Messerstecher hörte Stimmen bei Attacke im Gütersloher Kreishaus

Nils Middelhauve

Abgeführt: Beamte des zur Verstärkung zum Kreishaus hinzugerufenen Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei haben den 28–jährigen Gütersloher festgenommen. - © Patrick Menzel
Abgeführt: Beamte des zur Verstärkung zum Kreishaus hinzugerufenen Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei haben den 28–jährigen Gütersloher festgenommen. (© Patrick Menzel)

Gütersloh/Bielefeld. Der Schock saß tief bei den Beschäftigten des Kreishauses: Am 14. März hatte ein 28-jähriger Mann zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamts mit einem Messer angegriffen und verletzt. Seit Freitag, 29. September, muss sich der Gütersloher Alexander K. wegen des Verdachts des versuchten Mords sowie gefährlicher Körperverletzung vor dem Bielefelder Landgericht verantworten.

Strafrechtlich wird K. voraussichtlich nicht zur Verantwortung gezogen: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der psychisch kranke K. zur Tatzeit aufgrund einer paranoiden Schizophrenie nicht steuerungsfähig war. Nun soll er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

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„Das ist mit meiner Psychose voll außer Kontrolle geraten", sagte Alexander K. in der Sitzung der X. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts. Freimütig berichtete er davon, dass er zu jener Zeit regelmäßig Cannabis konsumiert habe: „Das hat sicherlich auch eine Rolle gespielt." Seine Fantasie habe dann verrückt gespielt: „Ich habe dämonische Stimmen gehört, die mir sagten, dass W. denke, ich sei Jesus und dass dieser mich deswegen ans Kreuz nageln wolle. Ich müsse ihm nun zeigen, dass ich nicht so gut wie Jesus sei."

Das Opfer hatte schon vorher "ein ungutes Gefühl"

Bei dem angesprochenen W. handelt es sich um einen 51-jährigen Mitarbeiter des Gesundheitsamts. Diesen suchte Alexander K. am 13. März dieses Jahres zur Mittagszeit – ohne einen Termin vereinbart zu haben – im Kreishaus auf. Der Sachbearbeiter, dem K. bekannt war, holte seinen Abteilungsleiter hinzu. Nach einem Sechs-Augen-Gespräch verließ K. das Gebäude kurzzeitig wieder. „Da hatte ich allerdings bereits ein ungutes Gefühl", sagte W. in seiner Zeugenaussage.

Das Gefühl täuschte nicht: Wenig später betrat K. ohne anzuklopfen das Büro des Sachbearbeiters und ging sofort mit einem Messer auf diesen los. Als der Vorgesetzte des Angegriffenen durch die Schreie aus dem Büro auf das Geschehen aufmerksam wurde, eilte er zur Hilfe. Doch wurde auch er von K. angegriffen und mit dem Messer am Kopf verletzt.

Milan Bogunovic, ein Besucher des Kreishauses, wurde ebenfalls durch den Lärm aufgeschreckt und kam hinzu. Der Mittvierziger lenkte den Angreifer ab, die verletzten Mitarbeiter konnten fliehen. Sodann verließ auch Bogunovic das Büro und hielt die Tür von außen zu. Der schwer verletzte W. wurde ins Krankenhaus gebracht, akute Lebensgefahr bestand glücklicherweise nicht.

Angeklagter soll Betreuer 2016 gewürgt haben

Alexander K. verbarrikadierte sich im Anschluss im Büro, indem er Möbel vor die Tür stellte. Speziell geschulte SEK-Mitglieder redeten durch die Tür auf ihn ein. Gegen 17.30 Uhr ließ sich K. schließlich widerstandslos festnehmen.

Dies ist jedoch nicht der einzige Vorfall, dessentwegen sich K. nun vor Gericht verantworten muss: Bereits im November 2016 soll er seinen früheren Betreuer in den Räumen der Diakonie angegriffen und gewürgt haben. Im Anschluss soll er in eine Spielhalle, in der er schließlich von der Polizei festgenommen wurde, gegangen sein. Dabei soll er eine Schreckschusspistole bei sich geführt haben.

Vor Gericht räumte K. ein, an jenem Tag im besagten Büro in der Diakonie gewesen zu sein: „Ich fühlte mich in meiner Psychose verfolgt. Ich dachte, es seien Kameras in meinem Kopf." Er habe sodann seinen früheren Betreuer in dessen Büro aufgesucht, um diesen zur Rede zu stellen: „Ich dachte, er habe etwas mit den Kameras zu tun", sagte der 28-Jährige. Den körperlichen Übergriff bestritt K. jedoch: „Ich habe ihn angeschrien, aber nicht angegriffen. Anschließend bin ich in eine Spielhalle gegangen und habe gezockt."

Die Staatsanwaltschaft verfolgt K.s Unterbringung in einer Psychiatrie, da – bliebe er unbehandelt – weitere erhebliche Straftaten von ihm zu erwarten wären. Der Prozess wird am 4. Oktober fortgesetzt.

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