Schluss mit Krawatte? Sparkasse Gütersloh-Rietberg lockert Dresscode

Bei der Volksbank sieht man das mancherorts noch ganz anders - aber sind Krawatte, Bluse und Co. wirklich ein Ausdruck von Seriosiät?

Anja Hustert

Die Krawattenpflicht bei der Steinhagener Volksbank bleibt, bei der Sparkasse Rietberg-Gütersloh geht man mit dem Thema anders um. - © CCO Pixabay
Die Krawattenpflicht bei der Steinhagener Volksbank bleibt, bei der Sparkasse Rietberg-Gütersloh geht man mit dem Thema anders um. (© CCO Pixabay)

Kreis Gütersloh. Dunkelgrauer Anzug, Krawatte, schickes blaues Kostüm – die Banken sind die Bastion der klassischen Business-Kleidung. Doch die Front bröckelt – die Sparkasse Gütersloh-Rietberg will die Krawatte nun teilweise an den Nagel hängen. „Immer mehr Banken und Sparkassen entscheiden sich dazu, ihren Dresscode zu lockern. In den letzten Jahren war das in unserem Haus noch undenkbar, doch wir wollen nun mit gutem Beispiel vorangehen und einfach zeitgemäßer, moderner und frischer auftreten", sagt Kay Klingsieck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gütersloh-Rietberg.

Der Trend, der gerade in der Wirtschaft oder auch durch die StartUp-Unternehmen, die die Krawattenpflicht gar nicht kennen, mehr und mehr gelebt wird, hält nun auch in Sparkassen Einzug. Vorreiter war bereits vor einigen Jahren die Hamburger Sparkasse, größte Sparkasse in Deutschland und damals quasi noch Exot bei dieser Entscheidung. Heute finden sich auf der Sparkassenlandkarte mehr und mehr Häuser, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine lockerere Kleidung, nicht nur bei hochsommerlichen Temperaturen, erlauben.

"Vertrauen und Seriosität sind nicht an eine Krawattenpflicht gebunden"

Kay Klingsieck: „Wir wollen unseren Kunden auf Augenhöhe begegnen. Vertrauen und Seriosität sind nicht an eine Krawattenpflicht gebunden, sondern gehen vom Menschen aus." Der gelockerte Kleidungsstil von Business bis zu Business Casual habe sich mittlerweile im öffentlichen Leben etabliert, dem folge nun auch die Sparkasse.

Daniel Engbert, Nicola Hermjohannknecht, Kay Klingsieck und Sandra Hoffmann im neuen Sparkassengewand. - © Blomberg
Daniel Engbert, Nicola Hermjohannknecht, Kay Klingsieck und Sandra Hoffmann im neuen Sparkassengewand. (© Blomberg)

In einem Flyer erläutert der Vorstand den Sparkassen- Mitarbeitern, wie er sich das zukünftige Outfit vorstellt – „branchenüblich, aber dennoch modern". „Ein Outfit, das sowohl partnerschaftliche Nähe als auch Kompetenz ausstrahlt." Wie der neue Stil aussehen soll, und wie die Mitarbeiter ihre bisherige Kleidung dem neuen Stil anpassen können, wird anhand von Fotos beschrieben. Klingsieck: „Und wenn der Anlass passt oder eine Kollegin oder ein Kollege es möchte, darf natürlich auch zum Kostüm und Tuch oder zum Anzug und Krawatte gegriffen werden."

Gibt's noch Vorbehalten gegen einen gelockerten Dresscode?

Für die Kreissparkasse Wiedenbrück ist die Anpassung des Dresscodes laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Johannes Hüser aktuell kein Thema. „Auch wenn „Business Casual" sicherlich gewisse Vorzüge hat, haben einige Kunden auch Vorbehalte gegen einen gelockerten Dresscode", meint er. „Denn auch für viele unserer Kundinnen und Kunden ist heute noch der Anzug und die Krawatte Ausdruck von Seriosität."

Auch bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, zu der die Steinhagener Filiale gehört, gelten Anzug und Krawatte derzeit noch als ein Ausdruck von Seriosität gegenüber den Kunden. „Ob jung oder alt – die Kunden sollen maximales Vertrauen haben", sagt Sprecher Dennis Will. Viele Mitarbeiter würden sogar weiterhin auf die Krawatte bestehen. „Gerade im Geschäft mit vermögenden Privatkunden oder Firmenkunden tragen viele Mitarbeiter noch immer Krawatte."

Aber gerade bei heißen Temperaturen werde hier auch hin und wieder mal die Krawatte weggelassen.

Will: „Wir wollen unseren Kunden stets auf Augenhöhe begegnen. Ein faires Miteinander ist uns wichtig. Ob mit oder ohne Krawatte, Hosenanzug oder andere Outfits spielen eine nebensächliche Rolle. Der Kunde soll sich ernst und vor allem gut beraten fühlen."

In Bielefeld stimmen Mitarbeiter im Team ab, was sie wann anziehen - via Whatsapp

Einen ganz anderen Dresscode verfolgt die Volksbank in ihrer neugebauten Lobby am Kesselbrink in Bielefeld und in der Bankery – hier stimmen die Mitarbeiter im Team ihre Kleidung ab.

In Kooperation mit dem Modehaus Klingenthal in Gütersloh wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor der Neueröffnung der Bielefelder Hauptstelle in einem organisiertem Kleidungsworkshop beraten, berichtet Dennis Will. Gemeinsam wurden Kleidungsrichtlinien im Rahmen des definierten Kleidungsstils „Casual Chic" erarbeitet. Anschließend erfolgte ein begleitetes Einkaufen mit Klingenthal um einheitliche und schön aufeinander abgestimmte Outfits zu finden. „Die Kolleginnen stimmen sich per Whatsapp über den Farbschwerpunkt des nächsten Tages ab", erzählt Dennis Will.

Bei Klingenthal gibt man den Bank-Mitarbeitern gerne Hilfestellung beim Zusammenstellen eines passendes Outfits. „Wir machen das gerne ", sagt die Gütersloher Geschäftsleiterin Heike Pollmann. Auch andere Unternehmen und Vereine würden gerne Abendveranstaltungen zu Mode, Farb- und Typberatungen buchen.

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