„Ich kann auch mal ein Schwein sein“

Christian Helmig

Da gehts lang: In der neuen Saison gibt Dirk Schmidtmeier die sportliche Richtung bei den Sportfreunden Loxten vor. - © Jörg Toppmöller
Da gehts lang: In der neuen Saison gibt Dirk Schmidtmeier die sportliche Richtung bei den Sportfreunden Loxten vor. (© Jörg Toppmöller)

Herr Schmidtmeier, ein Jahr nach Ihrem Abschied von der Spvg. heuern Sie im Sommer bei den Sportfreunden in Loxten an. War die Sehnsucht nach Versmold so groß?

Dirk Schmidtmeier: Ich kann schon sagen, dass mir die Leute hier ans Herz gewachsen sind. In meiner Zeit bei der Spvg. sind viele Freundschaften entstanden, die mich mit der Stadt verbinden. Trotzdem hat mich der Anruf aus Loxten überrascht. Aber ich habe mich auch total darüber gefreut. Sportlich gesehen ist es ein großer Sprung.

Mit Versmold sind Sie zuletzt aus der Bezirksliga abgestiegen, in Loxten wartet bald die Oberliga auf Sie. Schmidtmeier: Auf jeden Fall, das ist sicher eine ganz andere Hausnummer. Aber die Voraussetzungen, die ich in Loxten finde, sind auch ganz andere. Die Mannschaft ist intakt, und der Verein versucht hier richtig etwas aufzubauen. Das erinnert mich ein bisschen an meine Anfangszeit als Spieler in Ahlen. Auch dort ging es sehr familiär zu, und viele Leute haben im Hintergrund mitgeholfen.

In Ahlen sind Sie derzeit als Trainer der A-Jugend tätig. Macht Ihnen dieser Job keinen Spaß?

Schmidtmeier: Doch, doch, er macht mir viel Spaß. Ich gehe dort nicht gerne und sicher auch mit einem weinenden Auge weg. Aber ich bin ja nicht mehr der Jüngste und wollte diese Herausforderung jetzt einfach annehmen. Ich hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mal Anfragen, auch aus der Oberliga. Da habe ich mir gedacht: Irgendwas muss ja da dran sein.

Nach HK-Informationen war schon Mitte Januar klar, dass Sie der Nachfolger von Thomas Lay werden. Warum hat es so lange gedauert, bis die Zusammenarbeit in der vergangenen Woche offiziell bekanntgegeben wurde?

Schmidtmeier: Weil sie noch nicht definitiv beschlossen war.

Wo lagen die Knackpunkte?

Schmidtmeier: Großartige Knackpunkte gab es gar nicht. Ich hatte super Gespräche mit Andy (Vereinsvorsitzender Evers, d. Redaktion) und Thomas (Lay) . Aber manchmal muss man sich eben ein, zwei Mal länger unterhalten, bis man sich sicher ist, dass man zusammenarbeiten möchte.

Was hat Sie am Ende überzeugt?

Schmidtmeier: Dass die Loxtener im Kern eine gestandene Mannschaft haben. Gegen drei, vier Spieler habe ich früher selbst noch gespielt, als sie jung waren und ihren Weg seitdem verfolgt. Und ich finde es toll, dass der Verein weiterhin auf junge Leute aus unterklassigen Mannschaften setzt und ihnen eine echte Chance gibt, in der Oberliga zu spielen. So wie es bei Marlon Meyer und Paul Blankert war oder demnächst bei Jasper Steinlechner der Fall sein wird.

Haben Sie bei Steinlechners Verpflichtung aus Hörste schon mitgeredet?

Schmidtmeier: Ja, Thomas und ich haben zusammen entschieden, welcher Spieler auf dieser Position (Linksaußen) am besten zu uns passt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Thomas Lay, der ja bekanntlich in die Sportliche Leitung wechselt?

Schmidtmeier: Wir kennen uns schon gefühlte 25 Jahre. Als ich damals in Ahlen gespielt habe, hatte er Freunde wie Olaf Pohlmeier oder Jörg Rösener in meiner Mannschaft und war dadurch häufig bei uns in der Halle. Danach haben wir uns eine Zeit lang aus den Augen verloren und später in Versmold wiedergetroffen. Man kann wohl sagen, dass wir auf einer Wellenlänge schweben.

Sie haben also keine Angst, dass er Ihnen in Ihre Arbeit reinreden wird?

Schmidtmeier: Dass Thomas sich auch in Zukunft einbringen wird, ist nicht nur so eine Flause von ihm. Er ist mir in den letzten Tagen so oft auf die Nerven gegangen, dass ich manchmal schon gar nicht mehr ans Telefon gegangen bin (lacht) . Aber da geht es um ganz normale Diskussionen, die wir hoffentlich oft führen werden. Austausch und Kommunikation sind sehr wichtig. Ich gehen davon aus, dass wir gut zusammenarbeiten werden.

Auch bei der Verpflichtung eines Spielmachers?

Schmidtmeier: Man muss abwarten, was mit Sebastian Hölmer passiert, ob er nach seiner erneuten Verletzung noch mal zurückkommt. Wir haben deshalb den ein oder anderen Spieler für diese Position in Aussicht.

Einer davon soll Jan Schröder von TuS Nettelstedt II sein.

Schmidtmeier: Er ist auch ein Spieler, mit dem wir sprechen. Wir werden sehen, was passiert.

Wie würden Sie sich als Trainer beschreiben?

Schmidtmeier: Oh, das fällt mir schwer. Das sollte man vielleicht besser die Leute in Versmold fragen, die mit mir gearbeitet haben.

Versuchen Sie es trotzdem bitte.

Schmidtmeier: Ich glaube, dass ich objektiv bin. Und vielleicht ein bisschen emotionaler als Thomas. Ich kann im Training und Spiel auch mal ein Schwein sein. Aber wenn man mich erst mal kennengelernt hat, weiß man, wie ich das meine. Ich gehöre zwar auch zur Mannschaft, möchte aber nur so tief in das Geflecht der Spieler eintauchen, dass ich immer noch eine Respektsperson bleibe.

Vor dem Spiel gegen Jöllenbeck haben Sie die Präsentation der Klaus-Peter-Reinert-Stiftung live in der Halle miterlebt. Was halten Sie davon?

Schmidtmeier: Ich wusste nur, dass etwas passieren soll, aber nicht, worum es geht. Ich habe bislang noch nicht erlebt, dass ein Privatmann so eine große Summe (eine Million Euro) investiert und mit Überlegung die Zukunft der Sportfreunde Loxten langfristig sichert. Ich finde es gut, dass das Geld nachhaltig investiert und nicht direkt in den Verein geschossen wird. Sonst ist es nämlich irgendwann weg.

Der ein oder andere Loxtener Fan mag angesichts der finanziellen Möglichkeiten schon von der 3. Liga träumen. Sie auch?

Schmidtmeier: Ich habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Ich möchte eine schöne Zeit in Loxten verbringen und die Mannschaft stetig verbessern. Am Ende weiß man nie, was passiert. Es kann sein, dass man Verletzungspech hat. Es kann aber auch sein, dass man mal in einen Flow kommt, vier, fünf Spiele hintereinander gewinnt und plötzlich oben steht. Aber der Grundgedanke unserer Zusammenarbeit ist auf keinen Fall der Aufstieg in die 3. Liga. Da sind andere Vereine näher dran.

Das Gespräch führte Christian Helmig

Info

Zur Person

- Dirk Schmidtmeier ist 45 Jahre alt und kommt gebürtig aus Hamm.
- Der Technische Angestellte im Außendienst der Stadtwerke Ahlen ist verheiratet und hat zwei Söhne (12 und 14 Jahre alt). Beide spielen ebenfalls Handball.
- Mit der B-Jugend des ASV Hamm gewann er im Jahr 1989 die deutsche Meisterschaft. Er spielte für die Jugend- und Juniorennationalmannschaft.
- Stationen als Spieler im Seniorenbereich waren ASV Hamm, Ahlener SG, OSC Dortmund und SCE Heesen. Mit Ahlen stieg er 1999 in die 2. Liga auf.
- Von 2011 bis 2017 war Schmidtmeier als (Spieler-) Trainer bei der Spvg. Versmold tätig.

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