Deshalb ist die A 2 die gefährlichste Strecke in OWL

In den jüngsten Wochen häuften sich die Karambolagen auf der Autobahn. Zwei Todesopfer sind zu beklagen. Die Polizei sieht unterschiedliche Ursachen.

Matthias Bungeroth

Immer wieder kommt es auf der A2 in Ostwestfalen-Lippe zu schweren Unfällen. - © Andreas Eickhoff
Immer wieder kommt es auf der A2 in Ostwestfalen-Lippe zu schweren Unfällen. (© Andreas Eickhoff)

Bielefeld. Die Serie reißt nicht ab: erneut hat es am Freitag auf der A 2 zwischen den Anschlussstellen Ostwestfalen-Lippe und Bielefeld-Süd einen Unfall gegeben. Autofahrer müssen mehr als 50 Minuten zusätzlich einplanen, der Verkehr staut sich auf acht Kilometern. Doch warum kracht es so oft auf der A 2 in OWL?

Sie ist mit bis zu 100.000 Fahrzeugen pro Tag die am stärksten befahrene Fernstraße in Ostwestfalen-Lippe, die Autobahn 2. Jüngst gab es dort eine Serie teils schwerer Verkehrsunfälle. Zwei Menschen kamen in den vergangenen drei Monaten bei Verkehrsunfällen ums Leben. Viele weitere wurden schwer oder leicht verletzt. Häufig sind Lkw an dem Unfallgeschehen beteiligt.

Diese Altersgruppe greift besonders oft zum Smartphone

„Das Thema Ablenkung und Übermüdung ist Realität", sagt Ralf Collatz, Sprecher des ADAC in Ostwestfalen-Lippe. Zwar gibt es zu dieser Unfallursachen keine offiziellen Zahlen. Doch nach einer Erhebung der Hochschule OWL, die von der Polizei in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht wurde, stellt dieses Verhalten eine immer größere Unfallgefahr dar.

Danach benutzen 55 Prozent aller Autofahrer ihr Smartphone regelmäßig am Steuer, „bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar erschreckende 85 Prozent", wie es im Bericht der Polizei NRW heißt. 2018 ahndete die NRW-Polizei insgesamt knapp 167.000 Handy-Verstöße (2017: 157.000).

Bei dieser Geschwindigkeit wird es "höchst gefährlich"

Auch Rainer Stodt, Chef der Autobahnpolizei in Ostwestfalen-Lippe, zählt Ablenkung auf der A 2 zu den Hauptunfallursachen. Hinzu kommen ein zu geringer Sicherheitsabstand und nicht angepasste Geschwindigkeit. „Es gibt nicht ohne Grund die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h", rät Stodt. Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h-Marke zu fahren, sei „höchst gefährlich".

Viele Unfälle gehen nach Beobachtung der Autobahnpolizei auch darauf zurück, dass beim Fahrstreifenwechsel nicht ausreichend auf den nachfolgenden Verkehr geachtet werde. Auf den OWL-Autobahnen stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2018 um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2.336. Um 8,8 Prozent nahm die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden zu (271) Acht Menschen kamen ums Leben (2017: 4). Lkw waren im Vergleich zu ihrem Anteil am Gesamtverkehr (32,6 Prozent) überproportional häufig (41,2) an Unfällen mit Getöteten und Schwerverletzten beteiligt.

Für Pkw-Fahrer gibt es ein besonderes Risiko

Rund 50 Unfälle pro Jahr nehmen Uwe Hagemann, Sachverständiger der DEKRA Bielefeld, und seine Kollegen jedes Jahr auf, viele davon auf der Autobahn 2. „Die Vehemenz der Unfälle fällt auf", berichtet Hagemann. Das Verhältnis von Geschwindigkeit zum Sicherheitsabstand sei gerade bei Nutzfahrzeugen oft „kritisch". Die Dichte des Schwerlastverkehrs habe etwas mit der Unfallhäufigkeit zu tun. „Die Pkw-Insassen sind dann einem großen Risiko ausgesetzt."

Info
Laut Polizei gibt es eine Formel, die die Bedeutung von Ablenkung im Straßenverkehr umschreibt.

Wer mit einem Tempo von 50 km/h auf der Straße unterwegs ist, der legt innerhalb von einer Sekunde etwa 14 Meter im Blindflug zurück.

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