Kostenlose Mahlzeit gefordert: Kritik an schlechtem Schul-Essen in NRW

Ministerin Gebauer kündigt neuen Leitfaden mit Qualitätsstandards an.

Lothar Schmalen

Die Politik in NRW will die Qualität des Schulessens verbessern. - © Pixabay
Die Politik in NRW will die Qualität des Schulessens verbessern. (© Pixabay)

Düsseldorf. Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse, zu wenig Vollkornprodukte – das Essen für Schüler in Ganztagsschulen steht in der Kritik – und das nicht nur bei Ernährungsexperten. In NRW ringt jetzt auch die Politik um eine Verbesserung der Verpflegung von Schülern und Kita-Kindern.

Frischküchen und Qualitätsstandards

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kündigte im Landtag ein Konzept „Essen und Trinken in der Schule" an, das zurzeit vom Schul- und vom Verbraucherschutzministerium erarbeitet werde. Ziel ist ein Handlungsleitfaden für Schulen und Kitas, wie die Ernährung aussehen soll.

Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag geht noch weiter. Sie fordert, die Festschreibung von Qualitätsstandards im NRW-Schulgesetz, in möglichst viele Schulen Frischküchen einzubauen, in Kitas hauswirtschaftliche Fachkräfte beziehungsweise Köchinnen und Köche einzustellen sowie ein kostenloses warmes Mittagessen für jedes Kind, unabhängig von seiner sozialen Herkunft. Mit diesem Antrag an den Landtag wird sich in Kürze der Schulausschuss des Landtags befassen.

Standards bislang nicht verbindlich

Bundesweit wird ein Drittel aller Schüler in den Schulen verpflegt. Der Anteil in den Grundschulen liegt mit etwa 80 Prozent deutlich höher als an den weiterführenden Schulen. Nach einer bundesweiten Erhebung der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg produzieren nur 14 Prozent der Schulen die Mahlzeiten für ihre Schüler in Frischküchen, zwölf Prozent der Schulen bereiten Mahlzeiten aus Tiefkühlkomponenten zu. 16 Prozent verwenden gekühlte Komponenten. Der überwiegende Anteil der Schulen – 49 Prozent – erhält danach verzehrfertige Mahlzeiten.

Es gibt bereits eine von der Landesregierung geförderte „Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung NRW", die Kitas und Schulen in allen Fragen rund um die Ernährung berät. Sie arbeitet auf der Grundlage von Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die vor allem Lebensmittelauswahl, die Mahlzeitengestaltung, die Essatmosphäre und eine Ernährungsbildung für wichtig halten. Doch diese Standards sind bislang nicht verbindlich.

In der Landtagsdebatte wurde bereits deutlich, dass die Regierungsfraktionen von CDU und FDP einer zentralen Festlegung von Qualitätsstandards per Gesetz ablehnend gegenüber stehen. „Wir wollen die Probleme vor Ort lösten und die Eltern nicht aus der Verantwortung entlassen", sagte Franziska Müller-Resch (FDP). In Kürze wird der Landtag sich in einer großen Anhörung von Experten beraten lassen, wie er weiter verfahren soll.

Info

Eigenanteil der Eltern fällt weg


Das neue „Gute Kita-Gesetz" entlastet Eltern in einkommensschwachen Familien. Den bisher anfallenden Eigenanteil von einem Euro entfällt. Das Land NRW brachte übrigens zuletzt 76,7 Millionen Euro an Essenszuschüssen pro Jahr auf.

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