Auch alte Hasen schwimmen schnell

Christian Helmig

Allrounder: Im Spiel gegen Herford überzeugte Frank »Hasi« Deppe zuerst als Torwart, nach dem Seitenwechsel erzielte er als Feldspieler vier Treffer. Fotos: Christian Helmig - © Christian Helmig
Allrounder: Im Spiel gegen Herford überzeugte Frank »Hasi« Deppe zuerst als Torwart, nach dem Seitenwechsel erzielte er als Feldspieler vier Treffer. Fotos: Christian Helmig (© Christian Helmig)

Steinhagen. Wie viel Chlorwasser Marcel Busse an diesem Abend geschluckt hat, lässt sich nur erahnen. Viel reden möchte der Center nach dem Abpfiff auf jeden Fall nicht mehr. Nur ein zufriedenes Nicken kann Anna Rittelmeier dem hünenhaften Mann auf ihre Frage „Und, bist du jetzt platt?" noch entlocken.

Taktischer Feinschliff: Trainer Martin Rittelmeier (rechts) stimmt seine Mannschaft auf das erste Saisonspiel ein. - © Christian Helmig, HK
Taktischer Feinschliff: Trainer Martin Rittelmeier (rechts) stimmt seine Mannschaft auf das erste Saisonspiel ein. (© Christian Helmig, HK)

„Wir betreiben einen sehr körperbetonten Sport", erklärt die Wasserballwartin der SGW Rheda-Steinhagen – und wer das Spiel im Steinhagener Hallenbad verfolgt hat, mag ihr nicht widersprechen. Die reine Spieldauer von 4?x?8 Minuten Minuten mag manch anderen Sportlern kurz erscheinen. Verbringt man aber gefühlt die Hälfte der Zeit unter Wasser und kämpft ohne Bodenkontakt gegen nicht minder robuste Gegenspieler um jeden Ball und jeden Meter Raum, kann sie wie eine Ewigkeit anmuten.

Marcel Busse ist trotzdem nicht zu stoppen. Elf der insgesamt 23 Treffer der Gastgeber gehen auf das Konto des Mittelangreifers. „Das Spiel über den Center ist eine Spezialität von uns", verrät Anna Rittelmeier.

Der zweite Steinhagener Spieler, der der Partie gegen Herford seinen Stempel aufdrückt, ist Frank Deppe. »Hasi«, so sein Spitzname, der so gar nicht zu seinen breiten Schultern passen möchte, hütet nach dem Weggang von Stammkeeper Joachim Just in der ersten Halbzeit das Tor und zeigt starke Paraden. Nach dem Seitenwechsel tauscht der 52-Jährige die rote Badekappe gegen eine weiße und wechselt ins Feld. Aus gutem Grund. „Hasi ist unser ältester Spieler, aber trotzdem mit Abstand unser schnellster Schwimmer", berichtet Anna Rittelmeiers Mann Martin, der die Mannschaft zusammen mit Dirk Husemann trainiert. Nahezu jeder Angriff läuft jetzt über Deppe, mit vier Treffern trägt der Routinier dazu bei, den 11:9-Pausenvorsprung auszubauen.

Doch Deppes Einsatz ist nicht nur in diesem Spiel wichtig für die Spielgemeinschaft. Mit Ernst Czaplinski hat der auch als Masters-Schwimmer erfolgreiche Routinier vor zwei Jahren die Nachwuchsabteilung wiederbelebt.

„Vereine ohne Jugendarbeit haben langfristig keine Chance"

Turm in der Wasserschlacht: SG-Center Marcel Busse bewies mit elf Toren enorme Treffsicherheit. - © Christian Helmig, HK
Turm in der Wasserschlacht: SG-Center Marcel Busse bewies mit elf Toren enorme Treffsicherheit. (© Christian Helmig, HK)

Das Konzept greift: In Tobias Burchardt und Luis Rahe haben in dieser Saison erstmals seit langer Zeit wieder zwei echte Eigengewächs den Sprung zu den Senioren geschafft. Sie sollen zunächst bei der Reserve in der Bezirksklasse Erfahrungen sammeln. Bald möchte die SG auch wieder eine Damenmannschaft melden.

„Wir sind ganz gut aufgestellt", sagt Anna Rittelmeier. Sie prophezeit aber auch: „Vereine ohne Jugendarbeit haben langfristig keine Chance mehr, in diesem Sport zu existieren." Schon heute besteht die OWL-Liga nur noch aus fünf Mannschaften. Zwei Spieler der aufgelösten Warendorfer SU wechselten vor der Saison mangels näherliegender Alternativen zu Rheda-Steinhagen.

So nährt sich die Hoffnung, dass der SGW bald die Rückkehr in die Verbandsliga gelingt. Schon in der Vorsaison hatten sich Busse, Deppe und Co. das Ticket gesichert, verzichteten aber auf den Aufstieg. Einige Leistungsträger hatten den Verein in den Vorjahren verlassen, andere Spieler scheuten mit Rücksicht auf Beruf und Familie die weiten Fahrten.

Der Auftaktsieg gegen Herford sei vor allem „gut für die Moral", glaubt Martin Rittelmeier. Entgangen ist dem Trainer aber nicht, dass seine Jungs im Spiel ein paar Durchhänger hatten. „Wenn sie fitter wären, könnten sie auch mehr schwimmen", deutet er an, dass in puncto Trainingsbeteiligung noch Luft nach oben ist.

Zunächst steht am morgigen Freitag aber das nächste Heimspiel an. Um 20.15 Uhr ist der 1. Paderborner SV am Cronsbach zu Gast.

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