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Hipster-Café statt Oma-Laden: Das neue «Kranzler»

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Café Kranzler - © Foto: dpa
Kaffehaus-Freunde sind entzückt: Das Berliner Café «Kranzler» macht wieder auf. Foto: Sebastian Gollnow (© Foto: dpa)

Berlin - Ralf Rüller hat am Morgen einen Kaffee aus Kenia getrunken, natürlich ohne Milch, das wäre ein Frevel. Die Sorte heißt «Kagumoini». Das Pfund kostet 26 Euro.

Sie hat eine marmeladige Note aus Brombeeren und Vanille. Rüller könnte über diesen Kaffee Referate halten wie andere Leute über Wein. Er ist Gründer der Berliner Rösterei «The Barn». Rüller hatte schon mal Schlagzeilen. Es ging um einen Poller und Kinderwagen. Das war vor vier Jahren.

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Jetzt steht der 49-Jährige mit Schirmmütze, Schal und schwarzer Winterjacke auf der Baustelle des alten «Kranzlers». Am Sonntag wird das legendäre 50er-Jahre-Café neu eröffnet. Das «Kranzler» war früher ein richtiges Traditions-Café. Es gehörte zum alten West-Berlin wie Harald Juhnke und die Werbung für das «Big Sexyland». Zuletzt war das Café geschlossen.

Jetzt könnte das «Kranzler» zum Teil des Berliner Party-Smalltalks werden: Ist die Gegend um die Gedächtniskirche urban oder hässlich? Ist der alte Westen nicht mehr ganz so piefig wie früher?

«Ich freue mich richtig auf den Westen», sagt Rüller. Das Thema Kaffee nimmt er ernst. Sehr ernst. Künftig werden unter der rotweißen Markise am Kurfürstendamm «Single Origin Kaffees» an Handfilter-Stationen verkauft. Milch bekommt man dazu nicht. Wer Cappuccino will, wird an die Espressomaschine dirigiert. Die wurde extra in Seattle gefertigt. Und die Tassen werden gerade in Kopenhagen handgetöpfert, erzählt Rüller.

«The Barn», bei dem Namen klingelt bei manchen noch etwas. Rüller hatte mal Ärger wegen eines Pollers am Eingang. Der galt als Signal, Kinderwagen sollten bitte draußen bleiben. Das Ganze ausgerechnet im Prenzlauer Berg, wo viele Familien leben. Die Aufregung war groß. Sogar das australische Radio rief nachts bei Rüller an. Er steht nach wie vor zur Idee eines ruhigen Cafés. «Die Leute haben gesagt, ich will genau das haben.»

Im «Kranzler» darf es trubelig zugehen. Auch die von Rüller sonst etwas beargwöhnten Laptops sind willkommen. Kaffee und Kuchen sollen je um die 3 bis 4 Euro kosten. Auf der Terrasse und der Rotunde guckt man auf die gelben Busse im Stadtverkehr, Leuchtreklame, Baustellen: Ku'damm-Panorama.

Das alte West-Berlin war bis vor fünf bis zehn Jahren noch verschlafen. Die Touristen waren nach dem Mauerfall lieber im Osten unterwegs, die Hipster in Neukölln oder Kreuzberg. Dann zog die C/O-Fotogalerie an den Bahnhof Zoo. Das Luxuskaufhaus KaDeWe wird gerade umgebaut, nach den Plänen des Stararchitekten Rem Koolhaas.

Im «Bikini-Haus» an der Gedächtniskirche öffnete 2014 ein Einkaufszentrum für Mode und Design. Das sei der Durchbruch für den alten Westen gewesen, sagt Christian Tänzler vom Tourismusverband Visit Berlin. Mittlerweile hätten dort Dutzende neue Hotels aufgemacht.

Es passt, dass die Schriftstellerin Tanja Dückers gerade ein Buch über «Mein altes West-Berlin» veröffentlich hat, über Orte wie den Zoo und den Savignyplatz. «Seltsam entfernt, fast näher am Zweiten Weltkrieg als am 21. Jahrhundert, wirkt West-Berlin in der Ära des Kalten Krieges heute auf mich», schreibt Dückers.

Das «Kranzler» ist so ein Ort der Westalgie, der an alte Zeiten denken lässt, als könnte gleich die Schauspiellegende Hildegard Knef um die Ecke biegen. Gegründet wurde es vom preußischen Hofkonditor Johann Georg Kranzler (1795-1866). Es gab früher zwei «Kranzlers», Unter den Linden und am Ku'damm. Beide wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Betreiber des 50er-Jahre-Baus im Westen war zuletzt eine Textilkette. Kult war das «Kranzler» schon lange nicht mehr. Jetzt zieht im Haus das Modelabel Superdry ein, mit seinem «weltweit größten Flagshipstore». Das Café spielt in seiner Einladung zur Eröffnung mit dem Oma-Klischee: «Draußen nur Kännchen».

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