Diese Orte in der Bielefelder City sollen autofrei werden

Mobilität: Die SPD will den Durchgangsverkehr aus der City holen. Betroffen sind vor allem Pendler. Es gibt aber Alternativen

Ariane Mönikes

Die SPD strebt eine autofreie Innenstadt an. - © Andreas Frücht
Die SPD strebt eine autofreie Innenstadt an. (© Andreas Frücht)

Bielefeld. Die Bielefelder Innenstadt könnte zur Sperrzone für Autos werden: Die SPD zumindest will den Durchgangsverkehr aus der City verbannen.

So wurde es auf einem außerordentlichen Parteitag der SPD mit großer Mehrheit beschlossen. Der Vorstand hatte ein entsprechendes Konzept eingebracht - und vorher mit Bürgern gemeinsam Ideen gesammelt.

Größte Veränderungen für Altstadt

Wie genau die autofreie Innenstadt aussehen soll, darüber müsse man sich jetzt Gedanken machen. Fest steht: Einen Zirkel um den Jahnplatz zu ziehen, mache wenig Sinn, sagt Björn Klaus, Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion. Man müsse die Innenstadt ganz genau betrachten. Größte Veränderungen wird es aber wohl für das Altstadt-Hufeisen geben. Für Anwohner und Handwerker soll sich nichts ändern, für den Durchgangsverkehr aber schon, erklärt die Bielefelder SPD-Vorsitzende Wiebke Esdar.

"Wollen die Innenstadt nicht lahmlegen"

Pendler, die in die Innenstadt wollen, müssten sich darauf einstellen, "Park and Ride"-Parkplätze oder Parkhäuser in Randlagen zu nutzen, sagt Klaus. Vor allem die "Park and Ride"-Parkplätze müssten dringend ausgebaut werden. Die Innenstadt lahmzulegen, sei aber nicht das Ziel.

Haben auf dem Außerordentlichen Parteitag der SPD Bielefeld über Mobilität gesprochen: Wiebke Esdar, Björn Klaus, Sven Frischemeier und Oberbürgermeister Pit Clausen (von links). - © Dennis Angenendt
Haben auf dem Außerordentlichen Parteitag der SPD Bielefeld über Mobilität gesprochen: Wiebke Esdar, Björn Klaus, Sven Frischemeier und Oberbürgermeister Pit Clausen (von links). (© Dennis Angenendt)

Die SPD will mit ihrem Mobilitätskonzept in den Kommunalwahlkampf ziehen. Vier Themenschwerpunkte haben sich die Sozialdemokraten gesetzt: Wohnen, Bildung und Quartiersentwicklung, Mobilität war jetzt der Startschuss. Auch zu den anderen Themen wird es Parteitage geben, bis ihr "Bielefeld-Plan" 2020 vorliegt.

Angebote müssten her

"Mobilitätswandel klingt immer wie ein grünes Thema", sagt Ratsherr und Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss Sven Frischemeier, der das Mobilitätskonzept gemeinsam mit Klaus hauptsächlich erarbeitet hat. Es sei aber auch ein soziales Thema. Kinder und Jugendliche, ältere Menschen oder diejenigen mit geringem Einkommen könnten nicht mal eben mit dem SUV bis vor den Supermarkt fahren. "Da muss die Stadt gute Angebote machen und sich kümmern", sagt Frischemeier.

Diese Orte sind betroffen

Auch wenn es Debatten gebe, der Einzelhandel gehe pleite - Fußgängerzonen hätten den Einzelhandel erst gestärkt, sagt er. "Wir gehen nicht wirtschaftsfeindlich, sondern wirtschaftsförderlich vor." In Zeiten des Internethandels müssten Innenstädte attraktiv sein, um anzulocken und zum Einkaufen einzuladen." Die Handwerkerin mit ihrem Bulli könne auch weiterhin in die Stadt fahren.

"Wenn wir es schaffen, durch bessere Angebote die Zahl der Autos zu reduzieren, hilft das auch ihr, zügig an ihre Arbeitsstelle zu kommen." Sicher ist: Die Straßen rund um den Emil-Groß-Platz, den Klosterplatz und den Süsterplatz wird es wohl treffen. Genauso einige Straßen, die zum Kesselbrink führen, wie die Wilhelmstraße.

Auch Leute aus dem Umland sollen einbezogen werden

Björn Klaus weiß, es müssten jetzt dicke Bretter gebohrt werden. "Es hat aber in der letzten Zeit schon ein Umdenken in Bielefeld stattgefunden", sagt er. "Wir fangen nicht bei Null an, wir sind schon mitten drin in der Mobilitätswende." Das Thema gehe im Übrigen nicht nur Bielefelder an, auch Leute aus dem Umland sollen mitgenommen werden, findet Klaus. "Mobilität endet nicht an der Stadtgrenze."

Diskutiert wird bei der SPD im Zuge der Mobilitäts-Debatte auch der Ausbau des Stadtbahn-Netzes: Sie setzt auf den Ausbau der Linie 1 nach Sennestadt. "Da wünschen wir uns deutlich mehr Tempo", sagt Frischemeier. Bei den Plänen zur Verlängerung der Stadtbahn nach Hillegossen halten die Sozialdemokraten wegen der bald entwickelten Kasernenflächen an der Detmolder Straße eine Verlängerung der Linie 2 über die Detmolder Straße für die beste Variante, und eben nicht über Grünflächen.

Stadtbahn-Ausbau nach Heepen?

Aber auch eine Verlängerung der Linie 3 nach Jöllenbeck und Theesen ist ein erklärtes Ziel sowie der Lückenschluss der Linie 4 mit der Linie 3 in Babenhausen. Langfristig, so Frischemeier, wolle man weiterhin die Linie 5 nach Heepen unterstützen. "Die Bürger hatten die Linie 5 2014 zwar mit knapper Mehrheit abgelehnt, die Karten wurden inzwischen aber neu gemischt", sagt er.

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