Poco sieht sich von Steinhoff-Turbulenzen nicht betroffen

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Poco-Einrichtungsmarkt - © Foto: Holger Hollemann
Steinhoff ist der Mutterkonzern der Poco-Einrichtungshäuser und Europas zweitgrößter Möbelkonzern. (© Foto: Holger Hollemann)

Bergkamen - Der Möbel-Discounter Poco sieht sich von den aktuellen Turbulenzen rund um die Poco-Beteiligungsgesellschaft Steinhoff nicht betroffen.

Steinhoff sei mit einem Anteil aktuell 50 Prozent an dem Unternehmen lediglich einer von zwei Gesellschaftern, berichtete ein Poco-Sprecher in Bergkamen.

Info
Der Aufsichtsrat des von einem Bilanzskandal erschütterten Möbelhaus-Konzerns Steinhoff hat ein Komitee ins Leben gerufen, das die unabhängige Unternehmenskontrolle stärken soll. Dem Gremium gehörten die unabhängigen Direktoren Steve Booysen und Heather Sonn sowie als Vorsitzender Johan van Zyl an, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.

Das Komitee werde bei der Veröffentlichung des testierten Jahresberichts mit den Rechnungsprüfern von Deloitte zusammenarbeiten. Dieser werde zudem zusätzlich von PWC geprüft, hieß es. Bei dem Unternehmen wird derzeit wegen Unregelmäßigkeiten in der Bilanz ermittelt. Der bisherige Chef Markus Jooste musste vor kurzem seinen Hut nehmen. Die Veröffentlichung der Jahresbilanz war bis auf Weiteres verschoben worden.

Auswirkungen auf das operative Geschäft gebe es nicht, so Steinhoff. Der Handel, vor allem das Weihnachtsgeschäft, laufe weltweit unbeeinträchtigt.

Zweiter Anteilseigner sei über eine Beteiligungsgesellschaft die österreichische Unternehmerfamilie Seifert, die auch die Möbelkette XXXLutz betreibt. Wegen eines Feiertags war das österreichische Unternehmen zunächst nicht zu erreichen.

Mit einem Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro und knapp 8000 Beschäftigten zählt Poco zu den führenden deutschen Möbelhändlern. Das Unternehmen sei in seiner wirtschaftlichen und strategischen Ausrichtung eigenständig und verfüge über eine solide Finanzstruktur, hieß es. Mögliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richteten sich nicht gegen Poco.

Die Aktionäre des von einem Bilanzskandal erschütterten Mutterkonzerns Steinhoff brauchen hingegen starke Nerven: Zwischenzeitlich lösten sich rund 13 Milliarden Euro an Börsenwert in Luft auf. Auch eine leichte Erholung des Kurses im Laufe des Freitagvormittags änderte nichts an der trüben Gemengelage.

Nach dem Hochkochen des Bilanzskandals und dem Abgang des Chefs mussten die Anleger eine weitere Hiobsbotschaft ertragen: Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschniveau ab. Das bedeutet, dass Moody's ernste Bedenken hat, dass Steinhoff seine Schulden zuverlässig zurückzahlen kann.

Die Aktien sackten in der Folge am Freitagmorgen um weitere 41 Prozent bis auf ein neues Tief von 0,35 Euro ab. Ende November hatten sie mit 3,50 Euro noch das Zehnfache gekostet. Noch deutlicher wird der tiefe Fall, wenn man den gesamten Börsenwert betrachtet - dieser betrug zwischenzeitlich nur noch 1,5 Milliarden Euro nach zuvor 14,8 Milliarden Euro.

Angesichts der massiven Ausschläge der Aktie schaut sich die Finanzaufsicht Bafin den Kursverlauf nun an. Es handele sich um reine Routine, sagte eine Sprecherin. Zuletzt lag der Kurs wieder 5 Prozent im Plus gegenüber dem Vortag bei 0,62 Euro.

Die Commerzbank hat sämtliche Schätzungen zum Geschäftsverlauf bei Steinhoff und zur Entwicklung der Aktie zurückgezogen. Solange das Ergebnis der Untersuchung der beauftragten Wirtschaftsprüfer von PwC nicht vorliege, gebe es keine verlässliche Grundlage für irgendwelche Prognosen, schrieb die Bank.

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