Handball: Namens-Chaos im Internet geht weiter – Lösung ist in Sicht

Umschau: Das neue Onlinesystem des Handballverbands Westfalen zeigt keine Spieler an - noch nicht. In Kürze werden Liveticker und Spielberichte aber wieder die komplette Datenflut liefern

Gregor Winkler

Brakes Zeitnehmer Marcel Tesch (l.) und sein Kollege aus Brockhagen bedienen am ersten Spieltag das neue Spielbetriebssystem. Auf der Internetseite Handball4all wurden die Namen der Spieler noch nicht angezeigt. Das wird sich bald ändern. - © Peter Unger
Brakes Zeitnehmer Marcel Tesch (l.) und sein Kollege aus Brockhagen bedienen am ersten Spieltag das neue Spielbetriebssystem. Auf der Internetseite Handball4all wurden die Namen der Spieler noch nicht angezeigt. Das wird sich bald ändern. (© Peter Unger)

Bielefeld. Manche Trainer waren perfekt vorbereitet - oder sie hatten nie "Old-School" verlernt. Torschützen? "Kein Problem, die kann ich dir aufsagen", kam es beispielsweise von EGB-Frauencoach Peter Boll wie aus der Pistole geschossen. Die Strichliste parat, hatten Übungsleiter der Marke Boll keine Schwierigkeiten, der Presse die Torschützen des ersten Spieltags zu übermitteln. Andere nutzten souverän die moderne Technik, machten mit dem Handy ein Foto des Spielberichts und übermittelten es per Mail oder WhatsApp.

Die Presse, aber auch Fans oder Späher der Konkurrenz waren in den vergangenen Jahren vom immer besser werdenden Online-Angebot verwöhnt worden. Liveticker zeigten in Echtzeit Spielverläufe und Torschützen an. Der Fortschritt in Sachen Online-Information lief bis zu dem Tag reibungslos, an dem aufgrund skurriler Datenschutzverordnungen sämtliche Vornamen gelöscht wurden. Von jetzt auf gleich war es vorbei mit dem schnellen Klick in die uneingeschränkte Datenwelt.

"N.N." statt Torschützen

Der Westfälische Handballverband wollte es wieder besser machen und brachte in Rekordzeit seine neue Onlineplattform auf den Weg. Am vergangenen Wochenende war es also soweit. Flächendeckend ging Handball4all auf Sendung - ist ab sofort das offizielle Portal für den westfälischen Handball. Vieles fällt positiv auf: Aggressive und störend eingeblendete Werbung, wie zuletzt bei sis-handball, fehlt. Zudem gibt es übersichtliche Darstellungen der Spieltage. Auch die Bedienung ist benutzerfreundlich gestaltet.

Nur in der großen (Daten)-Frage bleibt auch die neue Plattform zunächst eine Antwort schuldig. Zwar laufen die Liveticker und es werden zeitnah Spielberichte eingeblendet, statt der Namen finden sich hinter der Trikotnummer aber nur N.N. in den Listen. Überall. Heißt: Der erste Spieltag lief wie beschrieben "Old-School", also mit antik-telefonischer oder sonstiger kreativer Übermittlung der Torschützen - oder eben gar nicht.

Ziemlich viele N's: Ein Spielbericht des ersten Spieltags sagte über die Aufstellung der Teams nicht viel aus. - © Gregor Winkler
Ziemlich viele N's: Ein Spielbericht des ersten Spieltags sagte über die Aufstellung der Teams nicht viel aus. (© Gregor Winkler)

Bleibt der Handball also doch in der informationselektronischen Steinzeit stecken? "Nein", beschwichtigt Andreas Tiemann vom Handballverband Westfalen (HVW). "Wir haben tatsächlich alle technischen Voraussetzungen in der sehr kurzen Übergangszeit geschaffen", erklärt der Vizepräsident nicht ohne Stolz. Es gebe noch ein Problem an der Schnittstelle zwischen der Pass-Datenbank (ein anderes System) und handball4all. "Darum haben wir das System mit den Namen noch nicht freigeschaltet und es erscheinen auch die Namen noch nicht, die sich bereits registriert haben."

Jeder Spieler muss sich registrieren

Registrieren muss sich jeder einzelne Spieler, um so seine Zustimmung zur Nutzung seiner persönlichen Daten zu erklären. Das geht über die Homepage des HVW. "Dazu geben wir in Kürze auch nochmal eine Information an die Klubs raus. Wir sind dann der Verband, der alle Datenschutzrichtlinien komplett erfüllt ", sagt Tiemann. Gegen Ende des Monats, so zeigt sich der Spieltechnikleiter optimistisch, werde alles laufen und frei geschaltet. Rechtlich ist das neue System bereits von einem Fachanwalt abgenickt worden.

Der erste komplette Spieltag mit dem neuen System - er hatte also Licht und Schatten. "Einmal ist alles abgestürzt, aber das Programm baut sich dann von selbst komplett wieder auf. Auch das ist ein Vorteil", sagt Tiemann.

Ein wenig Gewöhnungszeit an das neue System wird es künftig noch geben. So verpassten etwa die Schiedsrichter der Frauen-Bezirksliga-Partie Bockhorst gegen die HSG EGB, ihre Absage rechtzeitig online einzugeben. Da war Peter Boll - richtig, der mit der guten alten Strichliste - natürlich gleich mal bedient. Immerhin gab es einen Ersatzreferee, der laut Boll seine Sache gut machte. Der wurde allerdings nicht übers Internet gesucht, sondern fand sich einfach nach kurzer, manueller Suche in der Halle - ganz "Old-School" eben. Das beherrschen Boll und die meisten seiner Trainerkollegen ja in jedem Fall.

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