Noura Alkhatib spielt Basketball und Handball mit Kopftuch

Max Maschman

Könnerin: Noura Alkhatib weiß mit dem Basketball umzugehen. Auf dem Versmolder Marktplatz balanciert sie das Spielgerät auf einem Finger. - © Max Maschmann
Könnerin: Noura Alkhatib weiß mit dem Basketball umzugehen. Auf dem Versmolder Marktplatz balanciert sie das Spielgerät auf einem Finger. (© Max Maschmann)

Versmold. Der Auftritt von Ibitihaj Muhammad bei den Olympischen Spielen 2016 war kurz. Die Säbelfechterin schied im Achtelfinale aus. Dennoch schrieb sie in Rio de Janeiro Geschichte: Muhammad ist die erste US-Amerikanerin, die mit einem Kopftuch bei den Olympischen Sommerspielen antrat. Für ein Novum im Altkreissport sorgt Noura Alkhatib. Sie spielt Handball für die Spvg. Hesselteich – mit Kopftuch und Kleidung, die Arme und Beine vollständig bedeckt.

Noura Alkhatib stammt aus Syrien, sie wuchs in Aleppo auf. „Es war schön dort, ich hatte viele Freunde", erinnert sie sich. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs ist von der Schönheit der Stadt jedoch nicht viel übrig geblieben. Noch bis September 2014 lebte Noura Alkhatib in Syrien und arbeitete als Sportlehrerin. Dann musste die Familie fliehen. „Alle in Syrien wissen, dass es ein Leben wie früher nicht mehr geben wird", sagt die 30-Jährige.

Nach einjährigem Aufenthalt in der Türkei durfte Noura Alkhatib dank eines Visums mit ihren Söhnen Jamal (7) und Yasan (6) nach Deutschland einreisen. Ehemann Abdulwahab Badenjki (34) wartete schon auf sie. Die Familie bezog eine Wohnung in Versmold. Dort angekommen, versuchte Noura Alkhatib sich so schnell wie möglich zu integrieren.

Sie schnitt in Sprachkursen gut ab, machte den Führerschein, einen Trainerschein sowie ein Praktikum in einem Kindergarten. „Ohne Sprache bin ich nichts in diesem Land. Sie ist der Schlüssel zu allem", sagt sie. Eine Arbeit hat sie trotz großer Bemühungen bisher nicht gefunden.

„Ohne Sport kann ich nicht leben"

Eine wesentliche Rolle bei der Integration spielt für Noura Alkhatib neben der Sprache der Sport. „Ohne Sport kann ich nicht leben", sagt sie. Fünf Jahre spielte sie in Syrien auf der Position des Center Basketball, entschied sich in Deutschland aber mit Handball zunächst für eine wesentlich körperbetontere Ballsportart. „Ich spiele immer mit vollem Körpereinsatz", sagt sie und lacht ihr ansteckendes Lachen.

Die Schwestern Frederike und Viktoria Fülling überzeugten sie, zur Spvg. Hesselteich zu kommen. „Anfangs war ich ängstlich, weil ich die Sprache nicht konnte", gesteht Noura Alkhatib, „aber alle haben sich toll um mich gekümmert."

Während sie mit ihrer Alltagskleidung – blaues Kopftuch, Jeansjacke, Nirvana-Shirt und schwarze Jeans – nicht auffällt, sorgt die Syrerin auf dem Handballfeld durch ihr Äußeres für Aufsehen. Unter ihrem Trikot und der kurzen Sporthose sind ein langes, schwarzes Oberteil sowie eine lange Hose in derselben Farbe zu sehen. Auf dem Kopf trägt sie ein Kopftuch, das sporttauglich ist.

Nicht weil sie muss. Sondern weil sie möchte. „Ich bin Muslim und mache das gern", versichert Noura Alkhatib. Sie versteht es als Dank an Gott. „Wir haben großes Glück, dass wir jetzt in Deutschland leben und nicht in Syrien", findet sie.

Ob sie schon doofe Sprüche für ihren Kleidungsstil kassiert hat? „Das war nie Thema", sagt Noura Alkhatib. Bestätigung erhält sie von ihrem Trainer bei der zweiten Hesselteicher Damenmannschaft. „In der öffentlichen Wahrnehmung mag diese Art der Sportkleidung ungewöhnlich sein, aber für mich ist es unproblematisch", sagt Rolf Hüllinghorst.

Derselben Meinung ist Reinhard Noltenhans, Vorsitzender der SG Oesterweg: „Ob sie jetzt Kopftuch oder Zylinder trägt, ist mir egal. Sie ist eine nette, engagierte Frau." Seit Ende 2016 ist Noura Alkhatib Übungsleiterin bei der SG. Aus einer Turngruppe für Jungen, die sie betreut, soll eine Basketballgruppe entstehen (siehe Info). In dieser möchte sie das Wissen über die Sportart weitergeben.

Vielleicht wird Noura Alkhatib auch bald wieder selber Körbe werfen. Der Wunsch ist da. Eine Adresse wäre der TV Jahn Borgholzhausen. „Wir suchen Spielerinnen für unsere Damenmannschaft", bestätigt Abteilungsleiter Christian Queisser. Allerdings ist es für Noura Alkhatib, die kein Auto besitzt, ein weiter Weg nach Borgholzhausen. „Für ein Probetraining ließe sich etwas machen", verspricht Queisser. Klingt so, als würde Noura Alkhatib bald wieder Korbleger werfen.

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