Warum Feuerwehr und Polizei in NRW stärker auf Drohnen setzen wollen

Wie Drohnen bei der Brandbekämpfung und Strafverfolgung helfen können. Gleichzeitig rüstet sich die Polizei für den Einsatz gegen Drohnenangriffe.

Lothar Schmalen

Immer flugbereit: Drohnen könnten Feuerwehr und Polizei unterstützen. - © pixabay
Immer flugbereit: Drohnen könnten Feuerwehr und Polizei unterstützen. (© pixabay)

Düsseldorf. Unbemannte Flugobjekte werden künftig bei Polizei und Feuerwehr eine große Rolle spielen. Bei der Brandbekämpfung können die Drohnen viel schneller am Einsatzort sein und der Einsatzzentrale erste wichtige Informationen geben. Und der Polizei können sie bei der Suche nach Verbrechern oder deren Opfer sowie bei unübersichtlichen Einsatzlagen helfen.

Die Tür zu dieser Zukunft aufstoßen soll eine Kooperation zwischen den NRW-Sicherheitsbehörden und dem Kölner Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Im Düsseldorfer Landeskriminalamt demonstrierten Experten von Polizei, Feuerwehr und Forschungszentrum, was jetzt und was künftig möglich ist.

Wie ein großes Modellflugzeug

Deutschlands erste Drohne zur Brandbekämpfung gehört der Duisburger Feuerwehr. Dabei sieht sie gar nicht aus wie eine Drohne, sondern eher wie ein großes Modellflugzeug.

Mit einer vom Luft- und Raumfahrtzentrum entwickelten Spezialkamera an Bord kann sie unmittelbar nach der Alarmauslösung mit bis zu 120 Stundenkilometer durch die Luft zum Brandort fliegen und die Einsatzzentrale mit wichtigen ersten Informationen über die Lage am Einsatzort versorgen, ehe das erste Einsatzfahrzeug vor Ort eingetroffen ist.

Wie Ralf Berger vom DLR erläuterte, wird das 14 Kilogramm schwere und 60.000 Euro teure Flugobjekt mit einer Spannbreite von drei Metern und zwei Metern Länge nach einer Test- und Entwicklungsphase ab Ende 2020 im ständigen Einsatz sein.

Duisburg ist bewusst als Testgebiet gewählt worden

In einem zweiten Schritt könnte sie sogar für lasergestützte Schadstoffmessungen im Brandrauch ausgerüstet werden, so Duisburgs Feuerwehrchef Oliver Tittmann.

Bis zum Regeleinsatz müssen noch luftrechtliche Fragen geklärt werden. Was ist mit anderen Flugobjekten oder Unfallgefahren? Gibt es Höhenbeschränkungen oder Bereiche, in denen die Feuerwehr-Drohnen nicht fliegen dürfen?

Duisburg übrigens wurde für das Projekt ausgewählt, weil die Großstadt im Ruhrgebiet mit ihrem unübersichtlichen Gebiet von Europas größtem Binnenhafen, dem Rhein und einem verzweigten Autobahnkreuz (Kaiserberg) ein breites Spektrum von Feuerwehr-Einsätzen aufweist.

Störsender sollen gegen Drohnenangriffe schützen

Die technische Aufrüstung mit Drohnen eröffnet auch der Polizei neue Möglichkeiten. Drohnen könnten nicht nur autonom Bilder von Tatorten, Verkehrslagen und anderen Einsatzgebieten liefern, sondern auch die Personensuche erleichtern.

Der Drohnen-Alarm bei einem Auftritt von Bundeskanzlerin Merkel in Dresden 2013 hat aber auch dazu geführt, dass sich die Polizei für den Schutz vor Drohnenangriffen rüstet.

Erstmals zeigte die Polizei ihr Waffenarsenal zur Bekämpfung von Drohnen. Polizeihauptkommissar Sascha Berndsen präsentierte zum Beispiel einen schultergestützten Störsender, mit dem fremde Drohnen angepeilt werden und außer Gefecht gesetzt werden können. Er sieht aus wie eine Kanone.

Reul: "Es geht hier nicht um Science-Fiction"

Oder eine Pistole, mit der ein Netz ausgeworfen werden kann, das sich in den Rotoren des anvisierten Quadrokopters verfängt und ihn so zum Absturz bringen kann. „Natürlich nur, wenn der Absturz niemanden gefährdet", so Berndsen.

Innenminister Herbert Reul (CDU), der auch wegen der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags zwischen dem Innenministerium und dem DLR ins Landeskriminalamt gekommen war, gefiel die technische Demonstration.

„Es geht hier nicht um Science-Fiction. Ich will nicht zum Mond – auch wenn sich manche das vielleicht wünschen", witzelte der zurzeit politisch unter Druck stehende Minister. Um dann ironisch in Anlehnung an Neil Armstrong hinzuzufügen: „Eine kleiner Schritt für mich, aber ein großer Schritt für Nordrhein-Westfalen."

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