Chefposten im Urlaubsparadies

Der Versmolder Miguel Alvarez trainiert auf den Malediven

Christian Helmig

So lässt es sich aushalten: Miguel Alvarez (vorne rechts) nimmt neben seinen maledivischen Vereinskollegen in der Hängematte Platz. - © Foto: HK
So lässt es sich aushalten: Miguel Alvarez (vorne rechts) nimmt neben seinen maledivischen Vereinskollegen in der Hängematte Platz. (© Foto: HK)

Versmold/Malediven. Smaragdgrünes Wasser, puderweißer Sand, meterhohe Palmen – die Fotos, die Miguel Alvarez kurz nach seiner Ankunft auf den Malediven in die Heimat sendete, würden jeder Postkarte zur Ehre gereichen. Fast könnte man vergessen, dass der 34-Jährige seit Anfang April nicht zum Urlaub, sondern zum Arbeiten auf der Pazifik-Insel ist.

Vertragsunterschrift: Alvarez (rechts) mit Klubpräsident Abdulla Ahmed. - © Foto: HK
Vertragsunterschrift: Alvarez (rechts) mit Klubpräsident Abdulla Ahmed. (© Foto: HK)

„Ich musste nicht lange überlegen", erinnert sich Alvarez an den Moment, als ihm sein Berater vor gut einem Monat das Angebot des Vereins Thinadhoo unterbreitete. Dabei war es weniger die Aussicht auf die paradiesischen Lebensumstände, die den zu aktiven Zeiten für die Spvg. Versmold und den SV Häger spielenden Linksfuß aus Loxten reizte. Vielmehr hat er in der rund 14 000 Einwohnern zählenden Hauptstadt des Gaafu-Dhaalu-Atolls zum ersten Mal als Cheftrainer das Sagen.

„Technisch haben einige von den Jungs Drittliga-Niveau"

Bei seinen vorherigen Stationen in Saudi-Arabien und den USA war der Weltenbummler »nur« als Kotrainer, Scout oder Taktikanalytiker im Einsatz. Nachdem sich Engagements in Jordanien und China zerschlagen hatten, arbeitete er zuletzt an einem Projekt für den spanischen Ligaverband.

Die ersten Tage an seinem exotischen Arbeitsplatz haben ihn in seiner Entscheidung bestätigt. „Der Job bringt eine große Verantwortung mit sich. Aber er macht auch viel Spaß", sagt Alvarez. Sein Auftrag besteht darin, dem maledivischen Traditionsklub wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Immerhin ist es schon 16 Jahre her, dass Thinadhoo einen nationalen Titel gewonnen hat. Präsident des Erstligisten ist Abdulla Ahmed, ein gutbetuchter Politiker. „Er will, dass wir Meister werden", berichtet Alvarez.

Bei der Arbeit: Miguel Alvarez (rechts) wählte aus über 50 Spielern die besten für sein Team aus. - © Foto: HK
Bei der Arbeit: Miguel Alvarez (rechts) wählte aus über 50 Spielern die besten für sein Team aus. (© Foto: HK)

Die Mannschaft, mit der er am 1. Mai in die Saison startet, besteht vor allem aus jungen Talenten des Landes, das in der Weltrangliste der FIFA-Mitgliedsverbände Platz 151 belegt. Nur vier Spieler im Kader dürfen aus dem Ausland kommen, mindestens sechs müssen unter 21 Jahren sein. „Technisch haben einige von den Jungs deutsches Drittliganiveau, aber taktisch können sie noch viel lernen", sagt Alvarez. Ihre Heimspiele absolvieren die Kicker von Thinadhoo auf einem Sportplatz, der nur über eine kleine Tribüne verfügt. Das einzige echte Fußballstadion des Landes steht eine Flugstunde entfernt in der Hauptstadt Male.

Angst, dass seine Karriere durch den kuriosen Job in dem Zwergstaat (344 000 Einwohner) einen Knick erfahren könnte, hat Alvarez nicht – im Gegenteil. „Wenn ich unter diesen Bedingungen gute Arbeit leiste und Erfolg habe, kann das für meinen Ruf als Trainer nur gut sein", sagt er.

Ein großes Abenteuer erwartet Miguel Alvarez aber nicht nur auf, sondern auch neben dem Fußballplatz. Denn auf den Malediven ticken die Uhren einfach anders. „Manche Inseln hier haben nicht mal Strom. Dort laden die Menschen ihr Handy tagsüber mit Solarzellen auf", berichtet er. Ein offizielles Mannschaftsfoto musste bislang ausfallen. Das Boot mit den Trikots ist noch nicht in Thinadhoo angekommen.

„Es ist in allen Sinnen eine ganz neue Erfahrung"

Auch das scharfe Essen sei gewöhnungsbedürftig, am ersten freien Wochenende fing sich Alvarez gleich einen schmerzhaften Sonnenbrand ein. „Es ist in allen Sinnen eine ganz neue Erfahrung", fasst er zusammen.

Umso mehr freut sich der Familienvater, dass ihm im Juni seine Frau und die beiden Töchter aus Spanien nachreisen und zum ersten Mal auch dort leben werden, wo er sein Geld verdient. Auf ein Jahr ist Alvarez’ Vertrag in Thinadhoo zunächst befristet. „Wenn alles passt", sagt er, „könnte ich mir aber auch gut vorstellen, länger hier zu bleiben." Kein Wunder, wenn man die eingangs erwähnten Bilder sieht.

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