Wellinger nach Absturz in Vikersund stinksauer

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Dritter - © Foto: Terje Bendiksby
Andreas Wellinger hat den Sieg bei der RAW-AIR-Tour verpasst. (© Foto: Terje Bendiksby)

Vikersund - Andreas Wellinger winkte frustriert ab und fühlte sich um 60 000 Euro betrogen, als sein Traum vom Premierensieg bei der RAW-AIR-Tour brutal geplatzt war.

Und auch Bundestrainer Werner Schuster haderte am Ende einer denkwürdigen Rekord-Flugshow auf dem Monsterbakken von Vikersund mit der Jury. Nach einer fragwürdigen Anlaufverkürzung stürzte der zur Halbzeit des Skiflug-Weltcups auf Siegkurs liegende Wellinger im Finale ab und musste Weltrekordmann Stefan Kraft aus Österreich, der am Vortag mit 253,5 Metern eine grandiose Bestmarke aufgestellt hatte, die Siegprämie der zehntägigen Norwegen-Tour überlassen.

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Auch Tagessieger Kamil Stoch zog im Gesamtklassement noch an Wellinger vorbei, dem zumindest 10 000 Euro als kleines Trostpflaster blieben. Der Vierschanzentourneesieger aus Polen, der 238,5 und 237 Meter weit flog und Japans Altmeister Noriaki Kasai sowie den Österreicher Michael Hayböck auf die Plätze verwies, kassierte 30 000 Euro.

Nach 242 Metern im ersten Versuch hatte Wellinger als Halbzeit-Führender alle Trümpfe in der Hand, nachdem sein Dauerrivale Kraft im Finale nur auf 215 Meter kam. Doch die Jury kannte keine Gnade und schickte den Bayern bei deutlich schlechteren Windbedingungen los. Wellinger drückte es prompt bei 166 Meter auf den Hang - aus der Traum! «Ich bin stinksauer», schimpfte der 21-Jährige.

Auch Schuster übte Kritik. «Aus meiner Sicht gab es keinen Grund, den Anlauf zu verkürzen. Und wenn schon, hätte man sich für den letzten Springer der Konkurrenz mehr Zeit nehmen müssen. Es ist ärgerlich und bitter, dass es so ein Ende genommen hat», sagte der Bundestrainer. «Andi hat bei der Tour eine fantastische Leistung gezeigt.»

So auch im ersten Durchgang. «Das war ziemlich Rock 'n' Roll in der Luft», kommentierte Wellinger seinen Versuch auf 242 Meter. «Bei 130 Meter dachte ich: Scheiße, ich falle durch. Aber dann hat es mir noch mal die Ski hochgerissen.» Am Vortag hatte er im Teamwettbewerb mit 245 Metern sogar den deutschen Rekord von Severin Freund eingestellt.

Jubeln durfte auch Karl Geiger: Mit 227 und 239 Metern flog er zweimal persönliche Bestleistung und belegte als bester DSV-Starter den elften Platz. «Das war der Hammer, einfach nur zum Genießen», kommentierte Geiger seine Versuche.

Schon am Samstag hatte Kraft das Lachen nach seinem Weltrekord-Flug gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Mit seiner Bestmarke von 253,5 Metern stieß der Bayern-Fan noch einmal in eine neue Dimension vor. «Das ist unglaublich, einfach Wahnsinn. Es war Adrenalin pur, alles hat zusammengepasst. Ab 200 Meter habe ich gewusst, dass es Weltrekord wird, und nur noch gedacht: Steh' den Sprung, bitte flieg' nicht hin», berichtete Kraft über den magischen Moment.

33 Minuten zuvor hatte der Norweger Robert Johansson mit 252 Metern die zwei Jahre alte Bestmarke seines Landsmanns Anders Fannemel um 50 Zentimeter verbessert. Für viele das Limit. Doch Kraft setzte noch eins drauf. «Das war eine fantastische Leistung. Ich hatte das nicht für möglich gehalten, aber man wird immer wieder überrascht», sagte Schuster.

Völlig von der Rolle präsentierten sich Richard Freitag und Markus Eisenbichler. Der Bayer verlor mit zwei schwachen Auftritten im Team, das beim Sieg der Norweger nur Fünfter wurde, und Einzel seinen dritten Gesamtrang in der RAW-AIR-Tour. Am Sonntag schied Eisenbichler mit 141,5 Metern als 38. sogar im ersten Durchgang aus. Freitag kam nur auf Rang 30. «Beide sind müde und haben komplett das Selbstvertrauen verloren. Sie haben sich das Fliegen nicht mehr zugetraut», stellte Schuster fest.

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