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DHB startet mit Kapitän Gensheimer in die Handball-WM

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Pressekonferenz - © Foto: Marijan Murat
Bundestrainer Dagur Sigurdsson gibt in bei der Pressekonferenz Auskunft. (© Foto: Marijan Murat)

Rouen - Uwe Gensheimer ließ sich direkt in die Trainingshalle fahren. Nach sechseinhalb Stunden im Auto und mit den Gedanken bei seinem verstorbenen Vater stieg der Kapitän direkt in die Abschlusseinheit der deutschen Handballer ein.

Der Weltklasse-Linksaußen war gemeinsam mit Teammanager Oliver Roggisch in die französische Hafenstadt Rouen gereist, wo die DHB-Auswahl am Freitag ihr Auftaktspiel gegen Ungarn bestreitet. «Er macht soweit einen ganz guten Eindruck. Ich hoffe, dass er sich jetzt auf Handball konzentrieren kann», sagte Roggisch.

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Mitteilung DHB zur Anreise von Gensheimer

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Nach einigen Tagen bei seiner Familie in Mannheim hatte Gensheimer selbst zuvor in einer Mitteilung des Deutschen Handballbundes (DHB) gesagt, dass sein Vater das so gewollt hätte. Zugleich bat er darum, seine Privatsphäre während des Turniers zu respektieren. «Ich bitte um Verständnis, dass ich mich hierzu während der WM nicht weiter äußern werde», sagte der 30-Jährige.

Zur Beerdigung, deren Termin noch nicht feststeht, wird der 30-Jährige noch einmal nach Deutschland fahren. Wie es Gensheimer nach der Zeit in seiner Heimat Mannheim geht, bleibt allerdings abzuwarten. «Erst mal müssen wir ihn gut empfangen und schauen, dass er sich wohlfühlt», sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Beim WM-Start gegen die Ungarn setzt der Isländer aber gleich auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten seines Kapitäns. «Wir werden ihn sicher sofort brauchen, das ist außer Frage.» Zudem droht in Rune Dahme der einzige weitere Linksaußen wegen einer Grippe für das Ungarn-Spiel auszufallen.

Gensheimer, der in Frankreich für Paris St. Germain spielt, weilte bis zuletzt bei seiner Familie. Der DHB hatte ihm freie Hand gelassen, ob er bei der WM spielen wolle. Diese Entscheidung fiel nun für den Handball.

Der DHB-Bus war am 11. Januar mit nur 14 Spielern nach Rouen gefahren. Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird den letzten freien Platz im maximal 16-köpfigen Aufgebot zunächst nicht besetzen. Damit sind während des Turniers nicht nur zwei Wechsel möglich, sondern es gibt über das sogenannte «Late Entry» eine weitere personelle Option.

Die Rückkehr von Gensheimer könnte vor allem mit Blick auf den weiteren Verlauf des Turniers enorme Bedeutung für das junge Team haben. Der Rechtshänder zählt zu den besten Spielern der Welt, mit seiner Erfahrung dürfte er vergleichsweise unerfahrenen Akteuren wie Simon Ernst oder Rune Dahmke gerade in der K.o.-Phase des Turniers eine wichtige Stütze sein.

Doch auch das Team könnte seinem Kapitän in den kommenden Tagen Halt geben. Wie sehr Gensheimer in der Nationalmannschaft verankert ist, wurde bei der erfolgreichen EM im vergangenen Jahr deutlich. Obwohl er wegen einer Verletzung für das Turnier ausgefallen war, reiste er zur DHB-Auswahl nach Polen. Gensheimer unterstützte die jüngste Mannschaft, feuerte auf der Tribüne an, gab Tipps - und feierte anschließend gemeinsam mit dem Team den sensationellen Titelgewinn.

Ob er schon gegen die Ungarn wieder voll eingesetzt wird, wird er wohl selbst entscheiden. Für Bundestrainer Sigurdsson hat das Auftaktspiel enorme Bedeutung. «Allein über Emotionen und Lauferei wird das nicht reichen gegen Ungarn», sagte der Bundestrainer, der das deutsche Team sogar als Außenseiter sieht. «Ich habe immer gesagt, dass unsere Chancen 40 zu 60 stehen. Und ich bleibe dabei.»

Großen Respekt haben Sigurdsson und seine Spieler vor allem vor Ungarns Altstar Laszlo Nagy. Der Top-Verteidiger vom ungarischen Spitzenclub MKB Veszprém ist der Kopf des Teams, zu dessen Stärken vor allem die Erfahrung zählt. «Die werden das sehr clever angehen, die spielen seit mehreren Wochen sehr gut», sagte Sigurdsson.

Wie gut aber auch der Europameister spielen kann, stellte sein Team mit zwei klaren Siegen in der WM-Vorbereitung unter Beweis. Rückraumspieler Steffen Fäth blickt darum schon etwas über das Ungarn-Spiel hinaus: «Weltmeister waren wir schon lange nicht mehr. Das ist das Ziel.»

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