IG Metall verteilt Flugblätter an Miele-Mitarbeiter in Gütersloh

Die Gewerkschaft versorgt die Miele-Mitarbeiter der Frühschicht an allen deutschen Standorten am Dienstag mit Informationen - die McKinsey-Analyse macht viele Beschäftigte nervös

Ludger Osterkamp

Die Belegschaft von Miele ist derzeit verunsichert - wie geht es in Bielefeld und Gütersloh weiter? - © ANDREAS FRUECHT
Die Belegschaft von Miele ist derzeit verunsichert - wie geht es in Bielefeld und Gütersloh weiter? (© ANDREAS FRUECHT)

Gütersloh. Der Ton bei Miele wird rauer. Die Gewerkschaft IG Metall hat für Dienstagmorgen einen Aktionstag an allen deutschen Standorten angekündigt. Die Gewerkschafter und Betriebsräte haben vor, an die Beschäftigten vor Schichtbeginn Flugblätter zu verteilen und mit ihnen das Gespräch zu suchen.

„Es wird Zeit, den Kampf aufzunehmen", sagte Thomas Wamsler, Geschäftsführer und designierter 1. Bevollmächtigter der IG Metall Gütersloh-Oelde. Wamsler kündigte an, sich am Stammwerk in Gütersloh mit den Betriebsräten und Vertrauensleuten vor einige Werktore entlang der Carl-Miele-Straße zu stellen „und den Beschäftigten klar zu machen, welche Entwicklung da auf sie zukommen könnte."

Ende des Jahres schließt das Dienstleistungszentrum in München

Gleiches geschehe in Bielefeld und zeitgleich an allen anderen Standorten in Deutschland. In Bielefeld will man an die Mitarbeiter Brezeln verteilen, um an das Schicksal der Kollegen in München zu erinnern: Dort wird Miele sein Dienstleistungszentrum – wie 2014 angekündigt – Ende des Jahres schließen. Knapp 60 Mitarbeiter sind betroffen. Vor zwei Wochen war ein Teil von ihnen demonstrierend auf die Straße gezogen, doch die Geschäftsleitung will an den Plänen festhalten und zu einer Vereinbarung über einen Sozialplan kommen. Seine anderen Vertriebszentren hatte Miele Bereits 2015 aufgegeben.

Die Miele-Beschäftigten, so die IG Metall, seien derzeit sehr verunsichert. Wesentlicher Grund sei das Einschalten der Unternehmensberatung McKinsey und deren Vorgabe, deutlich mehr als 100 Millionen Euro an Einsparungspotenzial pro Jahr zu identifizieren. „Die Unternehmensberater durchleuchten unsere Bücher, aber sie sagen uns nicht, was Sache ist", schimpfte Ute Herkströter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Bielefeld.

Was bist du für Miele?

Die Gewerkschaft kämpfe daher dafür, „dass die Menschen, die die Gewinne ermöglichen, wieder in den Mittelpunkt gestellt werden." Bei dem Aktionstag werde laut Wamsler auch eine Befragung vorgenommen. Die Beschäftigten sollen Antworten darauf geben, was sie glaubten, für Miele zu sein.

Mit ersten Ergebnissen von McKinsey wird in Kürze, womöglich noch im Laufe dieses Monats gerechnet. Wie es heißt, sei die Analyse-Phase im wesentlichen abgeschlossen und die obere Management-Ebene bereits über erste Vorschläge informiert worden. Demnach könnten auch im Gütersloher Gerätefertigungswerk (GTG) Bereiche identifiziert worden sein, die einen nicht unerheblichen Beitrag zur Einsparung zu leisten hätten.

Rundbrief an 11.300 Mitarbeiter

2.300 Menschen sind in dem GTG beschäftigt, neben der Vorfertigung und der Montage auch in Bereichen wie interner Logistik und Dienstleistung. Dem Vernehmen nach plant die Geschäftsleitung, im Laufe dieser Woche eine erste allgemeine Information an die Belegschaft zu geben. Ende Januar hatte sie in einem Rundbrief an die 11.300 Mitarbeiter an allen deutschen Standorten bereits einen sofortigen und grundsätzlichen Einstellungsstopp verkündet. Zudem wandelt man befristete Verträge nicht mehr in unbefristete um. Miele begründet die Schritte mit der abflauenden Konjunktur bei gleichzeitig steigenden Kosten.

In dem vierseitigen Flugblatt „miele-tarifnews", das die Gewerkschaft heute verteilt, werden Stimmen aus der Tarifkommission wiedergegeben die am 4. Februar getagt hat. Die IG Metall fordert die Unternehmensführung auf, Perspektiven zu schaffen. „Wir wollen Miele in eine sichere Zukunft helfen", so Wamsler. „Wir wollen, nicht nur über einzelne Standorte reden, sondern über Miele in Deutschland als Ganzes. Wir wollen keine Standorte und keine Beschäftigten gegeneinander ausspielen." Erneut drängte er auf den Abschluss eines Standortsicherungstarifvertrages.

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