die Sensoren auf dem Aldi-Parkplatz sind unter der schwarzen Kappe. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Die Sensoren auf dem Aldi-Parkplatz sind unter der schwarzen Kappe. (© Foto: Andreas Zobe/NW)

Bielefeld. Ein großes Konfliktthema der Zeit ist das Parken. Auch Supermarkt-Parkplätze sind längst Orte des Ärgers geworden. Marktbetreiber klagen über Dauerparker, die Kundenplätze blockieren; Kunden monieren Strafzettel nach dem Einkauf. Jetzt versucht ein Discounter, das Problem mit einem High-Tec-System zu lösen. Aldi hat diese Art Überwachung in Baumheide gestartet.

Auf den ersten Blick sieht der Parkplatz am Aldi-Markt am Rabenhof aus wie jeder andere dieser Asphalt- und Pflaster-Flächen. Doch bei genauerem Hinsehen fallen schwarze Hügelchen aus Kunststoff auf dem Boden jeder einzelnen Parkbucht auf. Darunter befinden sich Sensoren, die reagieren, sobald über ihnen ein Auto abgestellt wird. Damit „beginnt die Zeiterfassung automatisch", erklärt Axel von Schemm von der Aldi-Zentrale in Essen. Abgewickelt wird das über eine Partnerfirma namens „Safe Place".

„Wird rechtzeitig gezahlt, werden die Daten gelöscht"

Eine Fremdfirma regelt die Sache am Nordparkcenter. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Eine Fremdfirma regelt die Sache am Nordparkcenter. (© Foto: Andreas Zobe/NW)

Zwei Stunden hat der Kunde Zeit einzukaufen. „Erst, wenn die Parkzeit überschritten wird, überprüft ein Servicemitarbeiter von Safe Place vor Ort, bringt eine Zahlungsaufforderung am Fahrzeug an und notiert sich das Kennzeichen, zunächst ohne den Halter des Fahrzeugs zu ermitteln", erklärt von Schlemm weiter.

Er versichert, dass vorher keine Daten von den Haltern erfasst werden würden. „Wird die Vertragsstrafe binnen der Frist gezahlt, werden die Daten gelöscht." Erst wenn das nicht geschieht, beginne die Identifikation des Halters.

Der Real-Markt klärt an der Einfahrt auf. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Der Real-Markt klärt an der Einfahrt auf. (© Foto: Andreas Zobe/NW)

Aldi betreibt 18 Märkte in Bielefeld. Das Sensoren-System gibt es bisher nur in Baumheide. Es ist als Service für die Kunden gedacht. „Da der Prozess automatisch abgewickelt wird, müssen unsere Kunden nicht mehr aktiv eine Parkscheibe auslegen. Das bedeutet, auch das Vergessen der Parkscheibe bleibt Dank des Systems ohne Folgen." Axel von Schramm bewertet die bisherigen Erfahrungen als rundum positiv.

"Es gibt schon dreiste Autofahrer"

Der Anlass dieser technischen Überwachung ist allerdings nicht erfreulich. Supermarktbetreiber klagen schon länger über Dauerparker auf ihren Geländen. Deshalb hat der Rewe-Markt im Nordparkcenter vor mehr als drei Jahren eine Fremdfirma mit der Bewirtschaftung der rund 50 Parkbuchten betraut. „fair parken" heißt das Unternehmen, das bei fehlender Parkscheibe Strafzettel verteilt – sehr zum Ärger mancher Kunden. Der Markt mit seinem begrenzten Parkangebot sah sich jedoch durch Parkplatzblockierer dazu gezwungen, sich diese Hilfe zu holen.

Rainer Quermann kann das gut verstehen, wenngleich der Rewe-Markt-Betreiber aus Babenhausen noch vor diesem Schritt zurückschreckt. „Aber es gibt schon dreiste Autofahrer", sagt er.

So habe ein Autoschlosser sein Areal als Abstellfläche benutzt; ebenso unverschämt handelte zuletzt ein Elektroauto-Fahrer, der seinen Oberklassen-Tesla sogar sonntags an eine der Elektroladesäulen des Rewe-Marktes anschloss, die von Quermann als Service für Kunden aus eigener Tasche bezahlt werden. „Ich habe den Fahrer darauf angesprochen, doch der hat sich uneinsichtig gezeigt", empört sich der Markt-Leiter. Mit neu positionierten Hinweisschildern will er sich nun rechtlich auf die Möglichkeit vorbereiten, Autos solcher unverschämten Schnorrer abschleppen zu lassen.

"Wir haben uns mit der Nachbarschaft arrangiert"

Mit dieser Sorte Autofahrern haben Stefan Just vom Combi-Markt an der Luisenstraße und Rainer Westmarkt vom Marktkauf in Gadderbaum ebenso zu tun. Just verteilt immer wieder Parkzettel mit der Bitte an die Halter, ihren Wagen zu entfernen. Immerhin, das klappe einigermaßen, „Wir haben uns mit der Nachbarschaft arrangiert", sagt er.

Noch sieht auch Westmark von strengeren Vorgehensweisen ab, obwohl gerade am Wochenende die Fahrer nerven, die die Marktkauffläche als Park-and-ride-Angebot für den Besuch in der City missverstehen.

Mit Problemen dieser Art hat sich der Real-Markt an der Teutoburger Straße lange herumgeschlagen. Zunächst engagierte der Betreiber den Dienstleister „fair parken". Doch die Knöllchen sorgen für reichlich Ärger bei Kunden, die nur ihre Parkscheibe vergessen hatten. Also kündigte der Real dem Anbieter und kontrolliert seit Anfang 2018 wieder selbst – weiter mit Parkscheibenpflicht, aber auch mit mehr Kulanz.

„Wer außerhalb unserer Öffnungszeiten zwischen 8 Uhr morgens und 22 Uhr abends auf dem Parkplatz parkt, dem droht kein Knöllchen", so Katrin König vom Real-Markt. Für Dauerparker gibt es sogar ein Angebot: Für 35 Euro monatlich kann auf dem Real-Parkdeck dauerhaft geparkt werden.

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