Im OWL-Derby wird es eng zugehen

Johnny Dähne

Vor reizvollem Heimspiel: Daniel Masur und der Tennispark Versmold erwarten den Bielefelder TTC. - © Foto: Johnny Dähne
Vor reizvollem Heimspiel: Daniel Masur und der Tennispark Versmold erwarten den Bielefelder TTC. (© Foto: Johnny Dähne)

Versmold. Sensationell, überragend, auf einer rosaroten Wolke schwebend: Superlative wie diese gingen den Verantwortlichen von Tennispark Versmold und Bielefelder TTC in dieser Saison leicht über die Lippen. Die Mannschaften stehen mit je 8:4 Zählern punktgleich auf den Tabellenplätzen zwei und drei – eine bessere Ausgangsposition für das OWL-Zweitliga-Derby im Tennispark am Freitag ab 13 Uhr hätten sich beide Clubs kaum erträumen können.

„Dass es für beide Vereine so eine stressfreie Saison wird, hätte ich nicht gedacht. Wir freuen uns auf die Party, die weniger aufgrund der langen Tradition, dafür aber wegen der räumlichen Nähe ein tolles Derby für die Zuschauer ist", sagt Versmolds Sportlicher Leiter Karsten Wolf vor dem Duell am vorletzten Spieltag. Das sieht Bielefelds Trainer Georg Magnus genauso, wobei er die Favoritenrolle bei den Gastgebern sieht. In Absprache mit Scott Griekspoor sowie dessen beiden Brüdern Tallon und Kevin verzichtet Magnus auf eine niederländische Aufwertung des Kaders.

Mit Blick auf die Ranglistenpositionen pflichtet Wolf seinem Pendant bei. Zugleich weist der Versmolder darauf hin, dass „die Spieler sich untereinander sehr gut kennen. Da sind Stärken und Schwächen bekannt, hinzu kommt das Derby-Feeling". Wolf erwartet weitgehend ausgeglichene Matches.

Neben allerhand Prestige geht es für beide Vereine um Tabellenplatz zwei und die eventuell entstehende Möglichkeit, bei einem Aufstiegsverzicht des verlustpunktfreien Spitzenreiters Neuss als Rangzweiter den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. „Ich weiß nicht, was wir dann machen würden. Unsere Anlage ist jedenfalls nicht für die erste Liga ausgelegt", sagt Wolf. Das letzte Wort dürfte in dieser Frage Mäzen und Clubpräsident Hans-Ewald Reinert haben.

Wer hat die Nase vorn? HK-Zweitliga-Experte Johnny Dähne, der beide Teams in dieser Saison mehrfach gesehen hat, wagt einen Vergleich.

1. Daniel Masur (22 Jahre, ATP-Rang: 226) – Louis Weßels (18, ATP 749). Obwohl der Versmolder mehr als 500 Weltranglistenplätze höher notiert ist als sein Gegner, dürfte das Spitzenspiel eine knappe Angelegenheit werden. Weßels ist in starker Form. Das spürte zuletzt Agustin Velotti vom TC Iserlohn und Nummer 251 der Tenniswelt. Das 7:6, 2:6, 4:10 aus Weßels’ Sicht war auch Krämpfen beim Zwei-Meter-Schlaks geschuldet. Masur gewann nach verletzungsbedingten Niederlagen zu Saisonbeginn zuletzt drei Einzel und dürfte wegen der größeren Erfahrung gegen den Ex-Versmolder gewinnen – Punkt für Versmold.

2. Marvin Netuschil (26, ATP 359) – Valentin Günther (19, ATP 1662). Der Versmolder spielt mit einer Bilanz von 1:4 Einzelsiegen eine durchwachsene Saison, was auch an einer Handverletzung liegt. Günther ist ein offensiver Spieler, der Iserlohns Jan Mertl (ATP 394) beim 6:3, 6:7, 6:10 am Rand einer Niederlage hatte. Bestätigen sie ihre Form, ist ein Erfolg Günthers wahrscheinlicher – Punkt für Bielefeld.

3. Isak Arvidsson (25, ATP-Doppel: 260) – Jannik Rother (22). 5:1-Siege an Position drei: Der Schwede hat die Erwartungen in ihn voll bestätigt und ist ein Versmolder Erfolgsgarant. Da wird ihn der aus der Regionalliga-Mannschaft von BW Halle gekommene Jannik Rother, der beim BTTC erst einen Doppelerfolg verbuchen konnte, kaum aufhalten können – Punkt für Versmold.

4. Christian Samuelsson (21, ATP-Doppel: 1479) – Patrick Pradella (27). Sowohl Fitnesszustand als auch Trainingspensum sprechen für Samuelsson, der gegen den Bielefelder nur in Bedrängnis kommen dürfte, wenn dieser sein risikoreiches, auf kurze Ballwechsel angelegtes Spiel in Punkte ummünzen kann – Punkt für Versmold.

5. Johann Willems (22, ATP 947) – Kevin Kaczynski (23). Dieses Match dürfte das emotionalste des Tages werden, denn beide Spieler sind für ihre Leidenschaft und Ausbrüche bekannt. Eine Prognose fällt besonders schwer, weil beide Akteure im Saisonverlauf erst eine Niederlage hinnehmen mussten. Kaczynski befindet sich allerdings momentan in besonders starker Verfassung – Punkt für Bielefeld.

6. Laurentiu-Antoniu Erlic (30) – Lars Behlen (25). Position sechs ist die einzig offene Planstelle: Georg Magnus hat die Qual der Wahl zwischen Maximilian Wilde und Lars Behlen, der der etwas variablere und offensivere Spieler ist und gegen die Versmolder »Ballwand« eine realistische Chance hat – Punkt für Bielefeld.

Doppel: Während Versmold eine Bilanz von 7:11 Matches aufweist, liegt der BTTC bei 10:8 Siegen. Das ergibt ein 2:1 in den Doppeln für die Gäste.

Fazit: Bielefeld siegt hauchdünn mit 5:4.

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