Eine prächtige Party: Der 62. Wiener Opernball

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Griffith und Lugner - © Foto: Herbert P. Oczeret, APA
Die US-amerikanische Schauspielerin Melanie Griffith und Richard Lugner. (© Foto: Herbert P. Oczeret, APA)

Wien - Zwei junge Regierungschefs im Publikum, eine halbnackte Demonstrantin und ein zufriedener Hollywood-Star: Der 62. Wiener Opernball war eine prunkvolle Party mit dezenten oder derben politischen Signalen.

Für Aufsehen sorgte eine Femen-Aktivistin. Mit schwarzem Rock und langen Handschuhen, aber vom Kinn bis zum Bauchnabel textilfrei enterte die 25-Jährige den roten Teppich vor der Oper. Ihre Forderung: Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko solle verschwinden. Mehrere Polizisten griffen ein. Die Dame muss sich wegen Anstandsverletzung verantworten. Poroschenko gehörte zu den Polit-Promis, die auf dem diesjährigen Opernball auffallend präsent waren.

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Der 52-jährige Poroschenko war Gast von Österreichs Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen. Mit besonderem Interesse wurde auch das Ball-Debüt von Neu-Kanzler Sebastian Kurz verfolgt. Der hatte mit dem irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar nicht nur einen schwulen Mann in seine Loge eingeladen, sondern auch einen Vertreter der neuen Polit-Generation. Kurz ist 31, Varadkar 39 Jahre alt.

Susanne Thier, die Freundin von Sebastian Kurz, musste auf einen Tanz mit ihrem Lebensgefährten verzichten. «Ich bin kein großer Ballgeher und ich bin vor allem ein schlechter Tänzer», meinte Kurz. Sein Wunsch: Der Ball mit seinem prächtigen Ambiente solle ein «tolle Visitenkarte» für das Land sein.

In der Kanzler-Loge saß auch - in einem Traum in Rot - die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie («Wüstenblume»). Sie warb erneut für eine bessere Bildung afrikanischer Frauen, damit sie sich gegen die brutale Tradition der Genitalverstümmelung besser wehren können. Außer Kurz kamen noch weitere Kabinettsmitglieder der neuen ÖVP-FPÖ-Regierung, Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zog den Skiurlaub vor.

«Es ist wunderschön» - Melanie Griffith, die Begleiterin von Unternehmer Richard «Mörtel» Lugner war bezaubert vom Wiener Glanz. Der 60 Jahre alte Hollywood-Star («Die Waffen der Frauen») trug ein hochgeschlossenes, schlichtes schwarzes Kleid des 2017 gestorbenen tunesischen Modeschöpfers Azzedin Alaia. Das Kleid sei schon 20 Jahre alt, aber sie trage es zu Ehren des toten Designers, verriet Griffith. Ein Statement in der #MeToo-Debatte wie beim Golden Globe, als viele Frauen Schwarz trugen, sei das aber nicht.

«Sie ist eine der wundervollsten Begleitungen, die ich je hatte. Ein Traum von einen Gast», lobte der 85-jährige Lugner, der ausgerechnet zum Ball erkältet war. So pünktlich, so unkompliziert und immer gut gelaunt, staunte der von oft zickigen Gästen traumatisierte Lugner über Griffith. Zum gemeinsamen Tanz reichte es aber nicht.

Seine «Ex» war auch da. Cathy Lugner kam, um sich zu amüsieren und um ihren ehemaligen Mann zu interviewen. Ein Privatsender hatte die 28-Jährige für den späteren Abend als Reporterin engagiert. Im Medientrubel stellte sie ihren Mann schließlich und musste sich anhören, dass Griffith deutlich pflegeleichter sei als sie. Die beiden hatten sich in einem Rosenkrieg vor einem Jahr getrennt. Inzwischen lebt Cathy wieder in Düsseldorf. Den Namen ihres Ehemanns werde sie erst dann ablegen, wenn es ihr passe. «Richard wollte mich drängen, aber dann sage ich: Jetzt erst recht nicht.»

Wer angesichts der neuen rechtskonservativen Regierung neuen Schwung für alte Opernball-Demonstrationen gegen das Establishment erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der von der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ) unter dem leicht kannibalistischen Motto «Eat the Rich» («Iss die Reichen») organisierte Zug durch die Innenstadt war ein lauer Protest. Gerade einmal 100 Demonstranten zählte die Polizei.

Unter den 5150 Gästen waren auch US-Schauspielerin Lily James («Cinderella», «Die dunkelste Stunde»), Schauspieler Heiner Lauterbach, DJ Ötzi, der neue Trainer von Österreichs Fußballnationalelf, Franco Foda, und Modedesigner Harald Glööckler. Glööckler fiel vor allem durch seine Sturmfrisur à la voluminöser Irokesenschnitt auf. Das Geheimnis: Er habe sich seinen Kopf rasiert und trage nun nur noch wechselnde Haarteile, verriet der 52-Jährige im ORF. «Morgen früh bin ich wieder blond.»

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