Legionellen in Bielefelder Altenheim - Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf

Stefan Becker

Symbolfoto - © CC0 Pixabay
Symbolfoto (© CC0 Pixabay)

Bielefeld. Nach Bekanntwerden der beiden Todesfälle durch Legionellen im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Baumheide ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Wie Staatsanwalt Christoph Mackel bestätigt, wurde aufgrund der Berichterstattung ein Todesfallermittlungsverfahren eingeleitet.

Das Kriminalkommissariat 11 der Polizei hat in der Sache seine Arbeit aufgenommen. Laut Mackel wird geprüft, ob noch Obduktionen vorgenommen werden müssen.

Das Seniorenzentrum präsentiert sich äußerlich als Idylle für alternde und pflegebedürftige Menschen. Am nördlichen Stadtrand von Bielefeld gelegen, wirkt das Haus mit den rund 100 Plätzen, seinen sonnigen Terrassen und lichten Räumen wie eine Oase der Ruhe.

Widerspruch zwischen Gesundheitsamt und Heimleitung

Dieser Eindruck aber täuscht, denn Mitarbeiter der Einrichtung formulieren schwere Anschuldigungen gegen ihren Arbeitgeber: „Mindestens zwei Menschen sind im Seniorenzentrum der AWO an Legionellen gestorben", schreiben die Verfasser eines anonymen Briefes. In einer Stellungnahme reagiert AWO-Sprecherin Berit Peek auf die Vorwürfe: „Richtig ist, dass eine unserer Beschäftigten an Legionellose verstorben ist. Diese Tatsache macht uns sehr traurig, und unser Mitgefühl gilt weiterhin den Angehörigen, mit denen wir in Kontakt stehen", heißt es in der Mitteilung.

"Eine weitere erkrankte Mitarbeiterin befindet sich auf dem Wege der Besserung, worüber wir sehr froh sind. Ob ein in zeitlichem Zusammenhang stehender Todesfall eines Bewohners mit dem Legionellenbefall in Verbindung steht, ist ungeklärt", schreibt die AWO weiter.

Mitarbeiter wurden mehrfach informiert

Diese Aussage steht allerdings im Widerspruch zu den Angaben des Gesundheitsamtes. Dort seien im Juli zwei Meldungen von Patienten eingegangen, die sich in dem Heim infiziert hätten und im Verlauf der Erkrankung verstorben seien.

In ihrer Stellungnahme führt die AWO weiter aus, was sie seit dem Ausnahmezustand zur Sicherheit aller Beteiligten im Altenheim veranlasst hat: Die Mitarbeiter seien in E-Mails, Dienstgesprächen und Beschäftigtenversammlungen informiert worden, für Angehörige habe es eigene Versammlungen gegeben, denen auch die Betriebsärztin der AWO OWL beigewohnt habe.

Urintests zur Diagnose

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Allen Beschäftigten wurde angeboten, Urintests zur Diagnose weiterer Erkrankungen, die es nicht mehr gegeben hat, im Seniorenzentrum durchzuführen. Davon haben viele Beschäftigte auch Gebrauch gemacht. Zudem wurden Gespräche zur psychischen Begleitung für die Beschäftigten angeboten."

In der Vergangenheit kam es zuletzt 2015 zu einer tödlichen Infektionen mit Legionellen. Damals starb der 69-jährige Bewohner einer Anlage des Brackweder Diakonie-Verbandes.

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